Effenberg beim KFC Uerdingen: Chance und Risiko zugleich

Mit der Verpflichtung von Stefan Effenberg als "Manager Sport" sorgte der KFC Uerdingen am Samstag für eine dicke Überraschung. Der 51-Jährige ist für den ambitionierten Klub Chance und Risiko zugleich. Ein Kommentar.

Große Erfolge, hohe Expertise

Keine Frage: Mit der Entwicklung der letzten Monate kann KFC-Präsident und Investor Mikhail Ponomarev nicht zufrieden sein. Aus den 29 Liga-Spielen im Kalenderjahr 2019 holte der KFC nur fünf Siege und neun Unentschieden. Mehr als die Hälfte aller Partien (15) ging verloren, zudem setzte es 56 Gegentore. Mit Stefan Krämer, Norbert Meier, Frank Heinemann und Heiko Vogel standen in diesem Jahr schon vier verschiedene Cheftrainer an der Seitenlinie – der fünfte wird nun gesucht. Angesichts der schwachen Bilanz in den letzten Monaten war klar: Es musste sich etwas tun – auch hinter den Kulissen.

Mit Stefan Effenberg hat der KFC nun einen großen Namen verpflichtet: 370 Bundesliga-Spiele, dreimal Deutscher Meister, zweimal DFB-Pokal-Sieger, mit dem FC Bayern die Champions League sowie den Weltpokal gewonnen und 35 Länderspiele: Der 51-Jährige blickt als Spieler auf eine überaus erfolgreiche Karriere zurück. Dass Effenberg vom Fach ist, stellte er in den vergangenen Wochen und Monaten in zahlreichen Expertenrunden im TV unter Beweis – zuletzt bei "Sport1". Auch bei seiner bisher einzigen Trainerstation, dem SC Paderborn (Oktober 2015 – März 2016), scheiterte der gebürtige Hamburger nicht, weil er nichts von Fußball verstand. Im Gegenteil: Effenberg riss die Mannschaft mit und impfte ihr ein klares Konzept ein. Zudem strahlt der Ex-Nationalspieler aufgrund seiner früheren Erfolge eine gewisse Aura aus, verfügt über ein großes Netzwerk und zahlreiche Kontakte – auch deshalb ist Effenberg für den KFC eine Chance.

In Paderborn für Schlagzeilen gesorgt

Dass er in Paderborn nach nur 15 Spielen wieder gehen musste, hatte andere Gründe – und die lassen den 51-Jährigen auch für den KFC Uerdingen zum Risiko werden. Das Hauptproblem war, dass Effenberg von seiner Vergangenheit eingeholt wurde – und damit ungewollt für Unruhe im Verein sorgte. Zum einen geriet Effenberg durch seinen Führerschein-Entzug im September 2015 wieder in die Schlagzeilen, weil er zu einer medizinisch-psychologischen Untersuchung musste – dem sogenannten "Idiotentest". Zum anderen hatte es der frühere Profi versäumt, eine vorgeschriebene Fortbildung zur Verlängerung seiner Trainerlizenz zu besuchen, was schwer wog und bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Dadurch geriet auch der SC Paderborn in ein negatives Licht, sodass der mittlerweile verstorbene Vereinsboss Wilfried Finke die Reißleine zog und den 51-Jährigen vor die Tür setzte.

Was dem SCP-Präsidenten ebenfalls nicht gefiel, war die Tatsache, dass sich Effenbergs Ehefrau Claudia mehrfach über die sozialen Netzwerke in das Geschehen beim SCP einmischte. "Begleitmusik aus München" nannte Finke das. Aus einem ähnlichen Grund war vor sechs Jahren auch Effenbergs Engagement beim FC Schalke gescheitert, wie im vergangenen März bekannt wurde. Die Verantwortlichen der Königsblauen waren sich mit dem 51-Jährigen bereits per Handschlag einig, ehe Claudia Effenberg über die sozialen Netzwerke einen entsprechenden Post verbreitet hatte. Anschließend nahm der Schalke-Vorstand von weiteren Gesprächen mit Effenberg Abstand. Durchaus möglich, dass sich der KFC nun auf eine ähnliche "Begleitmusik" einstellen muss. Neue Unruhe im Verein, der ohnehin schon nicht wenige Schlagzeilen schreibt, wäre vorprogrammiert. Außerdem stellt sich die Frage, wie Effenberg und Ponomarev miteinander klar kommen, treffen doch zwei durchaus extrovertierte Charakterköpfe aufeinander.

Effenbergs letzte Chance?

Und somit bleibt vorerst offen, wie sich Effenbergs Verpflichtung auf die Entwicklung beim KFC Uerdingen auswirken wird. Klar ist: Der frühere Bundesliga-Star kann aufgrund seiner Expertise ein echter Gewinn und Glücksgriff werden. Zeitgleich drohen aufgrund der Tatsache, dass er in der bundesweiten Öffentlichkeit steht, neue Schlagzeilen, die Gift für das sportliche Vorankommen wären. Doch Effenberg dürfte wissen: Viele Chance wie diese wird er nach seinem Scheitern beim SC Paderborn nicht mehr erhalten. Er kann nun zeigen, dass er aus der Vergangenheit gelernt hat. Und bei der Auswahl des richtigen Trainers darf sich Effenberg nun auch sportlich auf Anhieb beweisen.

   
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