Die Gewinner und Verlierer des Jahrestarts

Fünf Spieltage sind im neuen Jahr absolviert, eine erste Tendenz bei allen Klubs ist damit klar erkennbar. Wer ist Gewinner, wer Verlierer des Jahresauftakts? Wir listen je vier Gewinner und Verlierer auf.

Gewinner

Schon vor dem Montagabend war klar: Der FC Bayern München II ist die bis dato erfolgreichste Drittliga-Mannschaft des Jahres 2020 – auf vier Siege aus fünf Spielen kommt nämlich kein anderer Verein. Von außen betrachtet scheint sich der FCB ähnlich wie die Bundesliga-Profis zuletzt in einen Rausch gespielt zu haben: 3:0, 1:0, 4:2 und 6:1 lauteten die Ergebnisse der ersten vier Spiele.

Auch wenn die jugendliche Leichtfertigkeit der zahllosen Toptalente den FCB in der Hinrunde einige Punkte gekostet hat, so deutet sich derzeit kein Einbruch an, zumal die Defensive viel stabiler und resistenter gegenüber Fehlern auftritt. Auch wenn die Siegesserie in Chemnitz jüngst gestoppt wurde, muss sich München keine großen Vorwürfe machen: Der Spielausgang wurde durch eine frühe und unberechtigte Rote Karte stark beeinflusst – und selbst in Unterzahl schafften es die Münchner Amateure, in beeindruckender Art und Weise ihren Gegner laufen zu lassen. Das zeugt von viel Qualität.

 

Am siebten Tag der Woche erschuf der Fußballgott sie neu, die hochattraktive Spielkultur bei der SpVgg Unterhaching: Das 5:3 in Halle erinnerte an die Vorsaison, als Haching noch deutlich regelmäßiger ein Spektakel zauberte, wenn auch vornehmlich in der Hinrunde. Aus dem Absturz im Frühjahr 2019 haben Claus Schromm und Co. offenbar gelernt: Statt Hurra-Fußball geht es meist etwas dosierter zu, Heimspiele reißen seltener mit.

Die Ergebnisse aber geben dem börsennotierten Klub recht: Drei Siege und zwei Remis gab es aus fünf Spielen im Jahr 2020, und weil die Konkurrenz zuletzt immer wieder patzte, steht Unterhaching plötzlich auf einem direkten Aufstiegsplatz. Sapperlot! Einer von ihnen hätte darüber hinaus Lust auf eine Wiederholung: Dominik Stroh-Engel schoss Darmstadt 98 2014 mit 27 Toren in die zweite Liga, jetzt steht er nach torreichen Wochen bereits bei neun Treffern aus 19 Spielen. Bleibt der Hüne in Topform, hat Haching gute Chancen, noch länger oben zu verweilen…

 

Hansa-Fans unken wohl bereits, dass jetzt der normale Zeitpunkt für einen Einbruch wäre, schließlich hat es die Kogge durch den 3:0-Erfolg über den FC Ingolstadt geschafft, mit einem starken Start ins Jahr (zehn Punkte aus fünf Spielen) immerhin bis auf vier Punkte an den dritten Platz heranzukommen. Und als wäre das nicht bereits ein ordentlicher Euphoriebeschleuniger, so fängt sogar Stürmer John Verhoek nach mehr als einem Jahr wieder an zu treffen – es bleibt zu hoffen, dass ihm nächstes Mal hämische Reaktionen der Fans erspart bleiben.

Will es Hansa nochmal wissen? Die Liga bleibt enorm ausgeglichen, und in bald neun Jahren Drittklassigkeit hat es Rostock nie geschafft, sein Leistungsniveau nachhaltig und konstant über Monate zu halten. Vielleicht klappt es ja in diesem Anlauf. Das Tor von Nils Butzen am vergangenen Samstag könnte ein gutes Omen gewesen sein. Denn immer, wenn der 26-Jährige getroffen hat, stieg sein Klub in der Saison auf.

 

Mit einem Sieg der Leidenschaft und des Willens schaffte es am Montag auch der Chemnitzer FC noch in diese Auflistung. Drei Siege und zwei Remis haben dem CFC elf überlebenswichtige Punkte beschert, jüngst schaffte die Mannschaft von Trainer Patrick Glöckner sogar den Sprung auf Tabellenplatz 15. Natürlich war der 1:0-Erfolg über Bayern München II ein wenig glücklich zustandegekommen, aber wer fragt in ein paar Wochen danach noch?

Fakt ist: Chemnitz hat seit Ende August im eigenen Stadion nicht mehr verloren, überhaupt aus den vergangenen acht Partien nur einmal den Kürzeren gezogen. Philipp Hosiner war lange der Mann der Stunde, aber nur auf ihm alleine beruht der Erfolg nicht. Vielmehr hat sich die gesamte Mannschaft nach holprigem Start verbessern können und sich so die gute Ausgangsposition auf dem Weg zum Klassenerhalt verdient.

 

Hat der Waldhof tatsächlich das Zeug zum Durchmarsch? Was Fans und Spieler nach der Hinrunde noch etwas zurückhaltend bewerteten, muss mittlerweile mit einem Ja beantwortet werden. Neun Punkte aus den fünf Partien in diesem Jahr sind zwar nicht herausragend, allerdings blieb der Waldhof ungeschlagen und hat sich mit konstanten Leistungen mittlerweile oben festgesetzt. Nach dem 3:2-Sieg in Duisburg, als der Aufsteiger einen 0:2-Rückstand drehte, übernachtete Mannheim sogar auf einem direkten Aufstiegsplatz, vor dem anstehenden Derby steht nun immerhin Rang drei zu Buche.

