Fünf Fragen: Das erwartet uns am 29. Spieltag

Zum Ende der Englischen Woche verzerrt der Spielplan der 3. Liga mächtig. So haben der SV Meppen und auch Carl Zeiss Jena erst 26 Spiele, viele ihrer Konkurrenten aber bereits 28 Partien auf dem Konto. Auch zahlreiche Spitzenteams haben noch eine Extrapartie in der Hinterhand. Doch selbst in unbereinigter Form wird klar: Im Aufstiegsrennen komprimiert sich das Geschehen weiter. Paderborn und Magdeburg müssen sich vor Wiesbaden und Karlsruhe hüten, die in großen Schritten näherkommen.

Der 29. Spieltag

Paderborn allerdings hat nicht nur sechs Pflichtspiele nicht gewonnen, sondern muss zum Verfolger aus Rostock, der zuletzt eine unnötige Niederlage in Zwickau kassiert hat. Weitere interessante Spiele: Der 1. FC Magdeburg empfängt den VfR Aalen, eine unangenehme Aufgabe. Der Hallesche FC reist deutlich entspannter als befürchtet zum Chemnitzer FC. Die Sportfreunde Lotte wollen gegen Fortuna Köln wieder gegen den Abstieg punkten. Und der Karlsruher SC kann seine imposante Rückrundenserie beim Letzten aus Erfurt weiter ausbauen.

Frage 1: Holt sich Hansa die verlorenen Zähler aus Zwickau zurück?

Die Verfolger im Aufstiegsrennen legen aktuell mit starken Ergebnissen ordentliche Grundsteine für einen Endspurt, der es in sich haben wird. Ausgerechnet Hansa Rostock, das zwischenzeitlich schon auf Kurs Relegationsplatz war, muss nun aber vorerst zurückstecken. Auch, weil das immer noch beste Auswärtsteam in Münster und Zwickau verloren hat und in Bremen "nur" einen Punkt holte. Sieben Zähler groß ist der Rückstand auf die Spitze. Am Samstagnachmittag könnten es nur noch vier sein…

Denn Ligaprimus SC Paderborn gibt sich die Ehre. Eine schwere, aber nicht unlösbare Aufgabe für die Kogge von der Ostsee. Denn Paderborn schwächelt, die Selbstverständlichkeit der Hinrunde ist weg. Spielerische Glanzphasen werden immer seltener, stattdessen beißt sich Steffen Baumgart zusammen mit seiner Mannschaft die Zähne an effizient verteidigenden Defensiven aus. Für Baumgart ist die Reise in den Nordosten eine emotionale Rückkehr an alte Wirkungsstätte, an der er immer noch Kultstatus besitzt. Gut möglich, dass er Stürmer Sven Michel – der seit Oktober auf seinen nächsten Treffer wartet – dann wieder von Beginn an bringt.

Frage 2: Was bringt Jena der konditionelle Vorteil in Münster?

Während eine ganze Reihe Teams in der Englischen Woche schwerst schuften mussten, hatte Jena spielfrei: Sowohl die Begegnung in Meppen als auch das Heimspiel gegen Würzburg wurde abgesagt – letztere Partie allerdings erst kurz vor knapp, alle Spieler waren auf den Einsatz vorbereitet. Nichtsdestotrotz stecken den Thüringern im Vergleich zum kommenden Gegner Preußen Münster 180 Minuten weniger in den Knochen. Trainer Mark Zimmermann kann personell zudem aus dem Vollen schöpfen. Münster, das das Hinspiel mit 0:2 verlor, holte zuletzt mit dem Fokus auf der eigenen Defensive ein 0:0 in Aalen. Den SCP als auch Carl Zeiss eint die Heimstärke und die Auswärtsschwäche. Favorit ist damit klar Schwarz-Weiß-Grün. Jena hat nur eines von zwölf Spielen in der Fremde gewonnen…

Frage 3: Bleibt Wiesbaden in erster Verfolgerrolle?

Zugegeben: Viele Zuschauer werden sich das Duell zwischen Sonnenhof Großaspach und dem SV Wehen Wiesbaden wohl nicht anschauen. Aus Sicht der Gastgeber hat das auch gute Gründe: Großaspach taumelt immer weiter abwärts in der Tabelle, hat aus acht Spielen der Rückrunde noch nicht einen einzigen Sieg eingefahren. In Karlsruhe war die Leistung nicht einmal schlecht, die Effizienz aber bescheiden – der KSC war abgezockter und reifer als die jungen Württemberger. Die haben nun den nächsten Aufstiegskandidaten vor der Brust: Den SV Wehen Wiesbaden, der in Unterzahl gegen Lotte gewann und mit gewaltigem Selbstvertrauen ausgestattet sein dürfte. Schmilzt der Vorsprung von Paderborn und Magdeburg weiter? Wiesbaden könnte mit einem Auswärtssieg am Polster des Spitzenduos knabbern.

Frage 4: Muss Chemnitz seine Regionalliga-Planung konkretisieren?

Für einen Abgesang ist der 29. Spieltag definitiv noch nicht geeignet. Auch nicht beim Chemnitzer FC, der acht Punkte Rückstand auf den Tabellensiebzehnten aus Lotte besitzt – immerhin aber noch ein Nachholspiel in der Hinterhand weiß. Ein Ass im Ärmel oder die nächste Fahrkarte? Zunächst gastiert der Hallesche FC an der Gellertstraße. Das hätte ein echtes Sechs-Punkte-Spiel werden können, doch der HFC ist nach seinem mühsamen, aber verdienten 1:0 über Bremen nicht mehr erste Anlaufstelle der Sachsen. Verlockend ist die Ausgangslage für Halle dennoch, ein Auswärtssieg dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit wohl den Klassenerhalt bedeuten. Nur: Schaffen die Chemiestädter endlich zwei Erfolge in Serie? Verzichten muss Rico Schmitt bei diesem Unterfangen auf den gelbgesperrten Royal-Dominique Fennell.

Frage 5: Greift Karlsruhe Platz zwei an?

Bislang spielt der Karlsruher SC eine phänomenale Rückserie. Sechs Siege, drei Remis, keine Niederlage. 13 Tore, vier Gegentore. Alois Schwartz hat nach seiner Einstellung im Herbst ziemlich schnell Ruhe in den Verein gebracht und ihn auf Erfolgskurs gebracht – längst weiß die Tabellenspitze, dass Karlsruhe lauert und auf die nächsten Fehler wartet.

Auswärtsspiele bedeuten in der 3. Liga bekanntlich Bonuspunkte. Doch ganz so hoch hängen die Trauben am Sonntag nicht: Karlsruhe reist zum Letzten, reist zu Rot-Weiß Erfurt an den Steigerwald. Neun Punkte holte Erfurt nur aus zwölf Heimspielen, hat mit dem spät kassierten 1:1-Ausgleich in Unterhaching den nächsten moralischen Nackenschlag erhalten. 32 (!) Punkte trennen den Zweitliga-Absteiger und den wahrscheinlichen künftigen Drittliga-Absteiger voneinander. Umso klarer ist, dass Karlsruhe einen Sieg getrost in Angriff nehmen darf, vielleicht sogar muss – es könnten die entscheidenden Zähler sein, die die Rheinländer der Konkurrenz voraus sind. Kurios: In den vergangenen fünf Spielen der Karlsruher stand es zur Pause immer 0:0. Ob diese Serie in Thüringen fortgeführt wird? Gewinnt Karlsruhe und verliert Magdeburg zeitgleich gegen Aalen, winkt unter Umständen sogar Platz zwei.

 

   
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