Die wertvollsten Neuzugänge: Platz 10 bis 1

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Im Sommer wird verpflichtet, im Winter Bilanz gezogen: Alle Drittligisten hatten vor gut sechs Monaten ihren Kader um Neuverpflichtungen ergänzt. Wer aber schlug ein und wer konnte die Erwartungen nicht erfüllen? Heute stellen wir die zehn stärksten Transfers vor, die vor respektive während der Saison einen Vertrag unterschrieben haben.

Dass der KSC über seine Erfahrung kommt, ist kein Geheimnis. Doch im Mittelfeld fehlte es nach dem Abgang von Kai Bülow ein wenig daran – bis Manuel Stiefler vom SV Sandhausen kam und sich als das Puzzlestück erwies, das passgenau in den Karlsruher Kader eingesetzt werden konnte. Der Allrounder im Mittelfeld steuerte zwei Treffer und stolze sechs Vorlagen bei, ordnete zudem vorwiegend das Spiel neben dem jüngeren Marvin Wanitzek. Ein Duo, das in der 3. Liga aktuell kaum getoppt werden kann.

 

Auch wenn Hansa zum großen Wurf wie so oft in den vergangenen Jahren ein erbarmungsloser Torjäger fehlt, so kommt Cebio Soukou einer ordentlichen Verstärkung für die Kogge gleich. Ex-Trainer Pavel Dotchev kannte seinen Schützling aus Auer Zeiten und schenkte dem 26-Jährigen, wann immer dieser spielfähig war, das Vertrauen. Zurück zahlte es Soukou mit sieben Toren in der 3. Liga. Seine wichtigsten beiden Scorerpunkte aber markierte er beim 2:0-Pokalcoup über den VfB Stuttgart. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich Soukou ohne "Lehrmeister" Dotchev 2019 behaupten wird.

 

Das Hachinger Prinzip, mit Sascha Bigalke und Stephan Hain die Liga auseinanderzunehmen, funktioniert nicht ohne neun andere, die dem Top-Duo assistieren und sich um die eine oder andere Defensivaufgabe kümmern. Dort fehlte der Spielvereinigung gerade nach dem Abgang von Ulrich Taffertshofer nach Osnabrück ein gewisser Faktor – Marc Endres, gekommen aus Chemnitz, hat die Fußstapfen perfekt ausgefüllt. In 19 Spielen gelangen ihm drei Tore, viel wichtiger aber ist die Defensivleistung des Verteidigers.

 

Weil Adriano Grimaldi den SC Preußen verließ, um sich 1860 München anzuschließen (und diesen Verein wohl im Winter ebenfalls verlassen will), musste rasch Ersatz her. Die Westfalen fanden Rufat Dadashov in der Regionalliga Nordost – dort hatte er in Berlin eine bemerkenswerte Torquote vorgewiesen. Ganz so stark ist diese in der 3. Liga noch nicht, aber seine sieben Tore in 17 Spielen brachten den SCP mehrfach auf die Siegerstraße. Was der Klub im Dezember feststellen musste: Als er verletzt fehlte, ging in der Offensive der Adlerträger fast gar nichts.

 

Im Sommer stand er da, der Hallesche FC, und hatte die Hosen heruntergelassen. Klaus Gjasula? Weg. Royal Fennell? Weg. Erik Zenga? Weg. Tobias Müller? Weg. Stefan Kleineheismann? Weg. Max Barnofsky? Weg. Innenverteidigung als auch Mittelfeld mussten völlig neu strukturiert werden, Moritz Heyer wurde zum wohl wichtigsten Faktor. Der 23-Jährige liefert Leistung wie ein Uhrwerk, kann sich nach Bedarf auch etwas weiter vorn einschalten – und wird beim Portal transfermarkt.de sogar als Libero geführt. Ein Nachfolger von Franz Beckenbauer? Zumindest der Stellenwert für sein Team ist bei Heyer längst ähnlich hoch.

