Die wertvollsten Neuzugänge: Platz 20 bis 11

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© imago/Wedel

Im Sommer wird verpflichtet, im Winter Bilanz gezogen: Alle Drittligisten hatten vor gut sechs Monaten ihren Kader um Neuverpflichtungen ergänzt. Wer aber schlug ein und wer konnte die Erwartungen nicht erfüllen? Wir beginnen mit zehn der zwanzig stärksten Transfers und begründen kurz, warum sich die Spieler als Stützen ihres Klubs erwiesen.

Gerade zu Saisonbeginn zeigte Philipp Hercher, neu gekommen von der Regionalliga-Reserve des 1. FC Nürnberg, starke Leistung für Großaspach. Ein bisschen ließ er sich in der Folgezeit einschläfern von vielen 0:0-Spielen, die die SG Sonnenhof in den Tabellenkeller spülten. Doch beim so wichtigen 1:0-Heimsieg über den SV Meppen war mit seinem Treffer wieder zur Stelle. Insgesamt markierte der 22-Jährige fünf Tore, dazu eine Vorlage. Kein schlechter Auftakt – allemal deutlich besser als seine erfolglose Leihe zum VfR Aalen anno 2017.

 

Aus dem Nichts verpflichtete Münster Mittelfeldmann René Klingenburg, dessen Karriere in der Fünftklassigkeit am Tiefpunkt angekommen war. Der ehrgeizige 25-Jährige startete sofort durch, hatte nach vier Spielen fünf Scorerpunkte auf dem Konto – in der Folgezeit kamen nur noch zwei weitere hinzu. War seine Fleißarbeit zwischen den Strafräumen in der Erfolgsphase dennoch von entscheidender Bedeutung, so wurde Klingenburg zuletzt merklich unzufriedener mit seiner eigenen Leistung. Nicht erst einmal betonte er, dass auf lange Sicht die Bundesliga nach wie vor sein Ziel sei.

 

Spät im Sommer entschied sich Zweitliga-Aufsteiger SC Paderborn, Stürmer Phillip Tietz auszuleihen, um ihm Spielpraxis zu ermöglichen. Das kam Carl Zeiss Jena, gebeutelt durch die Verletzung von Julian Günther-Schmidt, gerade recht. Fünf Tore und drei Vorlagen steuerte Tietz schließlich zu der letztlich durchwachsenen Hinserie der abstiegsbedrohten Thüringer bei, war mit einem Doppelpack entscheidend beteiligt am 3:2-Auswärtscoup in Wiesbaden. Zuletzt dann bildete er mit Günther-Schmidt die Doppelspitze – und Jena schraubte seine Torausbeute sogleich nach oben.

 

Im Sommer aus Rostock gekommen, gewann Eisele beim HFC den Kampf um den Stammplatz im Tor und zahlte das Vertrauen umgehend zurück: In 20 Spielen musste er nur 19 Gegentore hinnehmen. Nach Adam Ries entspricht das einer Quote von weniger als einem Gegentor pro Spiel – weniger oft musste im Schnitt nur Nils Körber als Stammtorhüter beim VfL Osnabrück das Leder aus dem Netz holen. Eisele hat sich damit in der 3. Liga etabliert, nachdem ihm dies bei Hansa Rostock im Vorjahr noch verwehrt geblieben war.

 

Der HFC schlug aber nicht nur einmal clever auf dem Transfermarkt zu. Auch Sebastian Mai, der bei Preußen Münster nicht mehr gebraucht wurde, nimmt für die Sachsen-Anhalter eine wichtige Rolle ein – weil er den Allround-Begriff neu definiert hat. Er fing im defensiven Mittelfeld an, half dann auf seiner gelernten Position in der Innenverteidigung aus und wurde im Herbst schließlich zum Mittelstürmer umfunktioniert, ehe er einige Wochen im offensiven Mittelfeld verbrachte und beim Duell mit Ex-Klub Zwickau im Dezember wieder in die Defensivzentrale zurückkehrte. Klingt verrückt? Ist es auch. Doch nicht nur seine vier Tore machen ihn für Halle so wertvoll. Umso schwerer wiegt sein Ausfall in den kommenden drei Monaten.

