Die Senkrechtstarter der bisherigen Drittliga-Saison

Gut ein Viertel des Drittliga-Jahres ist absolviert, die Tabelle hat sich erstmals sortiert und für viele Teams ist die Grundtendenz, wohin es in dieser Saison gehen wird, klar. Heute wollen wir auf die Spieler schauen, die der Startphase dieser Spielzeit ihren Stempel aufgedrückt haben. Von Sercan Sararer bis Andreas Müller haben wir eine Auswahl an Profis zusammengestellt, die uns überrascht haben.

Ehre, wem Ehre gebührt: Wir fangen an mit dem Spitzenreiter in der Torjägerliste. Achtmal hat Petar Sliskovic (29) für Türkgücü München getroffen und ist gemeinsam mit einem weiteren Schlüsselspieler, der an späterer Stelle in dieser Liste noch auftauchen wird, maßgeblich für den starken Saisonstart des Aufsteigers verantwortlich. Zuletzt erst traf Sliskovic doppelt gegen seinen Ex-Verein MSV Duisburg, bei dem er – wie zuvor in Aalen, Halle und bei den Stuttgarter Kickers – sein Torjäger-Potenzial nur sporadisch angedeutet hatte. Das Vertrauen sowie die sechsstellige Ablösesumme an die Zebras zahlt Sliskovic nun Woche für Woche zurück. Zwei Vorlagen runden den astreinen Saisonstart ab.

 

Bei seinem Ausbildungsverein 1. FC Kaiserslautern sowie zuletzt beim SV Wehen Wiesbaden mochte Nicklas Shipnoski (22) das Zweitliga-Niveau noch vermissen lassen. Doch seine Fähigkeiten am Ball, seine Grundschnelligkeit und mehr und mehr auch seine Torgefährlichkeit machen ihn derzeit zu einem der gefährlichsten Flügelstürmer der 3. Liga. Freuen tut’s den 1. FC Saarbrücken, der sich den gebürtigen Wormser im Sommer ablösefrei vom SVWW schnappte. Fünf Tore und vier Vorlagen stehen auf dem Scoreboard, bei den jüngsten drei FCS-Erfolgen traf Shipnoski jeweils und legte einen Treffer vor. So reitet man die Erfolgswelle beim Aufsteiger und Tabellenführer!

 

Gekommen von Absteiger Münster, hat sich Maurice Litka (24) bei Hansa Rostock auf der linken Offensivseite etabliert. Dabei ist Litka nicht auf diese Position beschränkt, sondern hinter der Sturmspitze in jeder Rolle einsetzbar. Dass Jens Härtel ihm nun regelmäßig den linken Flügel anvertraut, scheint Litka ebenso zu helfen wie die Nähe zur Hamburger Heimat: In neun Spielen erzielte Litka zwei Tore, legte drei auf und war an vielen weiteren Offensivaktionen beteiligt. Überragend war der Offensivspieler beim 5:1-Sieg über Viktoria Köln.

 

Mancher Beobachter der Regionalliga West wird sich gefragt haben, wieso Joseph Boyamba (24) nicht bereits viel eher den Sprung in eine höhere Liga gewagt hat. Sein Potenzial stellte er bei Wattenscheid 09 sowie vor zwei Jahren für die Reserve von Borussia Dortmund etliche Male unter Beweis. Anfang September schnappte Waldhof Mannheim dann zu – was für ein Glücksgriff. Sechsmal hat Boyamba in neun Spielen getroffen, keine dieser Partien sollte der SVW verlieren. Seine Schnelligkeit und ein ordentlicher Abschluss harmonieren perfekt mit der mutigen Mannheimer Spielidee – und geht Boyambas Saison ähnlich weiter, könnte er im kommenden Sommer vielleicht viel Geld in die klammen Waldhof-Kassen spülen.

 

Auch in der Defensive des souveränen Spitzenreiters hat dieser Spieler den Grundstein für seinen Höhenflug mit einer Neuverpflichtung im Sommer gelegt: Marin Sverko (22) kam von Reserve des FSV Mainz 05, spielte für Karlsruhe sogar schon in der zweiten Liga. Als Leihgabe an Sonnenhof Großaspach hinterließ er im ersten Halbjahr wenig Eindruck, die SGA stieg ab, Sverko fühlte sich als Linksverteidiger nicht sonderlich wohl. Jetzt verteidigt er in der Regel des Abwehrzentrum des 1. FC Saarbrücken, der erst neun Gegentore kassiert hat. Verpasst hat er nur das jüngste Auswärtsspiel in Köln – weil er mit der kroatischen U21-Nationalmannschaft auf Reise war.

