Der VfL Osnabrück kämpft um den letzten Strohhalm

Eigentlich hätte der Saisonabschluss gegen Fortuna Köln aus Sicht des VfL Osnabrück ganz anders verlaufen können, oder sogar müssen – zumindest, was die Rahmenbedingungen angeht. Statt einer Aufstiegs- oder Relegationsfeier, oder wenigstens einem Entscheidungsspiel um diese Plätze, müssen die Lila-Weißen nun selbst um das Minimalziel DFB-Pokal zittern.

Heimsieg ist Pflicht

Klar ist immerhin: Es braucht aller Voraussicht nach einen Heimsieg über Fortuna Köln, damit man am 1. FC Magdeburg vorbeiziehen kann – zeitgleich muss dieser aber in seinem Heimspiel gegen die Würzburger Kickers weniger Punkte holen als der VfL Osnabrück. Zu deutlich spricht das schlechtere Torverhältnis gegen den ansonsten punktgleichen Klub aus Niedersachsen. Die Hoffnung richtet sich ausgerechnet an Würzburg, die aber kurz den Relegationsspielen im Kopf einerseits mit völlig anderen Dingen beschäftigt sein dürften und andererseits vielleicht auch personell rotieren werden. Die Hoffnung an den Sportlergedanken beim FWK ist im Süden Niedersachsens durchaus existent – nur wer könnte den Rothosen vorwerfen, ihre Kräfte zu schonen? Das hätte wohl kaum ein anderer Verein, ob Osnabrück, Magdeburg oder Aue, anders gehandhabt.

Seit März in Seenot

Schlussendlich wäre es auch das falsche Signal, mit dem Finger auf andere Mannschaften zu zeigen. Vieles hat sich die Elf von Joe Enochs in den letzten Wochen schlichtweg selbst verspielt, darüber lässt sich nicht hinwegtäuschen. Phasenweise nahm das lila-weiße Segelboot mit viel Rückenwind Kurs auf die 2. Bundesliga, in etwa seit Anfang März aber befindet man sich an der Bremer Brücke in kontinuierlicher Seenot: Zehn eingefahrene Punkte aus zehn Spielen gleichen der Bilanz eines Abstiegskandidaten, nicht der eines Spitzenteams. Im entscheidenden Moment fehlte einerseits das Glück und andererseits vielleicht auch die letzte Qualität, um ganz oben angreifen zu können. In negativer Hinsicht gekrönt wurden diese ernüchternden Wochen durch die Verletzung des möglicherweise besten Osnabrücker Feldspielers in dieser Saison: Marcos Alvarez riss sich Kreuzband und Außenmeniskus – er fehlt wohl bis zum Jahresende, mindestens aber sechs Monate. Noch ist absolut offen, für welchen Verein er dann vor dem Ball treten wird. Gesunken sind die Chancen auf einen Verbleib beim VfL durch den langfristigen Ausfall sicherlich nicht.

Hohnstedt: "Wir haben nichts mehr zu verlieren"

"Wir haben in den letzten Wochen viel Scheiße gespielt und uns unsere gute Situation verbaut“, zeigte sich Michael Hohnstedt gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" offen und ehrlich. Dennoch wolle man irgendwie noch den vierten Platz erreichen, "wir haben schließlich unter dem Strich eine gute Saison gespielt.“ Anthony Syhre erkannte zudem, dass die Kräfte sich allmählich dem Ende zuneigen – dennoch „haben wir nichts mehr zu verlieren. Wir müssen unseren Fans noch einmal etwas zeigen, es ist das letzte Heimspiel. Es darf keinen anderen Gewinner geben als uns“, so Hohnstedt. Er hatte Mitte der Woche ebenso wie Abwehrkollege Kim Falkenberg ein Zeichen gesetzt und sein auslaufendes Arbeitspapier um zwei Jahre (Hohnstedt ein Jahr) verlängert. Beide werden im abschließenden Saisonspiel einerseits auf den eigenen Sieg und andererseits auf die Würzburger Kickers hoffen – nur, wenn alle Faktoren zusammenspielen, kann sich der VfL Osnabrück doch noch über die wertvollen Zusatzeinnahmen aus dem Pokal freuen.

 

   
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