 

Aller guten Dinge sind drei! Beim Tabellenvierten aus Halle springen wir nun aber ins Mittelfeld. Mittlerweile spielt Bentley Baxter Bahn so lange in der 3. Liga, dass kaum noch über seinen Namen geschmunzelt wird. Warum auch? Nun, zunächst wählte er seine Klubs unglücklich aus, stieg erst mit den Stuttgarter Kickers, dann mit dem FSV Frankfurt ab. Mit Zwickau hielt er dann 2018 erstmals die Klasse – nun spielt er beim Halleschen FC, zu dem er gemeinsam mit Trainer Torsten Ziegner gewechselt war, groß auf. 19 Spiele, vier Tore, sechs Vorlagen: Das ist für einen Mittelfeldspieler eine tolle Halbjahres-Quote, die Bahn bisher meist in einer ganzen Spielzeit erreichte.

 

Es gibt Fußballprofis, die Tore am Fließband erzielen, die feinsten Tricks auspacken oder grandiose Flugparaden zeigen – und sich so in die Herzen vieler Fans spielen. Und es gibt emsige Arbeiter im Verborgenen, die meist den anderen die Show überlassen müssen, aber ebenso existenziell wichtig für den Mannschaftserfolg sind. Dazu zählt Ulrich Taffertshofer, der im fitten Zustand bei Tabellenführer VfL Osnabrück in jedem einzelnen Spiel gesetzt war. Tore, Vorlagen? Hat der 27-Jährige nicht beigesteuert. Und doch weiß der Verein ganz genau, was er an der Lauf- und Zweikampfstärke, der Mentalität, dem taktischen Verständnis des ehemaligen Hachingers hat.

 

Qualität ist keine Altersfrage: Das zeigt sich in dieser Auflistung. Stefan Aigner wäre allerdings kaum in dieser 3. Liga gelandet, wenn nicht der KFC Uerdingen angeklopft hätte – zuletzt kickte der Bayer in der amerikanischen MLS, davor auch einige Zeit in der Bundesliga. In 19 Spielen, nur einmal fehlte Aigner gesperrt, spielte der 31-Jährige fast immer über die komplette Spielzeit und steuerte sechs Treffer und drei Vorlagen bei. Mittlerweile wartet er allerdings seit Anfang Oktober auf einen Torerfolg.

 

Wer die Relegationsspiele des TSV 1860 gegen Saarbrücken im Mai des vergangenen Jahres sah, der ahnte, was für eine Alles-oder-nichts-Truppe die 3. Liga erwarten würde. Gerade die wacklige Defensive aber bereitete Sorgen, ehe Simon Lorenz als Leihgabe vom VfL Bochum zu den Löwen hinzustieß und die Verteidigung entscheidend stabilisierte. Mit seinen 21 Jahren war er umgehend gesetzt, absolvierte fast jedes Spiel über die volle Distanz und erzielte als Bonus drei Treffer. Angesichts der finanziellen Lage dürfte eine feste Verpflichtung aber nur schwer machbar sein.

 

Steve Kroll – diesen Namen kannten vor dem Sommer nur die Wenigsten. Den bei Union Berlin ausgebildeten Goalie zog es von Wormatia Worms erstmals in die 3. Liga, und er erwischte in Lotte einen absoluten Kaltstart. Wie so viele Mitspieler fing er sich unter dem neuen Trainer Nils Drube, kassierte nach dem 1:5 in München kein einziges Mal mehr als zwei Gegentore und hielt sechs Mal die Null fest. Er absolvierte alle 20 Spiele über die volle Distanz und hat mit seinen 21 Jahren durchaus noch Potenzial.

 

   
  • Kunde

    Rohrkrepierer ist auch eine sehr schöne Bezeichnung für einen Menschen…Hut ab vor dieser Rhetorik.

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