Die 3. Liga bei der Telekom: Ein Pro und Contra

Seit einer Woche steht fest: Ab der Saison 2018/19 zeigt die Telekom mindestens vier Jahre lang alle 380 Spiele einer Saison live und in voller Länge – im Pay-TV. Ein guter Deal für Vereine und Fans? Pro und Contra.

Pro

Höhere mediale Präsenz

Rund 230 Stunden berichteten die ARD-Sender in der Saison 2015/16 live über die Spiele der 3. Liga. Das entspricht zwar einer Steigerung von mehr als 60 Stunden im Vergleich zur Vorsaison, ist aber noch ausbaufähig. Und hier kommt die Telekom ins Spiel. Wenn das Telekommunikationsunternehmen ab der Saison 2018/19 alle 380 Spiele einer Saison live überträgt, erhöht sich die Live-Präsenz auf mindestens 570 Stunden. Zum Vergleich: In der aktuellen Saison wurden bislang 63 Prozent aller Spiele live übertragen, was – auf die Saison hochgerechnet – eine Gesamtbilanz von rund 350 Stunden bedeuten würde. Die Telekom könnte diesen Wert nochmals deutlich steigern. Warum das gut ist? Zum einen werden die Vereine in der deutschlandweiten Öffentlichkeit besser vertreten sein, zum anderen können sie ihre Bandenwerbung besser vermarkten und über diesen Weg weitere und finanzstärkere Sponsoren akquirieren. Für die Fans fällt unterdessen die bange Frage weg: Wird das (Auswärts-)spiel meines Vereins am Wochenende live übertragen? Und wenn, ja wo?

TV-Gelder steigen

Ein zentraler Punkt mit Blick auf die TV-Vermarktung sind auch die Fernsehgelder. Jahrelang forderten die Drittligisten eine Erhöhung, ab der Saison 2018/19 wird sie Realität. Noch ist die genaue Verteilung zwar offen, doch sicher ist bereits: Allein der Telekom-Deal, der dem DFB jährlich rund 16 Millionen Euro einbringen wird, spült den Drittligisten in eineinhalb Jahren mindestens 800.000 Euro in die Kassen. Bei der aktuellen Konstellation mit zwei U23-Teams, die nicht am Geldtopf beteiligt werden, wären es sogar knapp 900.000 Euro. Und das ist nicht alles: Auch die ARD hat sich ein Rechtepaket gesichert, wenngleich dieses deutlich kleiner ausfällt als bisher. Die Summe von 12,8 Millionen Euro, die der Sender derzeit jährlich zahlt, dürfte daher zwar nicht ganz erreicht werden, doch im mittleren bis hohen siebenstelligen Bereich wird sich das jährliche Volumen vermutlich schon bewegen. Heißt also: Die TV-Gelder überschreiten ab der Saison 2018/19 die Marke von einer Million Euro – etwa 1,3 Millionen Euro könnten realistisch sein. Ein nicht unerheblicher Anstieg, erhält jeder Verein in der aktuellen Spielzeit doch lediglich knapp 700.000 Euro.

 

Contra

Das Problem mit dem Abo und der Bandbreite

Bislang fallen für die Übertragungen in den Öffentlich-Rechtlichen neben den ohnehin üblichen GEZ-Abgaben keine weiteren Gebühren an. Der Service ist also mehr oder weniger kostenlos. Anders ist es ab der Saison 2018/19 bei der Telekom. Noch hat sich das Unternehmen zwar nicht zu den Kosten für ein mögliches Drittliga-Abo geäußert, doch derzeit verhält es sich mit "EntertainTV", auf dem unterem die Spiele der Eishockey-Bundesliga laufen, so: Für einige Telekom-Kunden ist das Angebot bereits inklusive, ansonsten kostet ein Jahresabo pro Monat 9,95 Euro und ein einzelnes Monatsabo 16,95 Euro. Die Frage ist: Wie viel Geld sind die Fans bereit zu zahlen? Ein weiteres Problem: Es ist eine bestimmte Internet-Bandbreite nötig, um die Spiele verfolgen zu können: "Für den Empfang von Live-Spielen in HD wird mindestens eine Bandbreite ab DSL 6000 Mbit/s benötigt, besser DSL 16000 oder VDSL", heißt es auf der Homepage der Telekom. Viele ländliche Regionen würde nach jetzigem Stand in die Röhre schauen.

Weniger Fans im Stadion!?

Unklar ist auch noch, wie sich die höhere TV-Präsenz auf die Zuschauerzahlen auswirken wird. In der Bundesliga sind die Stadien zwar trotz der Live-Übertragung durch Sky seit Jahren bestens gefüllt, allerdings zieht die Marke Bundesliga auch mehr. In der 3. Liga bleiben bereits jetzt viele Plätze leer, einige Vereine füllen ihre Stadien momentan nicht mal zur Hälfte. Überträgt die Telekom erstmal alle Spiele live, könnten – so befürchten viele Fans – weitere Zuschauer fernbleiben. Die echten Anhänger werden den Stadionbesuch natürlich auch weiterhin auf nicht einer TV-Übertragung vorziehen, doch zumindest Gelegenheitszuschauer werden sich sicherlich gut überlegen, ob sie bei Regen oder im Winter ins Stadion gehen. Schließlich kann man die Partie dann auch gemütlich vom heimischen Sofa aus verfolgen. Für die Vereine wäre das allerdings fatal, sind sie doch nicht unwesentlich auch auf die Ticket-Einnahmen angewiesen.

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Fazit

Festzuhalten bleibt: Für die Vereine ist der Telekom-Einstieg ein Segen. Zum einen erhöht sich die mediale Präsenz deutlich (wenngleich nicht im Free-TV), zum anderen steigen die TV-Einnahmen deutlich und verdoppelt sich wohl fast. Die Fans wiederum profitieren nur bedingt. Zwar können sie künftig alle Spiele ihres Vereins garantiert live im Fernsehen bzw. Internet verfolgen, müssen dafür aber eben auch zahlen. Insgesamt aber ein guter Deal für die 3. Liga, wenngleich noch einigen Bedenken bestehen.

 

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[box type="info"]Die Auswertung der Umfrage erfolgt am Dienstag, dem 7. Februar.[/box]

   

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