Die fünf schlechtesten Spiele des Jahres

Ausführlich haben wir uns den besten Spielen des Jahres gewidmet. Was waren da für Kracher dabei! Tore satt, spektakuläre Wendungen und wunderschöne Angriffe. Doch ist das die ganze Wahrheit der 3. Liga? Natürlich nicht. Oft genug gingen die Anhänger auch gelangweilt nach Hause, weil sich die Teams wieder einmal mit Bedacht ans Offensivspiel machten und ein Bollwerk um den eigenen Sechzehner aufbauten. Wir haben die fünf schlechtesten Spiele des Jahres ausfindig gemacht und krönen das "Kackspiel" von 2017.

Ein 36. Spieltag und zwei Teams, für die es um nichts mehr geht – das sind exzellente Zutaten für ein Fußballspiel, das schnell wieder vergessen werden kann. Selbst die 1.860 Besucher in der zu etwas mehr als 15 Prozent ausgelasteten Brita-Arena dürften diesen Kick ein halbes Jahr später längst wieder verdrängt haben.

Um das Spielgeschehen halbwegs kurz zu fassen: Tore fielen keine. Die Begegnung brauchte eine kurze Anlaufzeit von etwa 81 Minuten, erst dann nahm sie Schwung auf und hätte in Großaspach beinahe noch einen unverdienten Sieger gefunden. Aber Markus Kolke, Keeper der Wiesbadener, tat das einzig Richtige: Er hielt das 0:0 fest. Ein anderes Ergebnis hatte dieses Spiel (wie übrigens alle anderen in dieser Aufzählung) einfach nicht verdient.

 

560 Zuschauer sind in der 3. Liga eine wirklich traurige Kulisse. Doch wirklich jeder, der am fünften Spieltag das vermeintliche Spitzenspiel zwischen Werder Bremen II und dem SV Wehen Wiesbaden verfolgte, sollte sein Kommen bereuen. Vom starken Saisonauftakt der Teams war fast nichts zu sehen, absichtlich herbeigeführte Torchancen blieben in der ersten Halbzeit komplett aus. Und doch wäre Bremen – bezeichnenderweise durch eine verunglückte Hereingabe – fast in Führung gegangen. Im zweiten Abschnitt blieben die Teams auf konstant niedrigem Niveau und teilten sich schließlich schiedlich-scheußlich-friedlich die Punkte.

 

Der SV Wehen Wiesbaden wird noch zum Serientäter – auch den dritten Platz schnappen sich die Hessen. Und den haben sie sich gemeinsam mit Rot-Weiß Erfurt auch redlich verdient. Am 32. Spieltag der vergangenen Saison trafen die beiden Teams aufeinander – 2.070 Besucher waren Zeugen einer Gaumenfreude für Taktiknerds, die insbesondere Stefan Krämers Einschläferungsmethode bemerkten: Auf einen starken Auftakt nahmen die Thüringer langsam Gas heraus und riegelten hinten ab. In der Mitte des Spiels gab es ein, zwei Chancen, auf die drei Punkte wollte aber keine Mannschaft mehr gehen. Das logische Ende: null zu null.

 

"Leistungsgerecht trennten sich die Mannschaften 0:0" – wenn selbst das bekannteste deutsche Fachmagazin keine anderen Worte für ein Fußballspiel findet, dann muss es wirklich übel gewesen sein. Immerhin 2.500 Besucher, mehr als in Großaspach üblich, waren im Spätsommer in den Fautenhau gepilgert, um das wohl kleinste Derby der 3. Liga zu betrachten. Wer hätte schließlich vorher gedacht, dass sich der Auftritt der Mannschaften von einer überlangen Konzertpause bei Andrea Berg kaum unterscheiden würde? Selten drückte die SGS auf einen Treffer, der VfR hatte an diesem Tag so gut wie überhaupt keine Ideen. Die Mannschaften erhielten immerhin einen Punkt, die Zuschauer keine Entschädigung für diese inhaltsleere Vorstellung.

 

Und doch gibt es ein Spiel, das die vier vorherigen Partien qualitativ um ein ganzes Stück unterbietet. Hier hätte sich gleichwohl niemand beschweren dürfen. Was durfte beim Aufeinandertreffen des Vorletzten und des Letzten schließlich erwartet werden, zumal beide Mannschaften im Vorgang monatelang keinen Erfolg eingefahren hatten? Werder Bremen II und Rot-Weiß Erfurt verwöhnten 615 Unentwegte mit 90 Minuten hochaufmerksamer Defensivarbeit – und einem Armutszeugnis im Spiel nach vorn.

Während die Bremer Stürmer in unglaublicher Regelmäßigkeit ins Abseits liefen, hatte Erfurt bezeichnenderweise durch Abwehrmann Christoph Menz die einzig nennenswerte Gelegenheit nach etwa 20 Minuten. Danach beschränkten sich die Kellerkinder auf unansehnlichen Holper- und Stolperfußball mit immerhin sieben Gelben Karten – ein gutes Beispiel, das der oft geforderte Einsatz allein nicht immer ausreicht, um Zuschauer zufriedenzustellen. Das „Kackspiel“ des Drittliga-Jahres 2017, es geht an die mittlerweile sechzehnfach sieglose Reserve von Werder Bremen und den abgeschlagenen Letzten aus Erfurt.

   
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