 

Es sind längst nicht nur Neuzugänge, die sich in den ersten Spielen mit Pauken und Trompeten angekündigt haben. Dennis Dressel (22) etwa trägt das Löwenblut seit Grundschulzeiten in sich, bestreitet sein 14. Jahr bei 1860 München. Und was könnte dies für ein großartiges Jahr für ihn werden: Mit seinem Viererpack beim 6:1-Kantersieg über den Halleschen FC hat er schon jetzt ein Kunststück geschafft, das in der 3. Liga bislang erst sieben anderen Spielern geglückt ist. Dabei ist Dressel "nur" zentraler Mittelfeldspieler, hat also noch ganz andere Aufgaben, als Tore zu erzielen. Seine Fähigkeiten als sonst eher selten auffälliger, aber stets solider Allrounder sind eminent wichtig für 1860. Und sollte er noch öfter zum Torjäger werden, wird das erst recht Begehrlichkeiten wecken…

 

Für einen so eng mit dem türkischen Migrationshintergrund verbundenen Klub wie Türkgücü München ist es ein großer Erfolg, mit Sercan Sararer (30) einen in Deutschland aufgewachsenen Ex-Nationalspieler der Türkei in seinen Reihen zu wissen. Allein diese Vita weckt Erwartungen, die Sararer bislang aber voll und ganz erfüllen kann: Mit drei Toren und sieben Vorlagen ist er gemeinsam mit Teamkollege Sliskovic Topscorer der 3. Liga. Ein ähnlich erfolgreiches Jahr, wie es sich nun andeutet, hatte Sararer in seiner langen und ereignisreichen Karriere erst einmal: 2011/12 steuerte er für Greuther Fürth, damals noch in der 2. Bundesliga, 22 Scorerpunkte bei. An diesem Wert wird sich der Zehner und Kapitän von Türkgücü nun gerne orientieren.

 

Wo stünden die Sportfreunde Lotte heute, hätte Aygün Yildirim (25) schon vor zwei Jahren seine begnadete Technik öfter gezeigt? Was der Flügelstürmer beim ersten Drittliga-Anlauf in der Saison 2018/19 noch vermissen ließ, damit beschenkt er nun den SC Verl: Fünf Tore und eine Vorlage hat der quirlige Angreifer schon erzielt, darunter waren einige sehenswerte Aktionen. Prima funktioniert das Zusammenspiel mit dem erfahrenen Zlatko Janjic, die beiden haben Verl im Vorjahr bereits in die 3. Liga geschossen. Interessant für andere Vereine: Der Vertrag Yildirims läuft am Saisonende aus. Spielt er ähnlich stark weiter, wird er sich über mangelnde Anfragen nicht beschweren können.

 

Bislang ist die Saison des 1. FC Magdeburg alles andere als zufriedenstellend, es ist eher kein Umfeld, in dem Einzelspieler herausragen können. Doch der Werdegang von Andreas Müller (20) ist hervorzuheben: Spielte der zentrale Mittelfeldmann im Vorjahr noch abwechselnd für die erste und zweite Mannschaft von Astoria Walldorf in der Regionalliga Südwest sowie der sechstklassigen (!) Verbandsliga Nordbaden, so hat er sich nun beim FCM etabliert. Dreimal traf Müller in sieben Startelf-Einsätzen, so zuletzt auch beim 1:1 in Kaiserslautern. Ein kleiner Scouting-Coup inmitten vieler Magdeburger Verpflichtungen dieses Sommers, die ihre Tauglichkeit noch nicht nachgewiesen haben.

 

Schon im Abstiegsjahr wurde Ransford Königsdörffer (20) behutsam an den Profikader von Dynamo Dresden herangeführt. Das Potenzial des Sturmtalents, das 2019 aus der A-Jugend von Hertha BSC nach Sachsen gewechselt war, deutete dieser schon in der U19-Bundesliga an. Jetzt könnte die 3. Liga zum Sprungbrett für Königsdörffer werden, nachdem dieser infolge zweier Meniskusrisse im Knie die Profikarriere vor wenigen Jahren fast schon abgehakt hatte. Bislang hat der engagierte und pfeilschnelle Stürmer, den Trainer Markus Kauczinski gerne auf den Flügeln einsetzt, zweimal getroffen und zwei Tore vorbereitet. Königsdörffer spielte dazu zuletzt noch stets über 90 Minuten durch – und stiehlt damit manch hochdekoriertem Positionskontrahenten die Show.

 

Er ist ein tragischer Held dieser Anfangsphase. Denn Luca Plogmann (20), Torhüter beim SV Meppen, werden wir in diesem Jahr nicht mehr auf dem Feld sehen: Aufgrund eines Patellasehnenrisses, zugezogen beim Spiel in Dresden vor zweieinhalb Wochen, wird das große Talent für mehrere Monate ausfallen. Dabei verlief die Saison für ihn persönlich prima: Er zeigte trotz 14 Gegentoren in acht Saisonspielen starke Leistungen, was auch den SV Werder Bremen erfreute – der Bundesligist hatte Plogmann für eine Saison ins Emsland ausgeliehen. Wie schwerwiegend sein Ausfall für den SVM im Abstiegskampf werden könnte, das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch überhaupt nicht absehbar.

   
  • Phillip

    Jozo Stanic vom FSV hätte hier auch eine Erwähnung verdient gehabt. Beinharter IV, der für sein Alter ziemlich abgeklärt daher kommt.

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