Milan Sasic im Interview: "Versprechen kann ich nichts“

Harte Zeiten brechen derzeit im Ludwigspark an. Mit dem 1. FC Saarbrücken steht in diesen Tagen ein einstiger Bundesligist vor dem freien Fall in die Niederungen des Fußballs. Verhindern sollte dieses Schreckensszenario in Person von Trainer Milan Sasic eigentlich ein erfahrener Mann. Doch spätestens seit dem verpatztem Jahresauftakt (1:3-Niederlage im Derby bei der SV Elversberg) wackelt auch dessen Stuhl in der saarländischen Landeshauptstadt mehr als bedenklich. Selbst aus den eigenen Reihen wurde zuletzt zunehmend Kritik an seiner Arbeitsweise laut. Einzig Präsident Hartmut Ostermann spricht dem 55-Jährigen weiterhin das Vertrauen aus – bislang jedoch ohne zählbaren Erfolg.

Gegenwind seitens der Fans

So setzte es für das Team des knorrigen Kroaten am vergangenen Wochenende auch im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart II (0:1) eine bittere Niederlage. Insbesondere sein autoritärer Führungsstil könnte dem Übungsleiter im Abstiegskampf nun zum Verhängnis werden. Mit jedem verlorenen Spiel nimmt der Druck auf den Fußballlehrer zu. Viel Zeit bleibt Sasic nicht mehr, um die Saarländer – zurzeit Tabellenletzter der 3. Liga – wieder auf Kurs zu bringen. Erstmals seit seinem Amtsantritt im September letzten Jahres sieht sich Saarbrückens Trainer auch mächtig Gegenwind von den eigenen Fans, die zuletzt lautstark seinen Rauswurf forderten, ausgesetzt. Im ausführlichen und exklusiven Interview mit liga3-online.de spricht Milan Sasic über die aktuelle Entwicklung beim Schlusslicht, er äußerte sich zu den Vorwürfen an seine Person und gab tiefe Einblicke in sein momentanes Gefühlsleben.

liga3-online.de: Herr Sasic, vor knapp 150 Tagen haben Sie den Posten des Cheftrainers beim 1. FC Saarbrücken übernommen. Hatten Sie erwartet, dass es so schwierig werden würde?

Milan Sasic: Ich muss zugeben, dass die derzeitige Situation in Saarbrücken sehr komplex ist. Klar bin ich enttäuscht, dass wir zuletzt nicht gewonnen haben. Aber meine Mannschaft hat die Aufgaben, die wir uns vorgenommen haben, am vergangenen Spieltag sehr gut umgesetzt und eine viel bessere Partie als noch in Elversberg abgeliefert. Ich war vielmehr enttäuscht, dass bereits zum sechsten Mal ein unberechtigter Elfmeter gegen uns gepfiffen wurde. Mir war von Anfang an klar, wie schwierig es werden würde. Aber genau diese Aufgaben reizen mich auch. Trotz der großen Probleme habe ich diese Herausforderung gerne angenommen. Am Ende wird vor allem wichtig sein, dass wir als Einheit erfolgreich sind. Daran arbeite ich mit dem gesamten Team.

Es scheint, als würden Sie momentan die schwerste Zeit Ihrer bisherigen Trainerlaufbahn durchleben.

Diese Frage lässt sich erst am Saisonende abschließend beantworten. Ich hatte bereits mehrere schwierige Situationen zu meistern. Als ich beispielsweise bei der TuS Koblenz angefangen habe, hatten wir nur vier Spieler, dafür aber viele Schulden. Am Ende sind wir bis in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Beim 1. FC Kaiserslautern war die Situation damals fast schon unmenschlich. Sechs Spieltage vor Schluss betrug der Rückstand zum rettenden Ufer acht Punkte. Trotzdem haben wir die Klasse gehalten.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Arnold hatte Sie zuletzt öffentlich kritisiert und sprach davon, dass das „Projekt Sasic“ stark gefährdet sei. Spüren Sie noch die Rückendeckung vom Verein?

Wieso Herr Arnold mit dieser Aussage an die Öffentlichkeit getreten ist, muss er selber beantworten. Ich übe nie öffentliche Kritik an anderen Personen, deswegen kann ich diesen Schritt auch nicht beurteilen. Dass aber von Vereinsmitgliedern über die Medien kommuniziert wird, finde ich nicht gut. Ich persönlich habe keine Probleme damit, mich kritisieren zu lassen. Aber um auf Ihre eigentliche Frage zurückzukommen: Ja, ich spüre die komplette Rückendeckung vom Verein.

Ihre Mannschaft hat die vergangenen vier Spiele allesamt verloren und ziert damit aktuell das Tabellenende. Woher nehmen Sie also den Optimismus was das Saisonziel Klassenerhalt anbelangt?

Aus meiner Lebenserfahrung, die mich zuversichtlich stimmt. Ich habe meine Ziele immer erreicht, egal bei welchem Verein ich bisher gearbeitet habe. Versagt habe ich als Trainer noch nie. Im Gegenteil: Ich habe auch schon kleine Wunder vollbracht. Mit dem MSV Duisburg zum Beispiel. Dort haben wir 2011 trotz eines der kleinsten Etats der 2. Bundesliga den Einzug in das Pokalendspiel geschafft. Nein, mich hat im Leben keiner gestreichelt und ich musste mir immer alles hart erarbeiten. Ich bin bereit, auch diesen Weg mit Saarbrücken zu gehen und werde alles dafür tun, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen.