Vor allem die Mentalität und die Geschlossenheit innerhalb der Mannschaft sind Attribute, die den Waldhof tatsächlich zum direkten Durchmarsch verhelfen könnten. Und im Gegensatz zu einigen Konkurrenten haben die Kurpfälzer auch keinerlei Druck. Spätestens, wenn am Samstag auch gegen Kaiserslautern gewonnen werden sollte, wird sich der Waldhof wohl ernsthaft mit der 2. Bundesliga auseinandersetzen müssen.

 

Verlierer

Fünf Spiele, fünf Niederlagen, 7:19 Tore, als "Sahnehäubchen" das Ausscheiden im Landespokal: Was beim Halleschen FC passiert ist, ist schwer zu erklären. Torsten Ziegner wurde als Folge am Montagabend gefeuert. Leicht fiel es Halle gewiss nicht, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden, schließlich hat Ziegner den HFC erst zu seinen neuen Ambitionen geführt. Nun aber befindet sich Halle auf gutem Weg, zurück ins zweite Glied der Drittligisten zu rutschen, zurück in die Perspektivlosigkeit. Oder gar noch weiter bergab?

Der Vorsprung auf Abstiegsplatz 17 ist zusammengeschrumpft auf drei Punkte, die dort befindlichen Vereine punkten regelmäßig und haben den Existenzkampf längst verstanden. Gelingt es dem wackelnden, nein taumelnden Halleschen FC, unter dem neuen Trainer Ismail Atalan die neue Situation anzunehmen? In Großaspach, das selbst 2020 erst einen Zähler geholt hat und ein weiterer klarer Verlierer des Jahresbeginns ist, wird es höchste Zeit für den ersten Punktgewinn im neuen Jahr.

 

Claus-Dieter Wollitz hat die ersten drei Punkte geholt, spottete man nach dem 1:1 des FCM bei 1860 München. Denn auf die Siegpremiere wartet der neue Trainer des krisengeschüttelten Zweitliga-Absteigers weiter, fünf Partien hat er für drei Unentschieden benötigt. Dabei kann man Wollitz nicht vorwerfen, vor unpopulären Maßnahmen zurückzuschrecken – jüngst fand sich im Gastspiel bei den Löwen sogar Kapitän Christian Beck nach andauernder Erfolglosigkeit auf der Ersatzbank wieder.

Beck, der nach seiner Einwechslung eine Hundertprozentige liegenließ, steht sinnbildlich dafür, dass jahrelang etablierte Mechanismen in Magdeburg derzeit nicht mehr greifen. Doch chaotische Zustände findet man am Heinz-Krügel-Platz (noch) nicht, die Fans beweisen Geduld. Demnächst muss gegen den Letzten aus Jena aber ein Sieg her – sonst droht der Sturz auf einen Abstiegsplatz.

 

Fünf Siege am Stück hatte der FCK kurz vor der Winterpause eingefahren und sich vom Abstiegskandidaten zum Verfolger der Spitzenteams gemausert. Doch in Kaiserslautern bleibt es bei enormen Formschwankungen – 2020 schaffte Boris Schommers mit seiner Mannschaft noch nicht einen Erfolg. Dabei waren die ersten drei, vier Partien spielerisch noch sehr ansehnlich, aus einer mangelhaften Chancenverwertung resultierte der unbefriedigende Ertrag.

Spätestens das 0:0 gegen Zwickau am vergangenen Wochenende war dann eines der übleren Sorte. Dass nun auch noch Torwarttrainer Gerry Ehrmann gefeuert wurde – wie groß sein Anteil daran ist, sei dahingestellt – bringt das Pfälzer Fass zum Überlaufen. Geht das Derby in Mannheim in die Binsen, herrscht akute Explosionsgefahr auf dem Betzenberg. Und Abstiegskampf.

 

Nach zwischenzeitlich 13 Spielen in Folge ohne Niederlage schien der FC Ingolstadt auf direktem Weg zurück in die 2. Bundesliga, doch seit Anfang Februar läuft es plötzlich nicht mehr. 1:3 trotz Führung in Würzburg, ein unglückliches 0:1 gegen Uerdingen und eine deutliche 0:3-Pleite bei Hansa Rostock: Der FCI befindet sich im Abwärtstrend – und ist in der Tabelle mittlerweile aus den Aufstiegsrängen gefallen und belegt derzeit nur noch den vierten Platz.

Schon in der Hinrunde verloren die Schanzer drei Spiele in Serie, danach ging es bergauf. Gelingt Trainer Jeff Saibene der Turnaround auch dieses Mal? Gegen Viktoria Köln sollten am Sonntag drei Punkte her. Doch Vorsicht: In der Hinrunde unterlag Ingolstadt beim Aufsteiger – es war der Beginn der Niederlagen-Serie.

 
  • Kunde

    Nur mal so, Verhoek veralberte die Fans die darauf reagierten und das nicht nur einmal.

  • Nikita

    Für Braunschweig fährt die Rolltreppe auch abwärts. Mit 6 Punkte aus 6 Spielen und wirklich schlechten Leistungen ist der vormalige Tabellendritte für mich auch ein klarer Verlierer der Rückrunde. Und das trotz des Pourie-Wechsels.

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