Faktencheck zum Duell Wiesbaden gegen Ingolstadt

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Jetzt gilt es für den SV Wehen Wiesbaden! Der Tabellendritte der 3. Liga will seine erfolgreiche Saison in der Relegation mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga krönen. Gegner ist am Freitag und Dienstag (jeweils ab 18.15 Uhr live im ZDF) der FC Ingolstadt, der die Zweitliga-Saison auf Rang 16 beendete. In unserem Faktencheck blicken wir auf das Relegationsduell.

Oral ist der vierte Trainer

Saisonverlauf: Der SV Wehen Wiesbaden kam in der 3. Liga nicht gut aus den Startlöchern. Nach sechs Spieltagen hatten die Hessen erst einen Sieg geholt (vier Niederlagen, ein Remis) und rangierten auf Abstiegsplatz 18. Danach ging es aber aufwärts, zur Winterpause stand Rang sechs zu Buche. Der Rückstand auf Relegationsplatz drei betrug zu diesem Zeitpunkt sieben Zähler. In der Rückserie lief es dann noch besser. Als beste Rückrundenmannschaft (43 Zähler) sicherte sich der SVWW die Teilnahme an der Relegation und gab den dritten Platz ab dem 35. Spieltag nicht mehr her. Im zehnten Drittliga-Jahr in Folge hat Wehen Wiesbaden nun die Chance, in die 2. Bundesliga zurückzukehren.

Der FC Ingolstadt war in der 2. Liga von Saisonbeginn an durchgängig in der unteren Tabellenhälfte zu finden. Seit dem 7. Spieltag rangierte der FCI nicht einmal auf einem sicheren Nichtabstiegsplatz. Insgesamt 15 Spieltage war Ingolstadt sogar Schlusslicht. Mit einem beeindruckenden Saisonendspurt gelang es dem FCI zumindest, sich in die Relegation zu retten. Vom 28. bis zum 33. Spieltag holte der ehemalige Bundesligist 16 von 18 möglichen Punkten, nur gegen Holstein Kiel (1:1) gab es keinen Sieg.

Die Trainer: Für Rüdiger Rehm ist der SV Wehen Wiesbaden erst seine dritte Trainerstation. Der 40-jährige Fußball-Lehrer startete seine Trainerlaufbahn 2008 als Co-Trainer bei der SG Sonnenhof Großaspach, dort wurde er vier Jahre später auch erstmals Cheftrainer. Im Juli 2016 übernahm der ehemalige Zweitligaprofi (unter anderem Erzgebirge Aue und Waldhof Mannheim) die Leitung bei Arminia Bielefeld. Es blieb aber ein kurzes Intermezzo, nach nur elf Partien wurde er beim Zweitligisten freigestellt. Seit Februar 2017 betreut Rehm nun den SV Wehen Wiesbaden – und das ziemlich erfolgreich. In der Saison 2016/17 führte er den SVWW von Abstiegsplatz 19 noch auf Rang sieben, in der letzten Spielzeit verpasste Wehen Wiesbaden als Tabellenvierter nur knapp die Relegation (ein Zähler fehlte). In dieser Saison legten die Hessen noch eine Schippe drauf und holten mit 70 Zählern zwei Punkte mehr als 2017/18.

Beim FC Ingolstadt kam mit der Rückkehr von Tomas Oral im April der Erfolg zurück. Unter der Regie des 46-jährigen Fußball-Lehrers, der bereits von 2011 bis 2013 den FCI gecoacht hatte, holte Ingolstadt in sieben Begegnungen durchschnittlich 2,27 Punkte (fünf Siege, ein Remis und eine Niederlage). Erst am letzten Spieltag beim 1. FC Heidenheim verloren die Bayern erstmals mit Oral (2:4). Damit sammelte der FCI in den ersten sechs Begegnungen nach dem Amtsantritt von Oral fast genauso viele Zähler (16), wie in allen 27 vorherigen Saisonspielen (19). Nach Stefan Leitl, Alexander Nouri und Jens Keller ist der langjährige Coach des FSV Frankfurt der vierte Ingolstadt-Trainer in dieser Spielzeit.

