Die besten Spiele des Jahres: Platz 20 bis 4

Auf insgesamt 360 Meisterschaftsspiele und elf DFB-Pokalpartien kann die 3. Liga im Jahr 2016 zurückblicken. Aus dieser Menge stachen einige Partien aus bestimmten Umständen ganz besonders hervor: Klare Siege, torreiche Aufeinandertreffen oder emotionale Entscheidungen. Zum Jahresabschluss haben wir sämtliche "Spiele des Jahres" in einer Top 20-Bilanz gebündelt. Beginnen werden wir mit den Spielen 20 bis 4.

[box type="info"]Info: Die Plätze 3-1 werden in den kommenden Tagen veröffentlicht.[/box]

Die verdiente Nummer 4 des Fußballjahres 2016 hat sich der Hallesche FC erkämpft: Mit einer Energieleistung wurde der Zweitligist 1. FC Kaiserslautern nach Verlängerung mit 4:3 aus dem Wettbewerb befördert. Dabei egalisierte der Underdog zwei Rückstände, ging dann sogar in Führung – ausgerechnet der ehemalige HFC-Spieler Osayamen Osawe erzielte in allerletzter Sekunde der regulären Spielzeit das 3:3. Doch Halle ließ sich nicht unterkriegen, nutzte früh ein Elfmeter-Angebot das FCK in Form von Klaus Gjasula und stellte auf 4:3 – ein Ergebnis, das bis zum Schlusspfiff Bestand haben sollte. Die Belohnung folgte prompt: Durch die Zusatzeinnahmen konnte Royal-Dominique Fennell von den Würzburger Kickers verpflichtet werden. Ein Glücksgriff, wie sich herausstellen sollte …

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Dass ein Aufsteiger einen grundsätzlich favorisierten Absteiger schlagen kann, ist speziell in der 3. Liga keine Neuigkeit wert. Wenn aber ein ehemaliger Bundesligist von einem Dorfklub mit 6:0 in alle Einzelteile zerlegt wird, dann ist die Begegnung immerhin ein Anwärter auf das Spiel des Jahres. Die Story ist schnell erzählt: Lotte erwischte einen perfekten Tag und hatte seinen Spaß daran, unmotivierte Paderborner vor und nach der Pause mit je drei Gegentreffern zu beglücken. SCP-Coach René Müller zeigte sich nach Abpfiff konsterniert, musste folgerichtig tags darauf seinen Hut nehmen. Er hatte es nicht mehr geschafft, seine Mannschaft zu erreichen – das 0:6 in Lotte war einzig die finale Bestätigung.

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Das Spiel unter bemerkenswerten Umständen sollte einen ebenso bemerkenswerten Ausgang erhalten. Aber der Reihe nach: Energie Cottbus hatte seinen Trainer Vasile Miriuta eine Woche zuvor nach einer 0:3-Niederlage bei Preußen Münster gefeuert – er hatte die Elf aus der Lausitz nicht nachhaltig aus dem Tabellenkeller führen können. Claus-Dieter Wollitz übernahm die Verantwortung und gleichzeitig das Amt des Rumänen, um Cottbus in nur wenigen Wochen zum Klassenerhalt zu führen. Was dann jedoch geschah, das glich ein Stück weit einer einzigen Selbstzerfleischung der Cottbusser. Ja, sie spielten munter und tapfer nach vorne – aber sie erkannten schlichtweg nicht, wie unheimlich konterstark die Gäste aus Baden-Württemberg waren und liefen ein ums andere Mal direkt ins offene Messer. So stand es flugs 0:1, 0:2, 0:3 und noch vor der Pause sogar 0:4. Kurz vor Abpfiff gelang der SGS nach einer weitestgehend ereignislosen zweiten Spielhälfte, das Spiel war schließlich längst entschieden, sogar noch der fünfte Treffer.  Und das im eigenen Stadion – eine ganz bittere Pille für Cottbus, die später bekanntermaßen die Klasse nicht halten konnten.

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Und plötzlich hatte der FSV um Trainer Roland Vrabec ganz offensichtlich Blut geleckt, wollte mehr. Nach nunmehr drei Siegen in Serie empfingen die Schwarz-Blauen Fortuna Köln, die sich die Fahrt den Rhein hinunter im Nachhinein wohl gerne erspart hätten. Sechs Treffer schenkte Frankfurt den Gästen ein, vier davon bereits vor dem Seitenwechsel. Was für ein Debakel für Köln! Beim FSV entwickelte sich hingegen eine echte One-Man-Show: Massimo Ornatelli erzielte einen Treffer selbst und bereitete vier (!) weitere vor – Rekord in der eingleisigen 3. Liga.

