Flückiger über Türkgücü-Aus: "Kann man kaum beschreiben"

Im Interview mit liga3-online.de spricht Franco Flückiger, der bis zuletzt noch bei Türkgücü München zwischen den Pfosten gestanden hatte, über die plötzliche Arbeitslosigkeit, die gute Moral der Mannschaft bis zum Schluss, die bürokratischen Anforderung und über ein mögliches Wiedersehen mit Türkgücü München in der 12. Liga.

"Sehr angespannte Situation"

liga3-online.de: Der Worst-Case ist eingetroffen. Türkgücü hat den Spielbetrieb eingestellt und verabschiedet sich aus der 3. Liga. Wie gehen Sie als Spieler damit um, Herr Flückiger?

Franco Flückiger: Nicht nur für uns als Spieler, sondern auch für alles Mitarbeiter des Vereins ist es ein harter Schlag. Es hat sich zwar in den letzten Wochen angedeutet, allerdings haben wir uns alle bis zur letzten Sekunde am letzten Fünkchen Hoffnung geklammert.

Wie haben sich die letzten Wochen angefühlt, wenn man nicht weiß, ob und wie es weitergeht?

Es war eine komische und vor allem sehr angespannte Situation, die ich kaum beschreiben kann. Wir haben zwar versucht, die ganze Situation nicht an uns herankommen zu lassen. In den Medien hat man dann aber immer mal wieder eine neue Entwicklung aufgeschnappt. Mal war etwas Hoffnung mit dabei, dann aber auch wieder Ernüchterung. Für den Kopf und die Psyche war es keine leichte Aufgabe.

Wann haben Sie innerhalb der Mannschaft gespürt, dass es zu Problemen kommen könnte?

Tatsächlich haben wir das auch erst so richtig mitbekommen, als es auch in den Medien die Runde gemacht hat. Spätestens als dann der Investor Hasan Kivran abgesprungen ist, waren wir auf uns allein gestellt. Aber ich ziehe meinen Hut davor, wie die Mannschaft mit der Situation umgegangen ist. Trotz des Punkteabzugs hat man innerhalb des Teams immer den Willen gespürt, etwas erreichen zu können. Ich gehe davon aus, dass wir auch noch ein Wörtchen um den Klassenverbleib mitreden könnten, wenn wir die Saison zu Ende gespielt hätten.

Wie gehen Sie jetzt mit der plötzlichen Veränderung um?

Für mich geht es jetzt darum, mich in den restlichen Wochen bis zur Sommerpause fit zu halten. Dafür trainiere ich auch weiterhin mit meinem bisherigen Torwarttrainer Bernd Dreher. Auch zu Robert Mayer, der Torwarttrainer beim Bayernligisten TSV Wasserburg ist, habe ich ein gutes Verhältnis und absolviere mit ihm die eine oder andere Einheit.

Sie hatten erst seit kurzem wieder den Platz zwischen den Pfosten besetzt, konnten sich mit starken Leistungen beweisen. Wie sehr ärgert Sie das in dieser Situation, dass es jetzt nicht mehr weitergeht?

Ich muss dazu auch ehrlich sagen, dass es ohne das ganze Drumherum wahrscheinlich gar nicht erst dazu gekommen wäre, dass ich wieder zwischen den Pfosten stehe. Ich habe aber mein Bestes gegeben, um meine Chance zu nutzen. Schließlich will ich mich auch für einen neuen Verein empfehlen.

Wie nutzen Sie jetzt Ihre freie Zeit?

Auf mich kommt jetzt ein einiges ab bürokratischen Aufwand zu. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass von der Agentur für Arbeit so viel Papierkram zu erledigen ist (lacht). Aber im Ernst:  Ich nutze jetzt die gemeinsame Zeit mit meiner Freundin. Wir besitzen zusammen vier Pferde, die auch Ihre Pflege benötigen. So vergeht die Zeit wie im Flug. Außerdem verbringe ich jetzt auch mehr Zeit beim TSV Pliening/Landsham, bei dem ich als Trainer tätig bin.

 

"Wäre kurios in der 12. Liga auf Türkgücü zu treffen"

Sie hatten Mal gesagt, dass Sie mit 40 nicht mehr zwischen den Pfosten stehen wollen. Ein paar Jahre sind aber durchaus noch möglich, oder?

Auf jeden Fall. Ein bisschen Saft habe ich noch im Köcher (lacht). Da bin ich aber auch flexibel und für Vieles offen. Im besten Fall kann ich mich bei einem neuen Verein im Profibereich noch einmal beweisen. Es ist aber auch durchaus möglich, dass ich mindestens eine Liga tiefer gehe und nebenbei ein berufliches Standbein aufbaue.

Gab es schon Kontakt zu anderen Klubs?

Es gab vereinzelte Gespräche, aber noch nichts Konkretes. Auch mit Robert Mayer vom TSV Wasserburg habe bereits über meine Perspektiven gesprochen. Die Phantasien, beim TSV anzuheuern, haben wir dann aber recht schnell über Bord geworfen (lacht).

Seit letztem Jahr sind Sie zusätzlich Trainer des TSV Pliening/Landsham in der Münchner C-Klasse (12. Liga). Richten Sie nun verstärkt den Fokus auf die Trainerlaufbahn?

Aktuell liegt der Fokus auf jeden Fall noch auf meiner aktiven Laufbahn. Für den Ausbau meiner Trainertätigkeit ist danach noch immer Zeit. Die Arbeit mit den Jungs macht mir aber auf jeden Fall sehr viel Spaß, auch wenn mir seitdem das eine oder andere graue Haar mehr gewachsen ist. Zu Beginn musste ich mich zwar daran gewöhnen, nicht alles so ernst zu nehmen. Jetzt habe ich mich aber daran gewöhnt, dass es immer wieder zu privaten Ausfällen wegen der Arbeit oder so kommen kann. Dennoch lege ich auch als Trainer viel Wert auf Disziplin, vor allem auf Pünktlichkeit.

In der nächsten Saison könnte ein Ligakonkurrent Türkgücü München heißen. Können Sie sich das Duell vorstellen?

Das wäre schon kurios, wenn Türkgücü unserer Staffel zugeteilt wird und wir uns plötzlich in der 12. Liga gegenüberstehen. Aber da ich nicht im Bösen mit dem Verein auseinander, wäre es auf jeden Fall ein interessantes Duell. Vielleicht sieht man ja dann bei dieser Gelegenheit auch das eine oder andere bekannte Gesicht wieder.

Nun sind Sie neutraler Beobachter der 3. Liga. Wem trauen Sie am Ende den Sprung in die 2. Bundesliga zu?

Mit einem blau-weißen Herz bin natürlich für meinen früheren Klub 1. FC Magdeburg. Der Verein hat sich das im Laufe der Saison vollkommen verdient, wieder in die 2. Bundesliga zurückzukehren. Dahinter muss man sehen, welcher Klub am Ende den längeren Atem hat. Aber auch meinem anderen Ex-Klub aus der 3. Liga, dem Halleschen FC, drücke ich in den restlichen Spielen die Daumen, auch in der nächsten Saison drittklassig zu spielen.

   
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