Elf Drittligisten im DFB-Pokal: Wer schafft es in die 2. Runde?

Durch die verkürzten Landespokalwettbewerbe nehmen in diesem Jahr gleich elf Drittligisten am DFB-Pokal teil. In fast jeder Saison schaffen es einige Klubs aus der 3. Liga in die zweite Runde, manche sogar noch deutlich weiter. Wer hat am Wochenende das Zeug zur Überraschung, wer ist glasklarer Außenseiter? Ein Blick auf alle Paarungen.

Den Reigen der teilnehmenden Drittligisten eröffnet in 1860 München ein Klub, der in seiner Partie alles andere als ein Außenseiter ist. Gut: Die Löwen haben trotz vier Punkten in den ersten beiden Saisonspielen noch nicht restlos überzeugt, sind aber ein klarer Aufstiegsanwärter. Darmstadt 98 um seinen neuen Trainer Torsten Lieberknecht zählt zum Zweitliga-Mittelmaß, hatte mit mehreren Coronavirus-Infektionen zu kämpfen und verlor mit der daraus resultierenden Rumpftruppe die ersten beiden Zweitliga-Spiele. Nicht nur die Buchmacher sehen ein Duell auf Augenhöhe in Giesing. Womöglich ist der klassentiefere Verein aufgrund der schlechten Vorzeichen in Darmstadt sogar leicht favorisiert.

Chance aufs Weiterkommen: 60 Prozent

 

Auf eine doch bemerkenswerte Vorbereitung, in der sich Zweitliga-Absteiger Osnabrück schon gut eingespielt hat, folgte der 2:1-Auswärtssieg bei Mitfavorit Saarbrücken – und das trotz 87-minütiger (!) Unterzahl. Solche eine Duftmarke ist ein klares Indiz für einen möglichen Pokalschreck. Gegner Werder Bremen ist nach dem bitteren Abstieg aus der Bundesliga ordentlich angekommen in der neuen Spielklasse. Den Status als beliebter Pokalgegner, der zwischen 2011 und 2016 gleich viermal an Drittligisten scheiterte (Heidenheim, Münster, Saarbrücken, Lotte), hat der SVW auch abgelegt, kam zuletzt viermal in Serie mindestens ins Viertelfinale. Und doch hat der VfL im Nordderby eine ordentliche Chance auf die Überraschung.

Chance aufs Weiterkommen: 35 Prozent

 

Obgleich stets im Favoritentopf gesetzt, hat es der FC St. Pauli seit 2006 nicht ein einziges Mal ins Achtelfinale des DFB-Pokal geschafft, in neun der 14 Anläufe war sogar in der ersten Runde Schluss. Dass es nun erneut dazu kommt, ist denkbar: Vor 15.000 Fans beim 1. FC Magdeburg aufzulaufen, ist auch für gestandene Zweitliga-Profis eine Hürde. Zumal der FCM trotz des verpassten Siegs beim 0:0 gegen Freiburg II seine gute Frühform nochmals unter Beweis stellte. Magdeburgs Coach Christian Titz trainierte einst Stadtrivale Hamburger SV, vielleicht verleiht er seinen Profis damit noch ein Prozent Extramotivation.

Chance aufs Weiterkommen: 50 Prozent

 

Der Titelverteidiger gibt sich in der Brita-Arena die Ehre: Ein viel schwierigeres Los hätte sich der SV Wehen Wiesbaden kaum aus dem Topf der 32 stärksten Mannschaften ziehen können. Seit 15 Jahren hat sich der BVB nicht mehr in der ersten Pokalrunde blamiert, immerhin dreimal aber hat der SVWW um Trainer Rüdiger Rehm in den vergangenen vier Jahren den Einzug in die zweite Runde geschafft. Sportlich ist Schwarz-Gelb mit Neu-Trainer Marco Rose schwer einzuschätzen, der Kader auch ohne Superstar Jadon Sancho exorbitant gut besetzt. Wiesbaden spielte zum Auftakt zweimal 0:0 und bestätigte die befürchteten Offensivprobleme – so wird es erst recht schwer gegen den Champions-League-Teilnehmer.

Chance aufs Weiterkommen: 5 Prozent

 

DFB-Pokal in Meppen, das ist ein besonderes Ereignis. Genau einen Pokalauftritt gab es in diesem Jahrtausend nämlich erst, und der endete als Regionalligist im Jahr 2015 in einer deutlichen 0:4-Niederlage gegen den 1. FC Köln. Vor "ausverkauftem" Haus – 6.500 Zuschauer dürfen dabei sein – soll gegen Hertha BSC dann im Optimalfall auch gleich die zweite Runde dingfest gemacht werden. Sie könnte dem SVM wie allen anderen Drittligisten mit Mehreinnahmen von rund 250.000 Euro Luft verschaffen im schweren zweiten Corona-Jahr. Schafft es Meppen, ähnlich eklig aufzutreten wie zuletzt beim 1:0-Sieg gegen Kaiserslautern, könnte gegen die zuweilen launig auftretende "Alte Dame" etwas zu holen sein.

Chance aufs Weiterkommen: 15 Prozent

 

Waldhof gegen Eintracht, da war doch was? Genau: Vor zwei Jahren lieferten sich der damalige Drittliga-Aufsteiger und der Pokalsieger der Saison 2017/18 einen spektakulären Schlagabtausch, der in einem furiosen 5:3-Sieg der Frankfurter endete. 12.000 Fans dürfen bei der Neuauflage am Sonntag dabei sein, bei der auf Seite der SGE Trainer Oliver Glasner sein Pflichtspiel-Debüt feiert. Mannheim schaffte zuletzt 2003 das Erreichen der zweiten Runde, Frankfurt präsentierte sich im Pokal zuletzt als Wundertüte mit großen Ausschlägen nach oben, aber auch dem ein oder anderen bitteren Ausscheiden. Trotzdem sollten sich 222 Millionen Euro Marktwert gegen die 4,8 Millionen der "Buwe" souverän präsentieren.

