Finanzchaos bei Türkgücü war noch schlimmer als bisher bekannt

Erst die Insolvenz, dann die Einstellung des Spielbetriebs: Türkgücü München war in der vergangenen Saison krachend gescheitert und hatte sich bereits vorzeitig aus der 3. Liga verabschiedet. Ein Bericht legt nun nahe, dass das Finanzchaos noch schlimmer war als bisher bekannt.

5,3 Millionen Euro Verlust in 20/21

Vier Millionen Euro! Diese Summe stand bislang im Raum, wenn es um das Minus aus der Saison 2020/21 ging. Doch wie ein Bericht der Kanzlei "Jaffé Rechtsanwälte", die die Insolvenz des einstigen Drittligisten abwickelt, nun nahelegt, war der Verlust noch deutlicher größer: "Einer vorliegenden Gewinn- und Verlustrechnung zum Geschäftsjahr bis 30.06.2021 zufolge sollen alleine in diesem Zeitraum Verluste von € 5,3 Mio. entstanden sein", zitiert der "Kicker" aus dem Bericht.

Dennoch schlug Türkgücü im Sommer 2021 kräftig auf dem Transfermarkt zu und holte 20 neue Spieler – darunter Hochkaräter wie Tim Rieder (1. FC Kaiserslautern), Törles Knöll (Slaven Belupo), Mergim Mavraj (Greuther Fürth), Albion Vrenezi (Jahn Regensburg), Paterson Chato (SV Wehen Wiesbaden) und Andy Irving (Heart of Midlothian). Die Folge: Allein zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2021 machte Türkgücü weitere drei Millionen Euro Minus. Pikant: Es war exakt die Summe, die Türkgücü im Vorfeld der Saison beim DFB für Personalkosten im Spielbetrieb angeben hatte. Am Ende lagen die Personalkosten bei fünf Millionen Euro.

Kivran investierte wohl elf Millionen Euro

Doch warum waren die Münchner trotz der horrenden Verluste überhaupt noch zahlungsfähig? Die Antwort lautet: Hasan Kivran. Der Investor, der seinen Einstieg im Nachhinein bereute, soll dem Bericht zufolge einen Betrag von über 11 Millionen Euro investiert haben, davon alleine im Jahr 2021 rund 6,7 Millionen Euro in Form von Darlehen. Als Kivran im Januar 2022, als weitere 2,5 Millionen Euro benötigt wurden, dann nicht mehr zahlen wollte, blieb Geschäftsführer May Kothny nichts anderes übrig, als beim Amtsgericht Insolvenz anzumelden. Und weil anschließend kein neuer Geldgeber gefunden wurde, der den Spielbetrieb bis zum Saisonende finanziert hätte, musste Türkgücü bereits im März endgültig aufgeben.

Ihr Geld – rund 2,5 Millionen Euro sind angemeldet worden – sehen die Gläubiger wohl nicht wieder: Zwar wies Türkgücü mit Stand von Juni 2022 ein Vermögen von rund zwei Millionen Euro aus, allerdings heißt es in dem Bericht: "Die Gläubiger werden in Folge hoher Masseverbindlichkeiten aus Löhnen und Gehältern vsl. mit keiner Quote rechnen können."

Zulassungsverfahren verschärft

Während sich der DFB mit seinem Zulassungsverfahren seinerzeit vor Grenzen gestellt sah, hat der Verband das Verfahren nun verschärft. So droht ab der Saison 2023/24 bei "erheblichen Überschreitungen" der Personalkosten ein Abzug von bis zu drei Punkten. Außerdem müssen Klubs, deren Gesamterträge zu 80 Prozent oder mehr für Personalaufwendungen im Spielbetrieb verwendet werden, eine zusätzliche Liquiditätsreserve in Höhe von einer Million Euro hinterlegen. Maßnahmen, mit denen das Türkgücü-Aus womöglich hätte verhindert werden können. Oder Türkgücü, das derzeit den achten Platz in der Regionalliga Bayern belegt, hätte für die Saison 2021/22 erst gar keine Zulassung erhalten.

   
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