Finanzprobleme? Münster zeigt, wie man es besser macht

Viel ist schon über Wirtschaftlichkeit der 2008 ins Leben gerufenen 3. Liga diskutiert worden. Einige große Traditionsvereine wie Osnabrück, Bielefeld, Rostock, Karlsruhe oder zuletzt vor allem Aachen sind durch finanzielle Probleme in die Negativschlagzeilen geraten. Vielleicht war die Lücken zwischen dem gewünschten Anspruch und der tatsächlichen Wirklichkeit einfach zu groß, sodass eine seriöse Finanzpolitik nicht gewährleistet werden konnte. Ein Paradebeispiel für sportlichen Erfolg und finanziellem Weitblick ist hingegen zweifelsfrei der SC Preußen Münster.

Preußen Münster lernt aus den Fehlern

Auf dem zweiten Tabellenplatz und damit auf einem direkten Aufstiegsplatz liegend, steht das Bundesliga-Gründungsmitglied in der 3. Liga und ist schuldenfrei. Vor wenigen Jahren noch war der SCP sportlich und finanziell am Abgrund. In der vierten Liga konnte man keine allzu großen Einnahmen generieren. Der traditionsreiche Name war längst verblasst. Das mehr als marode wirkende Preußenstadion war ein Spiegelbild für das Gesamtbild, welches die Münsterländer in der Öffentlichkeit abgaben. Von einigen wurde der Verein nur noch belächelt, da die Finanzgebaren bei den Preußen mehr als undurchsichtig erschienen. So waren die „Preußen-Adler“ im Jahr 2004 schon insolvent. Letztlich war es jedoch der sportliche Erfolg in Form des Drittliga-Aufstiegs im Jahr 2011, der den Traditionsverein auch wirtschaftlich eminent nach vorne bringen konnte. Die Spieler sind mit leistungsbezogenen Verträgen ausgestattet worden. Der Erfolg des Vereins ist das entscheidende Kriterium, womit natürlich auch dem Verein gedient ist.

DFB-Pokal hilfreich bei Entschuldung

Besonders stark konnten die Spieler ihre Vereinsverantwortlichen mit dem sensationellen 4:2-Sieg in der ersten Runde im DFB-Pokal gegen Werder Bremen beeindrucken, mit dem neben dem Prestigegewinn vor allem auch finanziell neuer Spielraum dazugewonnen werden konnte. Im Gespräch mit sportschau.de konnte Preußen Münster-Geschäftsführer freudig verkünden: „Durch diese zusätzlichen Einnahmen können wir vorfristig entschulden. Das bedeutet, dass wir dann Ende des Jahres schuldenfrei sein werden.“ Ab Mitte der Neunziger Jahre bis 2006 trug der ehemalige Stürmer mit einigen Unterbrechungen den Preußen-Adler auf der Brust. Zur aktiven Profizeit hat der Verein nach Angaben von Preußen-Präsident Dr Marco de Angelis einen Schuldenstand von etwa 1,5 Millionen Euro angehäuft und musste daher in allen Bereichen den Rotstift ansetzen. Seit sieben Jahre konnten durch den sportlichen Erfolg diese Schulden beseitigt werden, sodass von einer gewissen kaufmännischen Geschicklichkeit die Rede sein darf.

Tolle Entwicklung in Münster

Beim SC Preußen hat sich in den letzten Jahren enorm viel zum Positiven verändert. Mit Sponsoren, die in der Studentenstadt eine zuverlässige Partnerschaft mit den hochseriösen Verein bilden, hat man die finanzielle Basis geschaffen, um eine aufstiegstaugliche Mannschaft zusammenzustellen. Das veraltete Stadion, welches von einigen Fans schon ein wenig despektierlich „Antik-Arena“ genannt worden ist, wurde in einigen Bereichen renoviert. Im Jahr 2009 ist die neue Haupttribüne fertiggestellt worden. Auch die Logen, die eine entsprechende Einnahmequelle garantieren, sind komplett vermarktet worden. Die Preußen haben Fans wie Sponsoren aus Münster und Umgebung durch ihr sympathisches Auftreten in ihren Bann gezogen. Nun kommen durchschnittlich rund 8.000 Fans pro Spiel ins immer noch etwas historisch anmutendem Preußenstadion.

Fehlender Weitblick bei Traditionsteams

Ein wenig anders gestaltet sich die Situation bei den zuletzt auch höherklassig aktiven Teams aus Bielefeld, Osnabrück, Karlsruhe, Rostock und Aachen. Die treuen, wie auch durch die erfolgreiche Vergangenheit anspruchsvollen Fans mussten zufrieden gestellt werden. Dafür wurden die falschen Mittel angewandt, weil das Risiko sich letztlich als zu groß erwiesen hat. Bei Bielefeld und Aachen war es vor allem das neue Stadion, welches sich nicht refinanzieren ließ und der fehlende Weitblick bei den Vereinsverantwortlichen, der zu den enormen Problemen geführt hat. Der KSC hat zu hohe Spielerverträge abgeschlossen, die zu wenig mit erfolgsbedingten Prämien ausgehandelt wurden. „Tradition verpflichtet“ war sicherlich für alle genannten Vereine ein entscheidendes Kriterium, um die treuen Fans und das anspruchsvolle Umfeld zufrieden zu stellen. Teilweise ist jedoch auch geradezu leichtgläubig mit der Verteilung der Fernsehgelder umgegangen worden, sodass Gelder letztlich gefehlt haben, die schon längst im Vorfeld ausgegeben worden sind. Auch Naivität kann diesbezüglich als klares Manko benannt werden, denn solide Geschäftsführung konnte bei den finanziell in Schwierigkeiten geratenen Traditionsvereinen nicht eindrucksvoll nachgewiesen werden. Nun müssen diese Vereine kreative Lösungen erarbeiten, während Preußen Münster sportlich und wirtschaftlich rosigen Zeiten entgegenblicken darf.

FOTO: Flohre Fotografie

   
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