Kommentar: Der VfL stolpert über seine eigenen Beine

Kaum hat das neue Jahr begonnen, herrscht beim finanziell angeschlagenen VfL Osnabrück wieder gewaltige Unruhe. Neben dem Konflikt zwischen Geschäftsführer Jürgen Wehlend und Präsident Christian Kröger öffnete sich nun ein neues Fass – mit enormer Sprengkraft. In einem Brief wandten sich Kröger und Vizepräsident Clemens Seelmeyer an den ebenfalls das Amt des Vizepräsidenten bekleidenden Christoph Ehrenberg, mit der deutlichen Aussage, dass beide zurücktreten würden, sollte Ehrenberg selber nicht sein Amt bis Freitagmittag niederlegt haben. Laut der "Neuen Osnabrücker Zeitung“ macht der Präsident "Differenzen hinsichtlich der Zielsetzung und Strategien“ für das Ultimatum verantwortlich. Ehrenberg kündigte jedoch an, weiterhin seine Aufgabe wahrzunehmen und hat einen Rücktritt ausgeschlossen. Präsident und Co. traten daraufhin wie erwartet zurück. Der VfL befindet sich – wie so oft in den letzten Jahren – in einem brisanten Zustand.

Ist der VfL noch ernst zu nehmen? 

Die angeblichen Meinungsverschiedenheiten wies Ehrenberg ab, frische Vorwürfe warf er dagegen ein. Ist dieser Verein eigentlich seiner Außendarstellung bewusst? Daran zweifeln jedenfalls immer mehr Anhänger des Traditionsklubs. Briefe scheinen wohl die gängige Methode im Hause der Lila-Weißen zu sein, nachdem bereits einige Sponsoren in einem Papier den Rücktritt des im Januar letzten Jahres eingestellten Geschäftsführers forderten. Wäre es nicht sinnvoller, sich persönlich und gemeinsam an einen Tisch zu setzen? Sich den Problemen zu stellen und ein selbstbewusstes Auftreten an den Tag zu legen? Aktive Fans der Osnabrücker freuen sich über die Entscheidung Krögers, zudem begrüßen sie die Standhaftigkeit Ehrenbergs, sich nicht die Pistole auf die Brust setzen zu lassen. Der bisher positive Draht zum Präsidium ist auch auf die Fanarbeit Ehrenbergs zurückzuführen. Potenzielle Investoren werden es aufgrund des Ausscheidens Krögers und Seelmeyers in Zukunft schwerer haben, den Verein indirekt zu beeinflussen. Die Strategie, die der nun ehemalige Kopf des Vereins zum Umgang mit seinen Nebenleuten wählte, war nicht zielführend und goss nur Öl ins lodernde Feuer. Man kann den Anschein gewinnen, dass die Situation des VfL nur noch prekärer wird als sie ohnehin schon war. Fans schämen sich geradezu für die Darstellung nach außen, Sponsoren werden sicherlich ebenfalls hinterfragen, ob sie sich aufgrund der Vorkommnisse voll mit dem Verein identifizieren und Spieler nehmen ständige Personalwechsel in der Führungsriege wohl auch mit einigen Bedenken wahr. Die Lage bedarf nur eines Satzes: Der VfL stolpert ohne erkennbare Verbesserungen unaufhörlich über seine eigene Beine.

FOTO: Flohre Fotografie

 

   
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