Fünf Gründe für den Aufstieg des FC Erzgebirge Aue

Der Holzmichel lebt noch und der FC Erzgebirge Aue sowieso: Mit dem Auswärtssieg bei Fortuna Köln machten die Sachsen ihre Rückkehr in die zweite Liga perfekt. Vor einem Jahr hätten damit wohl nur wenige gerechnet, dennoch gibt es für den Erfolg gute Gründe.

Nach nur einem Jahr Abstinenz kehrt der FC Erzgebirge Aue in die 2. Bundesliga zurück. Zwar gehören die Absteiger vor Beginn der Spielrunde meist zu den Favoriten für die Spitzenplätze, die Truppe um Pavel Dotchev hatten im Juli 2015 dennoch nur wenige auf der Rechnung. Nach dem radikalen Kaderumbruch stellte der Deutsch-Bulgare gemeinsam mit Sportdirektor Steffen Ziffert eine blutjunge Mannschaft zusammen. Dass mit dieser ein direkter Aufstiegsplatz erreicht wurden konnte, spricht dafür, dass im Erzgebirge vieles richtig gemacht wurde. liga3-online.de nennt fünf Gründe für den Aufstieg.

Grund 1: Eine überragende Defensive

In bislang 37 Punktspielen mussten die Veilchen nur 21 Gegentore hinnehmen. Ein sensationell niedriger, rekordverdächtiger Wert. Und tatsächlich: Spielt der FC Erzgebirge im letzten Saisonspiel gegen Preußen Münster zu Null, hätten sie mit dieser Defensivleistung einen neuen Drittliga-Rekord aufgestellt (bisher hält Eintracht Braunschweig diesen Bestwert mit 22 Gegentreffern in der Saison 2010/11). Im heimischen Erzgebirgsstadion kassierten die Sachsen gar nur vier (!) Gegentore. Mit einer solch überragenden Verteidigung machten die Auer letztlich auch ihre dürftige Offensivbilanz wieder wett. 39 Buden erzielten sie im bisherigen Saisonverlauf – selbst Abstiegskandidat Werder Bremen II hat ein Tor mehr auf dem Konto.

Grund 2: Martin Männel als Rückhalt im Kasten

An der tollen Defensivstatistik hat natürlich auch nicht zuletzt Torwart Martin Männel einen herausragenden Anteil. Dass der 28-jährige Mannschaftskapitän nach dem Abstieg im Verein blieb, spricht für seine Identifikation mit dem Klub – schließlich hatte Männel in der zweiten Liga stets unter Beweis gestellt, dass er mit seinem Können in diese Spielklasse verdient. Und auch eine Etage tiefer blieb er der erhoffte sportliche Rückhalt. Nun feiert er eine schnelle Rückkehr – mit seinen liebgewonnenen Veilchen.

Grund 3: Der Schulterschluss mit den Fans

Bei der genannten Bilanz von nur vier Heimgegentoren scheint es fast folgerichtig, dass der FC Erzgebirge Aue als einziges Drittliga-Team im heimischen Stadion ungeschlagen blieb. Der Begriff "Schulterschluss" wird im Fußball zwar inflationär benutzt, aber bei dem, was sich in Aue nach dem Zweitliga-Abstieg ereignete, scheint er wahrlich zuzutreffen. Anstelle mit ihrem Schicksal zu hadern oder ihrem Verein den Rücken zu kehren, machte sich im Erzgebirge eine "Jetzt erst recht“-Stimmung breit. Die Mitgliederzahlen stiegen, die Mannschaft lief mit dem Schlagwort "Kumpelverein“ auf dem Trikot auf, die Unterstützung in den Heimspielen war großartig. Auch, weil das Auer Publikum dem jungen Team Fehler verzieh – wenn sie denn mal vorkamen. Allzu häufig war das nicht der Fall, was zu einer absolut aufstiegsreifen Heimbilanz führte.

Grund 4: Eine kluge Zusammenstellung des Teams

Der im Juni 2015 ernannte Sportdirektor Steffen Ziffert blickt auf ein grandioses erstes Jahr im Erzgebirge zurück. Ebenso wie Trainer Pavel Dotchev gehört auch Ziffert zu den Planern des Erfolges. Gemeinsam stellte das Duo einen Kader zusammen, der auf allen Positionen gut besetzt ist und in dem auch die Bank noch schlagkräftige Alternativen hergibt. Jung, dynamisch und günstig zu haben schien dabei das Motto bei der Spielersuche – bis auf zwei Ausnahmen: Stürmer Nicky Adler und Mittelfeldspieler Christian Tiffert. Insbesondere Tiffert, der seine Karriere eigentlich schon beendet hatte und nach einem Jahr Fußballpause reaktiviert wurde, fügte sich hervorragend in die junge Meute ein. Zu Saisonbeginn agierte das junge Auer Team häufig noch zu ungestüm, teilweise übermotiviert – eine Vielzahl an Platzverweisen im ersten Saisondrittel zeugt davon. Es ist auch der Verpflichtung von Tiffert zu verdanken, dass auf lange Sicht Ruhe, Gelassenheit und Selbstvertrauen ins Auer Spiel einkehrten, wodurch der Aufstieg möglich wurde.

Grund 5: Die Stimmung im Team passte hervorragend

In einer Sache schienen sich alle Auer Spieler in dieser Saison einig: Die Stimmung in ihrem Team ist klasse. Winter-Neuzugang Pascal Köpke lobte vor einigen Wochen die Atmosphäre in der Mannschaft und den Spaß, den die Spieler beim Fußball gemeinsam haben. Das war der Truppe auch deutlich anzusehen. Selbst Leitwolf Tiffert ließ nicht den Zampano heraushängen, sondern wirkte als passender Baustein eines aufstiegsreifen Gefüges. Angeleitet von Pavel Dotchev hat sich diese Mannschaft im Laufe von nur knapp einem Jahres erstaunlich weiterentwickelt. Zwei Dinge fielen dabei besonders auf: Zum einen ging das Team mit Rückschlägen vorbildlich um und musste niemals zwei Niederlagen in Folge einstecken. Selbst wenn es mal auf die Mütze gab, wie 0:4 bei Bremen II oder dem 0:3 in Kiel, berappelten sich die Auer in Windeseile. Zum anderen stach die Konzentration des Teams heraus: Kein einziges Mal kassierten die Auer in der Nachspielzeit (weder der ersten, noch der zweiten Halbzeit) ein Gegentor. Unter dem Strich ist der Zweitliga-Aufstieg also mehr als verdient.

 
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