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Das torreichste Spiel der gesamten Hinrunde 2016/2017 ereignete sich bereits am zweiten Spieltag: Jahn Regensburg fuhr einen spektakulären 4:3-Auswärtssieg in Großaspach ein. Die Partie besaß alles, was ein Spiel des Jahres ausmacht: Viele Tore, mehrere Wendungen, dazu noch zwei Platzverweise. Erst führte der Gast mit 1:0, dann drehte sich das Blatt zuerst auf 2:1 und dann auf 3:2. Den entscheidenden Doppelschlag setzte dann jedoch die gefürchtete Regensburger Flügelzange um Erik Thommy und Jann George, die binnen zweier Spielminuten das Geschehen zugunsten des Aufsteigers wendeten. Dieses Spiel hatte wahrlich mehr als nur 2.200 Zuschauer verdient.

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René Müller ging, Stefan Emmerling kam – und der SC Paderborn lebte wieder. Was für eine Wiederauferstehung! Denn auf den erkämpften 1:0-Sieg in Münster folgte die wohl überzeugendste Vorstellung der gesamten Hinrunde: Aufstiegskandidat VfL Osnabrück wurde mit 3:1 aus dem eigenen Stadion befördert. Eine klare Sache, zumal der SCP schon zum Seitenwechsel mit 3:0 führte und den VfL phasenweise dominierte. Ein versöhnliches Ende eines ansonsten völlig verkorksten Jahres aus Paderborner Sicht, während die lila-weißen Gäste nicht zum ersten Mal in dieser Saison eine Chance ungenutzt ließen.

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Ganz klar in die Liste der Spiele des Jahres muss das erste Rückrundenspiel von Fortuna Köln und Hansa Rostock: Es war die wohl begeisterndste Partie der jüngeren Kölner Vereinsgeschichte – ganz zum Leidwesen der Hansa-Kogge. Die ergab sich innerhalb von rekordverdächtigen fünf Minuten nach einem Treffer von Julius Biada und einem Blitz-Doppelpack von Marco Königs bereits ihrem Schicksal, und da waren erst 20 Minuten gespielt. Schlussendlich reiste Hansa mit einer 1:5-Klatsche zurück an die Ostsee, dazu sah Marco Kofler noch die Ampelkarte. Was für ein gebrauchter Start in die Rückrunde, die danach noch so viele positive Elemente vorbringen sollte.

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Ein simpler 1:0-Sieg in der Auswahl der Spiele des Jahres? Ja! Und das nicht ohne Grund: Der FSV Zwickau musste schließlich die wohl höchst unverdiente Niederlage im gesamten Fußballjahr einstecken. Vier Mal trafen die Westsachsen das Aluminium, während Preußen Münster mit einem zur Krönung auch noch miserabel ausgeführten Elfmeter irgendwie einen Ball in die Maschen brachte. Zwickau scheiterte am eigenen Können, die Westfalen konnten sich gegen ihr Glück kaum mehr wehren. Denn nebst vier Balkentreffern ließ der FSV noch einige weitere Großchancen liegen. Ein Problem, das Zwickau auf Schritt und Tritt durch die letzten Wochen der Hinrunde folgt…

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Hansa Rostock besitzt eine ausgeprägte Heimschwäche. Nur einmal lieferte der FCH eine restlos überzeugende Vorstellung ab – das 5:0 gegen den FSV Zwickau glich einer Vorführung des etablierten Drittligisten gegen überforderte Aufsteiger. Ein perfekter Tag für die Kogge, an dem fast jeder Schuss im Netz landete und der FSV um Trainer Torsten Ziegner früh die Köpfe hängen ließ: Schon nach 15 Minuten hatten die Gäste einem 0:2-Rückstand hinterherlaufen müssen. Deutlich wurde es zwar erst in den Schlussminuten, nichtsdestotrotz stand war für die Schwäne nach diesem gebrauchten Nachmittag klar: Viel Arbeit steht bevor, um den Klassenerhalt zu verwirklichen.

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Mitreißend, spielerisch überzeugend und dazu wahnsinnig spannend: Die Begegnung des VfL Osnabrück mit dem 1. FC Magdeburg darf in dieser Liste nicht fehlen. Zur Pause waren noch keine Tore gefallen, Christian Beck hatte einen Elfmeter für den FCM vergeben – wenig deutete auf ein Spektakel hin. Dann aber begann die Sause: Früh legte der heimische VfL zwei Treffer vor, doch Magdeburg fand auch durch die Mithilfe von Osnabrücks Keeper Marius Gersbeck den Weg zurück und markierte in der Schlussviertelstunde den Ausgleich. Dann aber schlug die große Stunde des eingewechselten Michael Hohnstedt, der nach einem VfL-Eckball das Leder präzise ins Eck wuchtete und so den 3:2-Endstand in einem hochklassigen Drittliga-Spiel besorgte.

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Nicht ganz so viele Treffer bot das Duell zwischen dem 1. FC Magdeburg und Hansa Rostock, das jedoch auf seine ganze eigene Weise für Gesprächsstoff sorgte: So kassierten mit Nils Butzen, Christopher Handke und Timo Gebhart gleich drei Spieler einen Platzverweis – Gebhart sah binnen Sekunden nach seinem späten 1:1-Ausgleich erst Gelb und dann Gelb-Rot. Harte, teils überharte Entscheidungen von Schiedsrichter Benjamin Brand, die dem stimmungsvollen Match vor über 21.000 Zuschauern – Drittliga-Bestwert in der bisherigen Spielzeit – zusätzliche Würze verliehen.

