Derby-Doku: "Zeigen Szenen, die es noch nie zu sehen gab"

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© Flohre

Die Derbys zwischen Arminia Bielefeld, dem VfL Osnabrück und dem SC Preußen Münster elektrisierten in der vergangenen Saison eine ganze Region. Grund genug für Filmemacher Milan Skrobanek, eine Doku über diese besondere Konstellation zu drehen. Mittels Crowdfunding kamen über 27.000 Euro zusammen, im November soll der Film "Im Derby-Dreieck" in ausgewählte Kinos sowie Anfang Dezember auch auf DVD kommen. Vorab spricht Skrobanek im Interview mit liga3-online.de über den hohen Produktionsaufwand, die Besonderheit des Films und erklärt, warum die Vereine zunächst skeptisch waren. 

Übersicht der Premieren: Dienstag, 10. November 2015 – 18:30 Uhr – Filmpassage Osnabrück Mittwoch // 11. November 2015 – 19:30 Uhr – Cinemaxx Bielefeld // Donnerstag, 12. November 2015 – 19:00 Uhr – Cineplex Münster. Weitere Infos

liga3-online.de: Wie laufen die aktuellen Arbeiten am Film?

Milan Skrobanek: Der Schnitt ist seit etwa zwei Wochen fertig. Es fehlen jetzt nur die Animationen der Tabellenstände sowie Archiv-Bilder des WDR – dann ist der Film komplett fertig.

Wie viel Material wurde aufgenommen und wie groß war der Aufwand?

Etwa 150 Stunden dürften es am Ende durchaus gewesen sein. Bei einem Derby zwischen Osnabrück und Münster waren wir an einem Tag mal mit sieben Kameras vor Ort. Allein da haben wir schon 15 bis 15 Stunden Material aufgenommen. Insgesamt hatten wir knapp 50 Drehtage.

Wie lief so ein typischer Drehtag ab?

Das kann man gar nicht genau sagen, da die Tage – vor allem die sechs Derbys – jeweils sehr unterschiedlich verliefen. Manchmal war ich alleine mit einer Kamera unterwegs, meistens waren wir aber zu zweit.

Vor allem aus dem Stadion des VfL Osnabrück werden viele Szenen zu sehen sein. Wie hat das mit dem Dreh dort funktioniert?

Wichtig war zunächst, dass wir erstmal einen Raum bekamen, in dem wir unsere Ausrüstung lagern konnte – das war in diesem Fall dann der Doping-Raum. Danach wurden die Rollen besprochen: So war ein Kameramann zum Beispiel damit beschäftigt, Trainer Maik Walpurigs zu filmen, andere Kollegen haben die Fans gefilmt.

Wie schwer war es, die Vereine von Ihrem Konzept zu überzeugen? Schließlich werden ja Szenen gezeigt, die sonst nie öffentlich ausgestrahlt werden würden.

Das war sehr kompliziert. Ich habe mit vielen Vereinen telefoniert, bei den meisten bin ich erst gar nicht über die Presse-Abteilung hinausgekommen. Zunächst hat kein Verein die Zustimmung für den Dreh gegeben, da die Skepsis gegenüber den Medien wohl einfach zu groß war. Schließlich sind im Film ja interne Diskussionen in der Kabine zu sehen, die natürlich nicht am nächsten Tag in der Zeitung stehen sollen.

Was hat die drei Vereine dann schließlich davon überzeugt, dem Dreh zuzustimmen?

Das können die Vereine sicherlich besser beantworten. Aber bei Bielefeld war es zum Beispiel so, dass wir dort nur die Geschäftsstelle filmen durften – für den sportlichen Bereich gab es keine Zusage.

Insgesamt hoffe ich, dass mein Auftreten sowie mein Exposé, das ich an alle Vereine geschickt habe, für einen seriösen Eindruck gesorgt haben.

Beim VfL kamt ihr, was den sportlichen Bereich angeht, am nächsten an die Mannschaft.

Genau. Nach vielen Probedrehs haben die uns dann machen lassen. Das verdient großen Respekt – vor allem Maik Walpurgis und Nico Feldhahn gegenüber. Denn ohne diese Zusage wäre das ganze Projekt nicht zustande gekommen. Es war von Anfang an die Idee, den Fußball an sich in den Vordergrund zu stellen. Und wenn wir dies dann nicht aus einer subjektiven Sicht hätten zeigen können, hätte es keinen Sinn gemacht.

War es von Beginn an die Idee, ausgerechnet diese drei Vereine zu zeigen?

Nein, eigentlich wollten wir die Bundesliga zeigen, allerdings hat sich dort kein Verein bereit erklärt. Die Skepsis gegenüber den Medien ist dort noch viel größer. Ich habe zwar immer wieder betont, dass ich nicht von der Presse bin, aber es war kein Rankommen.

Wie lief die Zusammenarbeit mit dem DFB?

Der DFB war von Beginn an begeistert – da war ich selbst etwas überrascht. Die haben dann wohl die Möglichkeit gesehen, die 3. Liga zu pushen. Letztlich hat der DFB dann Nutzen und Risiko abgewogen und uns unterstützt. Ich kann von einer sehr harmonischen Zusammenarbeit berichten.

Was war der Anreiz, einen solchen Film auf die Beine zu stellen?

Schon in der Uni habe ich mich mit Filmen beschäftigt, mein erster Doku-Film hat den Tischtennis-Sport in den Vordergrund gestellt. Damit war mein Interesse geweckt, weitere Filme zu erstellen. Auch durch persönliches Interesse bin ich dann beim Fußball gelandet.

Auf was dürfen sich die Fans freuen?

Die Fans werden aus meiner Sicht besonders drei Szenen erleben, die es so in dieser Form noch nie zu sehen gab. Es wurde alles deutlich anders visualisiert, als dies in der normalen TV-Berichterstattung der Fall ist. Dies ist zum einen auf die Bilder und zum anderen auf das Sound-Design zurückzuführen. So sind zum Beispiel Gespräche zwischen Spielern und Trainern während der Spiele zu hören. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, den Sport auf eine originelle und neue Art vorzustellen.

Haben Sie schon weitere Projekte im Auge?

Wir arbeiten derzeit parallel an einem Basketball-Film über die Hamburger Towers. Das wird dann aber die letzte Doku sein. Danach würde ich gerne mal einen Spielfilm drehen.

   
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  • Tom-MS

    Derbys könnten großartige Fußballfeste zwischen Nachbarn sein. Leider dienen sie einigen "Fußballfans" als Blitzableiter für Probleme, die die Clubs gar nicht zu verantworten haben. Traurig !

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