DFB begnadigt Hansa: Doch mit Fans in Magdeburg und Jena

Das kommt überraschend: Nach einem Gnadengesuch des F.C. Hansa Rostock bei DFB-Präsident Reinhard Grindel müssen die Auswärtsspiele der Kogge in Magdeburg (9. September) und Jena (Mitte Oktober) nun doch nicht unter Ausschluss der Hansa-Fans stattfinden.

Gespräche sollen nicht belastet werden

Hintergrund der überraschenden Abkehr vom 9. August ausgesprochenen Urteil ist eine Ankündigung von Reinhard Grindel, künftig auf Kollektivstrafen verzichten zu wollen und stattdessen den Dialog mit den Fans zu suchen. "Mit der Entscheidung unterstreicht der DFB-Präsident noch einmal sehr deutlich, wie wichtig ihm der Dialog ist", betont DFB-Mediendirektor Ralf Köttker. Die anstehenden Gespräche mit Vertretern von Fan-Organisationen und Ultra-Gruppen sollen laut Köttker "nicht durch zurückliegende und noch nicht vollzogene Beschlüsse über Kollektivstrafen belastet werden."

Hansa-Vorstandsvorsitzender Robert Marien wertet das Entgegenkommen des DFB unterdessen als "starkes Zeichen". Es zeige, dass die Bereitschaft in den Dialog zu treten und gemeinsam die Probleme anzugehen "nicht nur ein Lippenbekenntnis war." Zeitgleich appellierte Marien aber auch nochmals an alle Fans des F.C. Hansa, "dieses Entgegenkommen auch zu würdigen und den DFB nun auch auf diesem Weg der Kooperation zu unterstützen." Nach §34 der DFB-Satzung ist es dem DFB-Präsidenten erlaubt, über Gnadengesuche nach Bestrafungen durch DFB-Instanzen zu entscheiden.

Spende an die Robert-Enke-Stiftung 

Der teilweise Straferlass für den F.C. Hansa Rostock wurde indes unter der Voraussetzung bewilligt, dass der Verein einen Betrag von 24.000 Euro an die Robert-Enke-Stiftung spendet. Die übrigen Teile der Gerichtsentscheidung vom 9. August – etwa eine Geldstrafe in Höhe von 12.000 Euro –  bleiben bestehen. Alle Informationen zum Ticketvorverkauf für das Auswärtsspiel in Magdeburg will der F.C. Hansa in der kommenden Woche bekanntgeben. Inhaber einer Auswärtsdauerkarte, die bereits eine Rückerstattung beantragt haben, sollen ebenfalls Anfang kommender Woche persönlich durch den F.C. Hansa Rostock angeschrieben werden.

Hintergrund der ursprünglich ausgesprochenen Strafe waren diverse Vorkommnisse bei Spielen des FCH in der vergangenen Rückrunde. Zunächst hatte der DFB in Reaktion darauf ein halbes Geisterspiel vor heimischer Kulisse ausgesprochen, dieses nach dem Einspruch des F.C. Hansa jedoch zurückgenommen und stattdessen ein Gästeverbot bei zwei Auswärtsspielen verhängt. Nach dem stattgegebenen Gnadengesuch der Kogge ist nun auch dieses Urteil hinfällig. Jetzt liegt die Verantwortung in den Händen der Fans.

   
  • DM von 1907

    Zeichen setzen – ja! Diese Zeichen des DFB gehen aber in eine ganz falsche Richtung!

    • Philipp Schramm

      Damit haben diese Idioten quasi endgültig "Narrenfreiheit". Haben ja jetzt quasi nichts mehr zu befürchten, außer das "Ihr Verein" nur noch Geldstrafen bekommen wird.

      • PeterPlys

        Das seht ihr falsch. Kollektivstrafen sind Willkür. Erst recht, wenn der DFB – wie bei Hansa – sich die Spiele aussucht, bei denen keine Gästefans anreisen dürfen. Früher haben sie wenigstens noch versucht, den Schein zu wahren und aufeinanderfolgende Spiele genommen.
        Fußball als Geisterspiel oder ohne Gästefans ist Scheiße und mit Kollektivstrafen werden auch die Fans bestraft, die "nur" ihre Mannschaft unterstützen wollen, obwohl meistens nur einige wenige aus dem Rahmen fallen. Und ja: VERNÜNFTIGE PYRO gehört auch ins Stadion, ohne Raketen und Böller !
        Und zu Kollektivstrafen: Wie würdet ihr es finden, wenn jemand im Kino randaliert und Kinoverbot bekommt ? Okay ? Und wenn ihr auch Kinoverbot bekommt, weil ihr mit im Kino gesessen habt ? Oder ihr wart noch nicht einmal im selben Film, seid einfach nur Filmfans und dürft ein paar Wochen nicht mehr rein…?
        Nein, der DFB muss andere Wege finden, wo keine FANS ausgeschlossen werden !

      • DM von 1907

        Keine Gästefans halte ich auch für keine Lösung – wird ja doch gerne "kreativ" umgangen. Geldstrafen, Geisterspiele, ggf. Punktabzüge (!) helfen dagegen weiter, weil damit derjenige Schmerz steigt, der erst Handlungsdruck erzeugt: Vielleicht werden dann endlich Vereinsvertreter wach und unterstützen die Polizei wirklich mit allen Kräften, um Täter dingfest zu machen, vielleicht wird dann endlich die Grauzone von einigen Halboffiziellen und vielen Chaoten hell ausgeleuchtet, und vielleicht verzichten friedliche Fans dann endlich auf stillschweigende Solidarität mit Pyromanikern.

        Das beste Mittel gegen Kollektivstrafen ist die konsquente Ermöglichung und Anwendung von Individualstrafen. Das funktioniert aber nur, wenn niemand wegschaut!

  • Sano

    Es gibt doch "Andere Vereine"….

  • Ben

    Lächerlich…

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