 

In seiner Zeit bei Rot-Weiß Erfurt hatte Merveille Biankadi schon des Öfteren sein Potenzial leise angekündigt – beim chancenlosen Absteiger bot sich schlichtweg nicht das richtige Schaufenster für sein Können. Schon besser funktioniert das beim allerdings ähnlich launischen neuen Arbeitgeber in Rostock, bei dem das Tempo des Kongolesen auf der Flügelposition noch stärker zur Geltung kommt. Drei Tore und drei Vorlagen stehen auf dem Papier, doch Biankadi brachte in einigen Partien mit seinen Aktionen noch bedeutend mehr Unruhe hinein. Möglicherweise steht der Durchbruch bei ihm kurz bevor.

 

"Eier in der Hose" hatte der VfL Osnabrück um Sportdirektor Benjamin Schmedes, als der Klub im Sommer seine 67-Gegentore-Defensive mit einem Innenverteidiger verstärkte, der von Absteiger Chemnitz (74 Gegentore) nach Niedersachsen wechselte. So kam Maurice Trapp ohne die großen Erwartungen, zeigte aber eindrucksvoll, dass er in einem funktionierenden Umfeld aufblühen kann. In Osnabrück ist er ein Dreh- und Angelpunkt, ebenso wie Körber Teil der stärksten Defensive. In seinen 18 Spielen machte er zudem zwei Tore, eins davon brachte den VfL im Derby gegen Münster auf die Siegerstraße.

 

Nur neun Spiele benötigte Nick Proschwitz, um sich auf das Treppchen der besten Neuzugänge zu katapultieren. Denn in sechs dieser Punktpartien traf der im Oktober zum SV Meppen hinzugestoßene Stürmer, dazu bereitete er zwei Treffer vor und war damit entscheidend an der Wende zum Positiven beteiligt, die den SVM von zwischenzeitlich fünf Punkten Rückstand auf das rettende Ufer auf einen Nichtabstiegsplatz befördert hat. Doch auch für den 32-Jährigen ist es ein Befreiungsschlag: Nach den bekannten Schlagzeilen zu Paderborner Zeiten hatte Proschwitz kaum noch irgendwo Fuß fassen können, jetzt überzeugt er wieder mit Leistung.

 

Als neuer Spieler, der vom TSV Havelse zum oft so stark besetzten SV Wehen Wiesbaden dazustößt, dürften die Erwartungen zunächst gering sein. Daniel Kofi Kyereh aber hatte offenbar keine Lust, langsam an den Kader und das neue Spielniveau herangeführt zu werden – er zeigte dem etablierten Manuel Schäffler sofort, dass dieser künftig nicht mehr allein für die Tore zuständig ist. War Kyereh spielfähig, dann spielte er auch, erzielte in 18 Partien zehn Tore und dazu zwei Assists. Sein Highlight: Der Dreierpack beim furiosen 5:2-Auswärtssieg in Karlsruhe.

 

Hier ist er, der bislang stärkste und wertvollste Neuzugang der 3. Liga. Nils Körber hat sich diese Auszeichnung redlich verdient, ist er doch der stärkste Keeper dieser Spielklasse und steht noch dazu beim Spitzenreiter unter Vertrag. Seine Flugkünste sind beeindruckend, im Eins-gegen-Eins ist Körber eine Macht. Vor allem aber hat er seine Nervosität, die ihn im Vorjahr bei Preußen Münster sogar den Posten als Stammtorhüter gekostet hatten, in den Griff bekommen und seine nicht immer souveräne Strafraumbeherrschung klar verbessert. In dieser Form gehört Nils Körber mindestens eine Liga nach oben, es ist ein weiterer Glücksgriff der Lila-Weißen auf der Torhüter-Position.

 

   
  • Phillip

    Ein Julius Reinhardt vom FSV hätte es wohl auch verdient gehabt unter diese 20 Spieler zu kommen. Körber? Gehypt…

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