Eintracht Braunschweig rüstet auf: Die Hoffnung kehrt zurück

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Als Tabellenletzter mit acht Punkten und etlichen Toren Rückstand braucht es in der Winterpause durchaus etwas Phantasie, um sich realistische Chancen auf den Klassenerhalt auszurechnen. Doch Eintracht Braunschweig hat offenbar festgestellt, dass es keine Alternative gibt – und dafür Geld in die Hand genommen. Das bisherige Ergebnis kann sich auf dem Papier sehen lassen. Eine Analyse.

Stimmung im Umfeld wird optimistischer

Wie es um die finanzielle Lage an der Hamburger Straße aussieht, ist bekannt. Die Eintracht wird das Jahr in der 3. Liga so oder so mit einem gewaltigen Minus abschließen. Dass nun die noch vorhandenen Reserven weiter angegriffen werden, um mit allen erdenklichen Mitteln die Wahrscheinlichkeit auf ein weiteres Jahr in dieser Spielklasse zu erhöhen, ist völlig legitim. Und tatsächlich hat es der BTSV, mangels Sportdirektor angeführt von Trainer André Schubert geschafft, mit den bisherigen Wintertransfers eine Aufbruchstimmung zu erzeugen, die Trotz-Mentalität zurückzuholen. Allmählich schlägt der Pessimismus um, weil nun jene Baustellen beseitigt werden könnten, die den Absturz bis fast in die Regionalliga ermöglichten.

Freilich ist der Verein dafür ungewöhnliche Wege gegangen. So ist etwa Torhüter-Routinier Lukas Kruse, der erst im Herbst aufgrund der schwachen Leistungen des damaligen Stammkeepers Marcel Engelhardt nachverpflichtet worden war, schon wieder aussortiert. Gut 100 Tage hatte das gedauert. Doch so hart die Entscheidung klingen mag, so nachvollziehbar ist sie: Kruse brachte nicht die Stabilität, die der ebenso verunsicherten Viererkette gutgetan hätte. Stattdessen wirkte er selbst nicht mehr so frisch und agil wie noch zu Paderborner Zeiten, ließ hier einen Ball abprallen und hatte dort seine Zone im Strafraum nicht abgedeckt – so mancher Gegentreffer ging auf ihn. Zwischen den Pfosten soll es nun bekanntermaßen einer der langjährigen Identifikationsfiguren bei den Löwen richten: Jasmin Fejzic, ähnlich erfahren, kommt vom 1. FC Magdeburg zurück nach Niedersachsen. Allerdings, auch das muss erwähnt werden, wurde Fejzic beim FCM ebenso nach einigen unsicheren Leistungen in der Hinrunde durch Alexander Brunst ausgetauscht.

Nehrig ist der Königstransfer

Nicht nur bei Fejzic setzen die Eintracht-Verantwortlichen auf das Motto "Was einmal funktioniert hat…". Auch Rechtsverteidiger Benjamin Kessel spielte bereits in der Bundesliga-Saison 2013/14 für die Löwen, hatte seine stärksten Jahre aber unmittelbar danach. Der 31-Jährige hatte erst im Sommer nach dem Abstieg des 1. FC Kaiserslautern keinen höherklassigen Anschlussvertrag mehr erhalten, war zum ambitionierten Viertligisten aus Saarbrücken gewechselt. Der freut sich nun über eine ungewöhnliche Zahlung von angeblich 100.000 Euro – hier ist Braunschweig zweifelsohne ins Risiko gegangen. Dazu kommt mit Stürmer Julius Düker (per Leihe aus Paderborn) ein weiterer Rückkehrer, der aber vorwiegend die Jugendteams der Eintracht kennt. Mittelfeldspieler Nils Rütten kommt eher als Perspektivspieler denn als sofortiger Leistungsträger vom West-Regionalligisten Bonner SC.

Bisheriger Königstransfer aber ist Bernd Nehrig, der mit seinen 32 Jahren nach vielen Spielzeiten beim FC St. Pauli erstmals in der 3. Liga vor den Ball treten wird und als Stammkraft gesetzt sein sollte. Nehrig bringt als defensiver Mittelfeldspieler nicht nur die körperlichen Attribute, sondern auch die mentale Stärke für den Abstiegskampf mit. Unter Fans wird diskutiert, ob er sogar Stephan Fürstner als Kapitän ablösen könnte – Fürstner war so manchem Anhänger, die eine zu lasche Einstellung kritisierten, ein Dorn im Auge. Vielleicht kam ihm auch zu einem Teil die leidige Rolle als Sündenbock zu. Urplötzlich hat Braunschweig die Erfahrung, die dem Klub in der Hinrunde immer wieder bitter fehlte. Erst recht, wenn der nun wieder mit einem Profivertrag ausgestattete Marc Pfitzner, der im Sommer 35 Jahre alt wird, hinzugezählt wird.

Nyman-Abschied erhöht finanziellen Spielraum

Eins hat Eintracht Braunschweig in der verzweifelten Situation mit diesen Transfers erreicht: Neuer Optimismus für die Rückserie wurde gestreut. Die Fans glauben wieder an das Wunder, weil sie mehr Profis den Rücken stärken können, mit denen sie sich identifizieren. Am Dienstag konnte mit dem Abgang von Christoffer Nyman, der in seine Heimat Schweden zurückkehrt, eine weitere Baustelle geschlossen werden. Wie viel Geld geflossen ist, ist bisher nicht bekannt. Doch allein die Tatsache, dass der Stürmer nicht mehr auf der Gehaltsliste steht, erhöht den finanziellen Spielraum für weitere Neuzugänge, gehörte Nyman doch zu den Top-Verdienern.

Fest steht aber: So viel Erfahrung und Qualität der BTSV in die defensiven Spielbereiche investiert hat, so sehr fehlt noch immer und erst recht nach dem Nyman-Abschied ein Stürmer, der die Chancen vorne in regelmäßiger Natur verwertet. Dem jungen Julius Düker ist das auf Anhieb noch nicht zuzutrauen, und Philipp Hofmann präsentierte sich 2018 öfter als Chancentod denn als Vollstrecker. Noch bleiben aber genau 23 Tage, um bis zum Ende der Transferperiode am 31. Januar nachzulegen.

   

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