17. Mai 2018 um 15:43 Uhr

DFB weist Aue-Einspruch gegen Spielwertung erneut zurück

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Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den Einspruch des FC Erzgebirge Aue gegen die Wertung des Spiels bei Darmstadt 98 (0:1) im Rahmen einer mündlichen Verhandlung am Donnerstag erneut zurückgewiesen.

Relegationsspiele finden statt

Hans E. Lorenz, Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, erklärt: "Wir würden Ihnen gerne helfen, können aber nicht. Wenn wir heute anders entschieden hätten, würde der DFB von der FIFA bestraft. Die Richter des Fußballs sind die Schiedsrichter. Wir sind Richter in zweiter Instanz." Das Sportgericht habe keine Anhaltspunkte für einen Regelverstoß des Schiedsrichters gesehen, heißt es in der Urteilsbegründung des DFB. "Insbesondere auch keine Verpflichtung des Schiedsrichters, nach Befragung des Assistenten noch andere Beteiligte bezüglich ihrer Wahrnehmung zu kontaktieren." Bereits am Mittwoch hatte Lorenz betont, dass die Entscheidungen des Schiedsrichters als "unanfechtbare Tatsachenentscheidungen" zu werten seien. "Auch wenn sie falsch sind." Ohnehin sei der Verdacht einer vorsätzlichen Spielmanipulation "aus der Luft gegriffen" und "nicht ansatzweise nachgewiesen", so Lorenz.

Vom Vorwurf des Verdachts einer Spielmanipulation durch die Schiedsrichter nahm Erzgebirge Aue während der mündlichen Verhandlung am Donnerstag Abstand. Ohnehin hatte der vom DFB beauftragte Dienstleister "Sportradar" bereits mitgeteilt, dass nach Analyse des nationalen und internationalen Marktes "keine Auffälligkeiten bei Wetten auf die Zweitligapartie festgestellt werden konnten." Gegen die Entscheidung des Sportgerichts kann Aue nun Berufung beim Bundesgericht einlegen. Aue-Präsident Helge Leonhardt kündigte jedoch an, erst nach der Relegation darüber entscheiden zu wollen.

Die Relegationsspiele gegen Karlsruhe am 18. und 22. Mai finden somit wie geplant statt. Der von Leonhardt am Mittwoch ins Spiel gebrachte Vorschlag, die 2. Bundesliga in der kommenden Saison auf 19 Mannschaften aufzustocken, ist damit vorerst vom Tisch.

"Wir wurden verschaukelt"

Der FC Erzgebirge Aue hatte seinen Einspruch damit begründet, dass Schiedsrichter Sören Storks ein Auer Tor in der 4. Minute nicht anerkannte und den Veilchen zudem zwei klare Elfmeter verwehrte. "Diese ganz klar und in aller Welt sichtbaren Fehler dürfen und können wir nicht im Raum stehen lassen und einfach so hinnehmen", sagte Präsident Helge Leonhardt am Montag. Das Fairplay sei vom Schiedsrichterteam "mit Füßen getreten" worden. "Das kann nicht sein", tobte Leonhardt, nachdem er bereits unmittelbar nach Spielende Betrugsvorwürfe andeutete: "Wir wurden verschaukelt. Ich weiß nicht, ob fahrlässig oder vorsätzlich. Vielleicht sollte man mal die Konten der Schiedsrichter überprüfen, ob die was kriegen."

Aufgrund dieser Aussage leitete der DFB-Kontrollausschuss am Montag Ermittlungen gegen Leonhardt ein, zudem kritisierte DFB-Schiedsrichterboss Lutz Michael Fröhlich den Aue-Präsidenten scharf: So sei der Vorwurf des Vorsatzes "entschieden zurückzuweisen". Zwar räumte Fröhlich ein, dass das Spiel aus Schiedsrichtersicht "nicht gut gelaufen" sei, aber "Fehler können passieren, das ist menschlich."

