Fünf Gründe für den Aufschwung des MSV Duisburg

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Mit vier Siegen auf fünf Liga-Spielen und dem Weiterkommen im DFB-Pokal hat der MSV Duisburg einen Traumstart in die Spielzeit 2019/20 hingelegt. Es ist Balsam für die Seele der Spieler, Verantwortlichen und Fans, die sich nach dem katastrophalen Abstiegsjahr um ihren Verein sorgten. liga3-online.de nennt fünf Gründe für den Aufschwung.

Grund 1: Geschlossenheit im Verein

Viele Fans konnte MSV-Präsident Ingo Wald mit seinen Aussagen nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga nicht glücklich machen, als er Trainer Torsten Lieberknecht und Sportdirektor Ivica Grlic das Vertrauen aussprach – ein Großteil hätte den totalen Umbruch samt sportlicher Leitung wohl nicht abgelehnt, die Befürworter waren rar. Auch die Vorbereitung überzeugte die hartgesottene Anhängerschaft nicht, der Kader sei zu dünn und das Verletzungspech weiterhin erbarmungslos.

Gespannt warteten alle auf den 1. Spieltag und was die "Wundertüte MSV" zu Leisten imstande wäre – und wurden mit einem 4:1-Auftaktsieg gegen Großaspach, dem ersten seit neun Jahren, überrascht. Nicht nur in der Höhe des Ergebnisses, sondern auch in der Spielweise. Inzwischen ist klar: Lieberknecht und Grlic ließen ihre Kritiker verstummen, der im Laufe der letzten Saison verloren gegangene Teamgeist lebte wieder auf. Bezeichnend: Nach dem letzten 3:1-Heimsieg gegen Zwickau wurde Kapitän Moritz Stoppelkamp von den Fans auf den Zaun gerufen, doch der wollte nicht alleine dorthin – er holte die halbe Mannschaft zu sich und demonstrierte die Geschlossenheit in Duisburg.

Grund 2: Moritz Stoppelkamp

Damit ist auch schon der zweite Punkt für den unerwarteten Aufschwung klar: Moritz Stoppelkamp. Der gebürtige Duisburger war neben Mittelfeld-Abräumer Tim Albutat der einzige Akteur des Abstiegskaders, der seinen Vertrag verlängerte und den sprichwörtlichen Karren aus dem Dreck ziehen wollte. Von Lieberknecht zum neuen Kapitän ernannt, ging der 32-Jährige als "echter Anführer" voraus und erwies sich als unaufhaltsam:

Sieben Tore in fünf Spielen, in jeder Partie mindestens ein Treffer – Stoppelkamp alleine jubelte häufiger, als zwölf Mannschaften der Liga insgesamt. Zudem ist er der erste Spieler der Drittliga-Geschichte, der an jedem der ersten fünf Spieltage traf. Ob per feinem Lupfer (Großaspach), per Stolperer (Münster und Braunschweig) oder per platziertem Weitschuss (Zwickau): Moritz Stoppelkamp verkörpert aktuell symbolisch den absoluten Willen zum Toreschießen beim MSV.

Grund 3: Regionaler Kader überzeugt

Alleine steht er damit nicht da, denn mit 14 Treffern insgesamt stellen die Duisburger nach aktuellem Stand die beste Offensive der Liga. Wie eingangs erwähnt, haben das in der Sommervorbereitung noch nicht viele kommen sehen: Transfers von Regionalliga-Spielern wie Scepanik, Bitter oder Budimbu überzeugten die selbsternannten Scouts zunächst weniger. Die Wende kam, als man für Oberhausens Yassin Ben Balla bereit war, trotz klammer Kassen, eine Ablösesumme zu zahlen. Hinzu kam ein großer Name wie der von Marvin Compper, aber auch sympathische Geschichten um Oberliga-Stürmer Leroy-Jacques Mickels, der sich den Vertrag beim MSV mit Geduld erkämpfte.

Allesamt zahlen sie aktuell das Vertrauen zurück und die Strategie des MSV Duisburg, sich als Ausbildungsverein für junge Talente aus der Region zu positionieren, geht aktuell auf. Dass mit dem 20-jährigen Lukas Daschner ein weiterer "Duisburger Junge" anschickt, irgendwann einmal in die Fußstapfen von Moritz Stoppelkamp zu treten, ist dafür mehr als bezeichnend.

Grund 4: Außenverteidiger mit Scorerpunkten

Ein Königreich für einen vernünftigen Außenverteidiger – der MSV Duisburg litt jahrelang unter dem selben Problem, wie viele Mannschaften im deutschen Profifußball. Wirklich überzeugend waren in den vergangenen Jahren nur Julian Koch und Olivier Veigneau, dazwischen versuchten sich zahlreiche Außenverteidiger in Duisburg und die meisten scheiterten kläglich.

Mit teilweisen Ausnahmen seien noch Phil Ofosu-Ayeh und Rolf Feltscher zu nennen, doch Arne Sicker und Joshua Bitter gehören schon nach fünf Spielen zu den absoluten Gewinnern des Saisonstarts – mit jeweils zwei Vorlagen und guten Offensivaktionen könnten sie schon recht bald zu Publikumslieblingen werden.

Grund 5: Klub lernt aus der Vergangenheit

Der fünfte Punkt für den Aufschwung der Zebras ist im Grunde genommen ein Fazit aus den Vorangegangenen: Der MSV Duisburg hat aus seinen Fehlern der Vergangenheit gelernt. Oftmals wurde betont, wie finanziell schwach der Verein aufgestellt sei. Oftmals wurde der Verbleib in der 2. Bundesliga auf Biegen und Brechen als Argumentation genutzt, um das Überleben des Vereins zu sichern. Oftmals lieferten die Spieler immer wieder dieselben Entschuldigungen für ein vergeigtes Spiel.

Das alles hat sich inzwischen geändert, denn Torsten Lieberknecht geht mit Demut an seine Aufgabe heran und vermittelt diese auch seinem Team. Endlich – so wollen es die meisten Zebra-Fans sehen – wird etwas neu aufgebaut, statt altes Gemäuer zu flicken. Somit ist das Gesamtpaket wohl der wichtigste Punkt, der den Zebras nun hilft.

   

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