Chance aufs Weiterkommen: 15 Prozent

 

Pokal-Premiere für Türkgücü München: An der Grünwalder Straße, die dann bereits das Pokalmatch zwischen 1860 und Darmstadt erlebt hat, geht es am Sonntagnachmittag gegen Union Berlin, den einzigen deutschen Teilnehmer an der neu geschaffenen UEFA Conference League. Dafür hat sich der Hauptstadtverein umfassend verstärkt und ist auf dem besten Wege, im dritten Bundesliga-Jahr zu einem gestandenen Verein dieser Spielklasse zu werden. Seit fünf Jahren ist Union in Erstrundenspielen unbesiegt – Türkgücü braucht im Vergleich zum 2:2 gegen Halle noch etwas mehr Konstanz über 90 Minuten, um eine realistische Chance zu besitzen.

Chance aufs Weiterkommen: 20 Prozent

 

Ein Punkt, 0:4 Tore: Der Saisonstart von Drittliga-Topfavorit Eintracht Braunschweig war mit der deutlichen Niederlage gegen Aufsteiger Viktoria Berlin bereits verpatzt. Das klare Alarmsignal ging auch in Richtung der sportlichen Leitung, die zuletzt mit einem 21 Spieler dünnen Kader arbeitet, bei dem allen voran die defensive Abstimmung unter den hochkarätigen Individualakteuren Sorgen bereitete. Der Hamburger SV, bei dem der Braunschweiger Zweitliga-Abstieg vor wenigen Monaten besiegelt worden ist, kann in solchen Fällen ein guter Aufbaugegner sein, scheiterte seit 2012 viermal in Runde 1 an Drittligisten (Karlsruhe, Jena, Osnabrück, zuletzt 1:4 gegen Dresden). Bislang aber wirkt der HSV-Kader stimmig und allemal besser in Form als Braunschweig. Die Eintracht muss sich strecken.

Chance aufs Weiterkommen: 20 Prozent

 

In Würzburg ist das Stimmungsbild nahezu identisch zu jenem in Braunschweig. Die Rothosen sind derzeit der schlechteste Zweitliga-Absteiger, haben ihre Auftaktspiele bei 1860 sowie daheim gegen Verl jeweils mit 0:1 verloren – vor allem die Montagspartie gegen den SCV war ernüchternd, ließ man sich vom Gegner doch im eigenen Stadion weitestgehend bespielen. Pokalgegner Freiburg dürfte das deutlich schneller für sich nutzen, gilt als konzentrierter und sehr unbequemer Gegner: Trainer Christian Streich hat in seiner bald zehnjährigen Amtszeit noch nie ein Erstrundenspiel verloren. Da bis auf den Abgang von Torwart Florian Müller im Breisgau das Fundament des Kaders unangetastet blieb, sind auch keine Startschwierigkeiten zu erwarten. Das wird eine harte Nuss für Würzburg.

Chance aufs Weiterkommen: 10 Prozent

 

Nach einem mäßigen Auftakt mit einem Punkt aus zwei Spielen könnte Viktoria Köln das Pokalspiel gegen Hoffenheim als Sprungbrett nutzen. Der Gegner verzichtete ähnlich wie auch Freiburg bislang auf große Transfers, musste auf der anderen Seite allerdings ebenso keine Schlüsselspieler ziehen lassen – auch Toptorjäger Andrej Kramaric ist noch dabei, während der corona-positive Ihlas Bebou ausfällt. Gerne hätte man am Höhenberg ein etwas attraktiveres Los genommen, womöglich werden die 5.000 zur Verfügung stehenden Karten gar nicht restlos verkauft. Sportlich kann gegen den Elften der Bundesliga-Saison 2020/21 nur an einem perfekten Tag etwas drin sein.

Chance aufs Weiterkommen: 15 Prozent

 

Vorab ein Kompliment an die ARD, die sich in diesem Jahr dazu entschieden hat, von den üblichen Mustern abzuweichen und als Live-Spiel im frei empfangbaren Fernsehen nicht auf den FC Bayern München oder Borussia Dortmund zu setzen. Kaiserslautern gegen Mönchengladbach: Das klingt, je nach Jahrzehnt, nach Europapokal und Deutschen Meisterschaften, nach Bundesliga-Abstiegskampf – oder nach einem ungleichen Duell wie jenes, das am Montag bevorsteht. Der Drittligist hat einen Teil seiner vagen Euphorie durch den Null-Tore-Saisonstart verspielt. Ihm und manchem seiner Spieler kommt der zweite Wettbewerb nun womöglich sogar sehr gelegen, um zur richtigen Spieltagseinstellung zurückzufinden. Gladbach hatte jüngst mit mehreren verletzten Stürmern (Alassane Plea, Breel Embolo) zu kämpfen, muss aber im Pokal abliefern: Europäisch spielen die Fohlen um ihren neuen Trainer Adi Hütter in dieser Saison nämlich nicht. Mit bis zu 20.000 Zuschauern im Rücken wird der FCK ein ordentliches Faustpfand in der Hinterhand haben.

Chance aufs Weiterkommen: 20 Prozent

 

   
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