Drittliga-Kandidaten #4: Mannheim nimmt dritten Anlauf

Am 24. Mai sowie drei Tage darauf zählt es: Ein letztes Mal spielen sechs Regionalligisten drei Aufsteiger in die 3. Liga aus, ehe die Regelung im Folgejahr angepasst wird. Mit dabei sind diverse große Namen, die viel Tradition und jede Menge Fans mitbringen. Im vierten Teil blicken wir auf den SV Waldhof Mannheim. Und täglich grüßt das Murmeltier.

Die jüngere Vergangenheit

Müssen wir Waldhof Mannheim eigentlich noch vorstellen? Im dritten Jahr in Folge gibt sich der SVW mit seinen diesmal 36 Ligaspielen nicht zufrieden – er will eine Zugabe. Und wieder lautet die Mission: Endlich mal treffen, endlich mal aufsteigen! Genau null Tore sind Waldhof in den vergangenen beiden Episoden Aufstiegsrelegation geglückt: Einem 0:0 in Lotte folgte ein 0:2 im Rückspiel – die Sportfreunde gingen hoch, Mannheim schaute in die Röhre. Zwölf Monate später erkämpften die Baden-Württemberger zunächst gegen den SV Meppen ein 0:0-Remis, das Rückspiel endete nach 90 als auch 120 Minuten gleich. Im Elfmeterschießen entschieden schließlich wenige Zentimeter, die aber wieder zu Ungunsten der Mannheimer.

Blicken wir etwas länger zurück in der Historie, so wäre der SV Waldhof in der eingleisigen 3. Liga ein Neuling. Geplagt von vielen finanziellen Problemen schleppte sich der Traditionsverein durch den Beginn des Jahrtausends, schwankte der damals drittklassigen Regionalliga Süd und der Oberliga. Fast vergessen sind die Zeiten zwischen 1983 und 1990, als sich Waldhof Mannheim sogar in der Bundesliga etablieren konnte. Mittlerweile hat sich der Verein deutlich stabilisiert und spielt seitdem regelmäßig in der Spitze der Regionalliga Südwest mit. Ermessen am Aufwand hätte es kein anderer Regionalligist so sehr verdient wie Mannheim, endlich aufzusteigen.

Der Kader

Anders als den meisten Anwärtern auf die 3. Liga fehlt es Waldhof Mannheim an der wichtigsten Position: Einem Knipser an vorderster Front. Das ist kein gänzlich neues Problem und gewiss keine ideale Voraussetzung, um den Torfluch in den kommenden Tagen zu besiegen. Nicolas Hebisch und Benedikt Koep kommen auf zehn respektive acht Treffer, Koeps Wechsel zu Ligarivale TSV Steinbach steht bereits fest. Hier müsste, hier wird der SVW im Aufstiegsfall dringend nachrüsten müssen. Überhaupt steht Mannheim im Vergleich mit 1860 München, Saarbrücken oder dem direkten Kontrahenten KFC Uerdingen individuell eher schwächer besetzt da.

Eine Ausnahme bildet Abwehrchef Kevin Conrad, als absoluter Führungsspieler vom Chemnitzer FC gekommen. Er erfüllt diese Rolle. Dorian Diring ist derweil dem Halleschen FC noch ein Begriff – der Mittelfeldmann ist auf zentralen Positionen gesetzt. Hervorzuheben ist zudem der Linksverteidiger: Hassan Amin, 26 Jahre alt, ist nicht nur Kapitän, sondern wird in jedem Fall bald 3. Liga spielen. Der SV Meppen hat sich seine Dienste gesichert. Und er wird mit Sicherheit seine Freude am flinken und technisch starken Deutsch-Afghanen haben. Trainer des SV Waldhof ist übrigens der 52-jährige Bernhard Trares, der schon als Spieler im Carl-Benz-Stadion auflief.

Die Unterstützung der Fans

Waldhof Mannheim sei ein schlafender Riese, wird oft gesagt. Und tatsächlich lechzt die Region nach dem Aufstieg, spielen doch die Rivalen aus Karlsruhe und Kaiserslautern möglicherweise bald beide selbst nur drittklassig. Es wäre ein verdammt heißes Dreieck, keine Frage. Man nehme allein die Einwohnerzahl: Etwa 300.000 Menschen leben in Mannheim. Dazu kommen knapp 170.000 in der Nachbarstadt Ludwigshafen, die so bald keinen Profifußball wird anbieten können. Schnell summiert sich der Einzugskreis mit einigen umliegenden Orten von Viernheim bis Frankenthal auf bis zu einer Million. Könnte Waldhof Mannheim einen Boom erleben wie etwa der 1. FC Magdeburg? Mit Sicherheit.

In der Regionalliga ist davon noch nicht viel zu spüren. Immerhin etwa 4.800 Zuschauer begrüßten die „Buwe“ im Saisonverlauf durchschnittlich im etwa 26.000 Besucher fassenden Carl-Benz-Stadion, in dem die TSG Hoffenheim einst einige Bundesliga-Spiele austrug. Das Aufstiegsspiel gegen Uerdingen ist nun bereits ausverkauft.

Der Gegner: KFC Uerdingen

Am letzten Spieltag erst sicherte sich der KFC Uerdingen in einem spannenden Finale den Titel der Regionalliga West. Es ist ein ungewöhnlicher Weg, den der vom russischen Investor Mikhail Ponomarev gedeckte rheinische Verein eingeschlagen hat – er führte vom Aufstieg aus der fünftklassigen Oberliga direkt an die Spitze der Regionalliga. Auf dem Weg dorthin entließ Uerdingen unter anderem Trainer Michael Wiesinger, der den Klub bis dato nur auf den zweiten Rang geführt und damit die Erwartungen offenbar deutlich verfehlt hatte. Wie auch immer: Seit Stefan Krämer, ehemals Arminia Bielefeld, Energie Cottbus und Rot-Weiß Erfurt, das Zepter übernommen hat, fährt Uerdingen sensationelle Ergebnisse ein und ist nach spielerischem Vermögen eher der Favorit. Einziges Manko: Da die heimische Grotenburg nicht den Anforderungen der 3. Liga entspricht, muss Uerdingen in die Schauinsland-Reisen-Arena des MSV Duisburg ausweichen.

   
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