Offensivmaschine Wiesbaden

Die Torjäger: Der SV Wehen Wiesbaden sucht sein Heil meist in der Offensive. Mit 71 Treffern stellt das Team von Trainer Rüdiger Rehm den besten Angriff der Liga. 31 dieser 71 Tore gehen auf das Konto von Manuel Schäffler (16) und Daniel-Kofi Kyereh (15). Während der Ex-Ingolstädter Schäffler (2012 bis 2014) schon seit 2016 Torgarant beim SVWW ist, kam Sturmpartner Kyereh erst im letzten Sommer vom Nord-Regionalligisten TSV Havelse zu den Hessen. Und der 23-jährige Knipser aus Ghana schlug sofort ein. Gemeinsam mit Schäffler schoss er Wehen Wiesbaden in die Relegation.

Beim FC Ingolstadt war Sonny Kittel mit zehn Saisontreffern der Top-Torjäger. Der offensive Mittelfeldspieler zog zum Saisonende noch einmal an, vier seiner zehn Tore erzielte er bei seinen letzten sechs Einsätzen. Ebenfalls zu erwähnen ist Dario Leczano. Der Ex-Nationalspieler von Paraguay steuerte neun Treffer bei – fünf davon in den sieben Partien unter der Regie von Tomas Oral.

Der direkte Vergleich: Insgesamt trafen der SV Wehen Wiesbaden und der FC Ingolstadt erst sechsmal in Pflichtspielen aufeinander. Die Bilanz spricht klar für den FCI. Drei Partien entschieden die Bayern für sich, davon endeten zwei Begegnungen 5:1. Der SVWW setzte sich lediglich einmal durch, in der damaligen Regionalliga Süd gab es 2006/07 einen 2:0-Erfolg. Außerdem stehen zwei Unentschieden zu Buche.

Historie spricht für den Drittligisten

Stimmen zur Relegation: "Das werden sehr enge Spiele, bei denen alles möglich ist", so Wiesbadens Trainer Rüdiger Rehm vor den Duellen mit Ingolstadt: "Wir konzentrieren uns jetzt erst einmal auf das Heimspiel am Freitag, das wir unbedingt gewinnen wollen." Zum Gegner sagt Rehm: "Das ist eine Mannschaft, von der zu Saisonbeginn sicher niemand erwartet hat, dass sie in die Abstiegsrelegation muss."

Sein Gegenüber Tomas Oral erwartet ebenfalls spannende Begegnungen: "Ich sehe für beide Partien keinen klaren Favoriten. Wir treffen auf einen Gegner, der seit einigen Jahren versucht, aufzusteigen. Jetzt hat der SVWW die Möglichkeit dazu. Wir brauchen zwei sehr gute Tage, um uns durchzusetzen." Dass der FCI überhaupt noch die Chance hat, sich über die Relegation zu retten, ist für Oral alles andere als selbstverständlich: "Anfang April waren wir Schlusslicht und kaum jemand hat noch daran geglaubt, dass wir nicht direkt absteigen. Wir haben alles gegeben und es geschafft, zwei Teams hinter uns zu lassen. Dass wir die Relegation spielen dürfen, ist bereits eine Riesensache."

Relegations-Historie: Zehnmal gab es die Relegation zwischen der 2. und 3. Liga bisher. Die Drittligisten setzten sich deutlich öfter durch. Gleich siebenmal behielt der Drittplatzierte der 3. Liga die Oberhand, nur dreimal schaffte der Zweitligist den Klassenverbleib.

Spektakulär war vor allem das Relegationsrückspiel in der Saison 2013/14 zwischen Arminia Bielefeld (2. Liga) und dem SV Darmstadt 98 (3. Liga). Nach einer 1:3-Heimniederlage im Hinspiel egalisierte Darmstadt das Ergebnis und erreichte die Verlängerung. Bielefeld erzielte dann das 2:3 und sah kurz vor Schluss wie der sichere Sieger aus. Doch in der zweiten Minute der Nachspielzeit traf der Brasilianer Elton da Costa zum 4:2 für die Gäste, die damit den Aufstieg bejubeln durften. In der folgenden Zweitliga-Saison gelang dem SVD der Durchmarsch in die Bundesliga. Die jüngste Relegation bestritten in der letzten Spielzeit der FC Erzgebirge Aue und der Karlsruher SC. Zweitligist Aue ging erfolgreich aus dem Duell hervor (0:0/3:1).

   

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