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Eine völlig verrückte Viertelstunde kennzeichnete das torreiche Aufeinandertreffen des SC Paderborn und des Chemnitzer FC: Nachdem die Himmelblauen kurz vor dem Seitenwechsel in Führung gegangen waren, erwischten die Ostwestfalen einen feurigen Start in die zweite Halbzeit: Innerhalb von 60 Sekunden drehte der SCP das Geschehen, legte kurz darauf gar das 3:1 nach – auch das hatte jedoch nicht lange Bestand, denn der CFC verkürzte postwendend wieder auf 3:2. Nein, Chemnitz lieferte sicherlich kein schlechtes Spiel ab, musste aber spätestens nach dem 4:2-Treffer durch Sven Michel frühzeitig die Segel streichen. Ein Sieg der Moral für Paderborn. Moral, die das Team unter Trainer René Müller viel zu selten aufblitzen ließ.

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Es gab viele tolle Heimspiele des 1. FC Magdeburg in diesem Jahr und damit reichlich Grund zum Feiern. Dazu wurden die 90 Minuten stets von frenetischen Anhängern garniert. Das 4:1 über Hansa Rostock aber stellte auch spielerisch ein Highlight dar, denn Magdeburg dominierte das Geschehen auf dem Rasen und ließ sich selbst vom zwischenzeitlich 2:1-Anschlusstreffer der Gäste nie beirren. Plötzlich war der FCM mittendrin im Aufstiegsrennen. Und auch wenn es schlussendlich nicht ganz reichen sollte: An diese Matches, etwa vor 20.000 Zuschauern gegen Rostock, wird man sich in der Elbstadt noch eine ganze Weile erinnern.

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Weil die CFC-Partie gegen Cottbus nachgeholt werden musste (im Nachhinein wohl keine schlechte Idee aus Chemnitzer Sicht), startete Chemnitz bei Holstein Kiel Ende Januar in die Rückrunde. Es sollte ein furioser Kick werden, den aber die Störche deutlich für sich entscheiden konnten. Verrückt: Schon nach 29 Minuten stand es 4:1 für die Nordlichter! Ausgerechnet Hertha-Leihgabe Marius Gersbeck erwischte in seinem ersten Spiel einen rabenschwarzen Tag und musste insgesamt fünf Mal hinter sich greifen, 2:5 hieß es am Ende. Damit stand nicht nur seine CFC-Zeit unter einem schlechten Stern, sondern auch die folgenden Wochen der Chemnitzer. Kiel dagegen konnte auch mit dem Sieg keinen nachhaltigen Aufwind entfachen.

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Was für ein Spektakel bot Erfurt beim Einstand von Neu-Trainer Stefan Krämer im Januar! Tabellenführer Dynamo Dresden kam, und das hieß: Die Fans hatten vielleicht erwartet, dass Erfurt den Schwarz-Gelben gut die Stirn bietet, aber eine echte Siegchance hatte sich wohl kaum jemand ausgerechnet. Rot-Weiß nahm aber das Herz in beide Hände und steckte den frühen Rückstand hervorragend weg. Erst geriet Marc Höchers Flanke zu weit und fand so kurios den Weg ins Tor (45.), dann drehten Sebastian Tyrala und Okan Aydin das Spiel komplett (68./90.). Der Anschluss von Dresden kam zu spät, der Start in eine sehr gute Erfurter Rückrunde war getan.

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Sieben Spiele lang wartete der FSV Frankfurt zu Saisonbeginn auf den allerersten Saisonsieg. Was war nur los mit den Bornheimern? Aber der Knoten platzte mit Karacho, als der ebenfalls schwach gestartete SC Preußen Münster in Hessen gastierte. Dieser ließ sich vom Zweitliga-Absteiger, bei dem Yannick Stark mit zwei Treffern und einer Vorlage einen überragenden Tag erwischte, nahezu widerstandslos abschießen und übernahm in der Folge den letzten Tabellenplatz. Während Frankfurt in der Folgezeit fast schon sensationell im Eiltempo nach oben kletterte, zog der SCP zuerst personelle Konsequenzen und befreite sich erst spät in der Hinrunde aus den größten Abstiegsnöten.

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Kein Team hat weniger Heimsiege auf dem Konto als der FSV Zwickau, der nur zwei von zehn Austragungen für sich entschied. Getreu dem Motto „Wenn, dann richtig!“ wurden aber der SC Paderborn (3:0) und Jahn Regensburg mächtig vom Feld gefegt. Gegen den SSV hatte Zwickau den Erfolg maßgeblich Marcel Bär zu verdanken, der einen nicht ganz lupenreinen Hattrick erzielte. Während der Aufsteiger aus Bayern allmählich auf dem Boden der Tatsachen zu landen schien, deutete bei den Sachsen vieles auf eine Etablierung in der 3. Liga hin. Der Blick auf die Hinrunden-Tabelle liefert dann aber doch ein anderes Bild.

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