Man warf Ihnen zuletzt auch mangelndes Engagement an der Seitenlinie vor.

Das ist absoluter Quatsch. Für mich ist das einfach nur pauschale Aussagen. Es gibt bei uns ein altes Sprichwort: Beurteile niemals ein Pferd, welches du nicht selber einmal geritten bist. Die Leute, die meine Körpersprache kommentieren, haben eine derartige Situation selbst noch nie in ihrem Leben durchgemacht. Jeder weiß, dass ich eher ein temperamentvoller und engagierter Trainer bin. Aber es gibt halt auch die Momente in einer Begegnung, in denen Ruhe einfach mehr ausmacht. Zwei sehr erfolgreiche deutsche Trainer der letzten Jahre sind doch das beste Beispiel: Einerseits Jürgen Klopp, der jeden Moment an der Seitenlinie explodieren könnte, und andererseits Jupp Heynckes, der auf der Bank bis zuletzt das Bild eines ruhig sitzenden Denkmals abgab. (lacht)

Konzeptlosigkeit, fragwürdige Personalentscheidungen, ein veraltetes Spielsystem – bringen Sie Verständnis auf für die Kritik aus den Reihen der Fans?

Ich habe nichts gegen sachliche und konstruktive Kritik. Mein Weg war immer ein enger Kontakt zu den Fans, schließlich spielen wir doch auch Fußball für die Anhänger. Diese Einstellung wird sich bei mir nicht ändern. Wichtig ist nur die Art der Kommunikation. Wir müssen fairerweise sagen, dass es momentan bei uns nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben. Deswegen treffe ich mich auch mit den Fans und laufe nicht vor der Verantwortung weg.

Dem Vernehmen nach sollen sogar erste Sondierungsgespräche mit potenziellen Nachfolgern geführt worden sein. Belasten Sie diese Gerüchte bei Ihrer täglichen Arbeit?

Das sind Spekulationen, die mich überhaupt nicht berühren. Ich wäre sonst auch nicht stabil genug für den Trainerjob. Meine Ebene ist mehr die direkte Kommunikation. Diese Entwicklung ist allgemein schädlich für unsere Gesellschaft und ich finde es sehr schade, dass diese Gerüchte so viel Anerkennung in den Medien bekommen.

In der Winterpause haben Sie gleich zehn neue Spieler verpflichtet.

Wir haben diese Entscheidung gemeinsam aus der Überzeugung getroffen, dass wir etwas verändern mussten. In der Hinrunde hatten wir große Probleme, als es viele Langzeitverletzte in unseren Reihen zu beklagen gab. Einige Spieler haben die Erwartungen auch einfach nicht erfüllt, deswegen haben wir uns letztlich zu diesem Schritt entschlossen. Unser größtes Problem ist jetzt die Zeit, die wir einfach nicht haben. Wir tun aber bereits alles, um die Prozesse zu beschleunigen.

Sie haben die fehlende Zeit angesprochen. Bereits am kommenden Samstag geht es mit dem Auswärtsspiel beim VfL Osnabrück weiter.

Osnabrück ist immer ein heißes Pflaster. Uns allen ist klar, dass der VfL in diesem Spiel der Favorit ist, aber wir haben einen Auftrag und wollen die Klasse halten. Dazu müssen wir – bei allem Respekt vor dem Gegner – versuchen, auch in Osnabrück die drei Punkte mit nach Hause zu nehmen. Dazu werde ich meine Mannschaft wie immer gründlich vorbereiten und den Gegner entsprechend analysieren.

Bis zu Ihrem Engagement in Saarbrücken nahmen Sie sich eine knapp zweijährige Auszeit, in welcher Sie nach eigenen Aussagen auch aus Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Wie unterscheidet sich der frühere Trainer-Novize Sasic vom heutigen FCS-Chefcoach Sasic?

Als Trainer habe ich über die Jahre logischerweise viel an Erfahrung gesammelt, wofür ich auch sehr dankbar bin. Von Natur aus bin ich eher einer, der nur das Positive abspeichert und die negative Zeit sehr schnell vergisst. Zu meinem Glück hat in dieser Zeit das Positive passenderweise auch überwiegt. Der Mensch Milan Sasic ist dagegen gleich geblieben. (lacht)

Sie haben einmal erzählt, dass Sie Ihre Spieler wie Ihre eigenen Kinder behandeln würden. Wie dürfen wir uns den Familienvater Milan Sasic vorstellen?

Wichtig ist vor allem, den Kindern einerseits mit viel Liebe, aber andererseits auch mit einer deutlichen Ansprache und Führung die Realität in unserer Gesellschaft vor Augen zu führen. Wir können nicht nur Träume oder Visionen haben. Wenn man im Leben Erfolg haben will, zählen nur Leistungen, Qualifikationen und Engagement. Das ist die Art und Weise, wie ich mit beiden – also meinen Kindern und Spielern – versuche umzugehen, damit diese in ihrem weiteren Leben erfolgreich sind.

 

Teil 2: Sasic über seine Zeit in Koblenz und Kaiserslautern

 

FOTOS: Dieter Schmoll

 

   
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