Aue wollte keine Torlinientechnik

Auch DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann hatte kein Verständnis für die geäußerten Betrugsvorwürfe: "Irgendwo hört der Spaß auf. Jemanden mit einer Strafanzeige zu überziehen, nur weil er im Sport einen Fehler gemacht hat – da ist mein Verständnis am Ende", sagte er der "Sport Bild" und meinte Aues Stadtrat Tobias Andrä, der am Montag bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt eine Strafanzeige gegen Storks gestellt hatte. "Grundsätzlich kann es nicht sein, dass rumposaunt wird: Wir wollen keine Technik, die macht das Spiel kaputt. Und wenn dann ein Mensch einen Fehler macht, so auf ihn eingeprügelt wird. Das hat mit Fair Play nichts zu tun", so Zimmermann.

Der Hintergrund: Vor vier Jahren hatte sich der FCE gegen die Einführung der Torlinientechnik in der 2. Bundesliga ausgesprochen. "Keine der geplanten Technologien kostet unter 100.000 Euro. Das wäre eine mörderische Zusatzbelastung für den Verein. Es gibt andere Möglichkeiten, dieses Geld sinnvoll anzulegen. Zum Beispiel in Spieler", sagte Aues damaliger Trainer Falko Götz gegenüber der "Bild".

 
  • Philipp Schramm

    Ich kann den Richter nicht ganz nach empfinden, wenn er weiterhin behauptet:
    "Wir können Ihnen nicht weiterhelfen."
    DOCH!!! Man hätte das zu Unrecht nicht gegebene Tor nachträglich anerkennen können.

    Wenn der DFB in solchen klaren Fehlern immer weiter behauptet, es wären Tatsachen-Entscheidungen und man könne daran nichts ändern, braucht sich der DFB nicht zu wundern, das sein negatives Image besteht und weiterhin bestehen bleiben wird.

    Auch der DFB sollte langsam mal Unterschiede machen, zwischen tatsächlichen Entscheidungen/Fehlentscheidungen, die man nachträglich an- bzw. aberkennen kann, und tatsächlichen Entscheidungen/Fehlentscheidungen, die man nicht ändern kann.

    Tore nachträglich an- bzw. aberkennen, wäre möglich, einen Elfmeter nachträglich an- bzw. abzuerkennen dagegen nicht.

    Beim DFB gelten anscheinend nur 2 Paragraphen:

    §1 Der Schiedrichter hat immer Recht.
    §2 Sollte der Schiedrichter ausnahmsweise mal kein Recht haben, tritt automatisch §1 in Kraft.

    Des weiteren sollte der DFB endlich mal anfangen, auch Schiedrichter zu bestrafen, so wie er es mit Spielern und Trainern macht, die sich regelwidrig verhalten.

    • DM von 1907

      Tore nachträglich ab- und anerkennen kann man nur, wenn im Spiel der Videobeweis zugelassen war oder zumindest Torlinientechnik installiert war. Beides war hier nicht der Fall, so dass die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters gilt. Punkt.

      Ansonsten hat der DFB klug gehandelt, indem er für das erste Relegationsspiel mit Sascha Stegemann (Niederkassel) einen erfahrenen Bundesligaschiedsrichter eingeplant hat.

      Die Auer Verantwortlichen wirken auf mich dagegen langsam loriotreif, wenn man eine mögliche Berufung beim Bundesgericht vom Ausgang der Relegation abhängig machen will – nach dem Motto: Gewinnen wir, sind wir drin, verlieren wir, klagen wir uns rein.

    • Sterneneisen

      Das würde eine Flut an Klagen, Verfahren usw. nach sich ziehen, deren Aufwand in keinem Vergleich zum Nutzen stehen, deswegen pro Tatsachenentscheidung. Ansonsten wird jeder spielentscheidende Pfiff in Zukunft im Nachhinein von einem Gericht noch juristisch aufgearbeitet.

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