Der große Check: Das war die Hinrunde 2020/21

Zum Weihnachtsfest dürfen die Drittliga-Profis für einige Tage die Beine hochlegen. Verdient haben sie sich das, denn das Pensum war in jedweder Hinsicht belastend – fast alle haben mindestens eine kurzfristige Spielabsage hinter sich, dazu bis zu 20 Pflichtspiele in weniger als dreieinhalb Monaten in den Knochen. Wie lief die (noch nicht ganz beendete) Hinrunde in diesem Jahr? Wir blicken in verschiedenen Rubriken auf die bisherige Saison in der 3. Liga zurück.

Tore und Zuschauer

Bislang haben die ungewöhnlichen Rahmenbedingungen der sportlichen Attraktivität nicht geschadet: Mit 447 Toren und einem Schnitt von 2,79 Treffern pro Partie sortiert sich diese Saison momentan auf Platz 2 der torreichsten Drittliga-Spielzeiten ein, nur getoppt vom Vorjahr, wo satte 2,99 Mal pro Spiel genetzt wurde. Die meisten Tore fielen beim 4:4 zwischen Mannheim und Türkgücü München, dem entgegen stehen bislang zehn 0:0-Remis.

Kurios und traurig zugleich ist der Blick auf die Zuschauertabelle, den wir aber pflichtbewusst dennoch in diese Rückschau einfließen lassen. Dort führt derzeit Hansa Rostock mit einem Schnitt von 7.400 Fans – berücksichtigt sind nur Spiele, bei denen Fans zugelassen waren – die Tabelle an, erfolgen Magdeburg (3.660), Duisburg (3.462) und Kaiserslautern (3.264). Noch gar keine Fans durften seit Beginn der harten Corona-Maßnahmen im März bei den drei Münchner Vereinen dabei sein: 1860, Bayern II und Türkgücü müssen seit bald zehn Monaten Geisterspiele austragen. Hoffentlich wird diese Statistik im Laufe des neuen Jahres wieder etwas farbenfroher…

Die Gewinner

Kann ein Topfavorit, der als Absteiger mit vielen Vorschusslorbeeren aufgrund vermeintlich starker Neuverpflichtungen in die Liga kommt, in dieser Rolle nur verlieren? Nein! Dynamo Dresden hat uns gerade in den letzten Wochen dieses Jahres das absolute Gegenteil bewiesen. Dabei verlief doch zumindest der Start holprig: Ein phänomenales 4:1 über den HSV im Pokal, dann das 1:0 im Auftaktspiel bei Kaiserslautern – doch schnell folgten Rückschläge, ein 0:3 beim FC Bayern II, das 1:2 daheim gegen Zwickau. Erst als Dynamo mit einem Kraftakt 1860 München niederrang, ging es rasch bergauf, es folgten noch sieben Siege aus acht Partien, mit diesem Tempo konnte kein anderer mithalten. Ein komfortabler Vorsprung von aktuell acht Punkten auf Platz 3 ist der Lohn zum Jahreswechsel.

Auch dahinter finden sich Gewinner, so etwa drei der vier Aufsteiger: Saarbrücken ist trotz einer Sieglosphase zum Ende des Jahres noch immer unmittelbarer Verfolger der Spitze, auch der SC Verl – der zuletzt zwei Niederlagen kassiert hat – ist nicht weit entfernt vom dritten Rang. Türkgücü München feierte mit den Auswärtssiegen in Verl und Meppen zuletzt einen starken Jahresabschluss und hat sich ebenfalls in Lauerstellung auf die Top-Plätze begeben. Stark ist auch der dritte Rang vom TSV 1860 München, den mancher, aber längst nicht jeder als Geheimfavoriten auf der Rechnung hatte. Auch der FC Ingolstadt darf sich angesichts des zweiten Rangs zu den Gewinnern zählen.

Die Verlierer

Kaiserslautern, Duisburg, Magdeburg: Diese drei Traditionsvereine wechselten sich in den vergangenen Monaten munter ab mit den Negativschlagzeilen. Und so wundert es auch nicht, dass zwei der drei – präziser formuliert, die beiden Letztgenannten – derzeit das Ende der fußballerischen Nahrungskette in der 3. Liga bilden. Der FCK hat das Schicksal allerdings auch nur durch den Auswärtssieg in Uerdingen vor wenigen Tagen umschiffen können. Bei allen drei Genannten ist schwer vorstellbar, sie bald in der Regionalliga vorzufinden, alle können problemlos zu Spitzenspielen mehr als 20.000 Zuschauer mobilisieren, haben großen Symbolfaktor für eine ganze Region. Und: Alle würden wirtschaftlich hart von einem Abstieg getroffen werden. Doch dass es mindestens einen erwischen könnte, erscheint nicht unwahrscheinlich.

Im Schatten der taumelnden Riesen kam auch Meister FC Bayern II, derzeit Fünfzehnter, nicht so recht in Tritt – im Vorjahr aber stand der FCB phasenweise ähnlich schwach dar und drehte spät auf. Auch der Vorletzte Zwickau und das in den vergangenen Wochen formschwache, vor einigen Monaten als Mitfavorit gehandelte Viktoria Köln können nicht zufrieden sein. Auch der KFC Uerdingen wird sich mehr hofft haben als Rang zehn.

Die besten Spieler

Einer der Spieler der Hinrunde ist wohl einer der Erfahrensten im Drittliga-Zirkus: Sascha Mölders. Mit 35 Jahren straft er regelmäßig alle Kritiker Lügen, die seine körperliche Tauglichkeit für den Profisport in den vergangenen Jahren anzweifelten. Mölders' unnachahmlicher Torriecher bescherte ihm bereits zwölf Treffer, mehr hat keiner. Dazu zwei Vorlagen. Nicht weit entfernt ist ein weiterer Oldie, der uns begeistert hat: Zlatko Janjic von Aufsteiger Verl kommt auf bereits neun Tore – mittlerweile ist er zweiterfolgreichster Torschütze der Drittliga-Geschichte.

In der Topscorerliste finden sich unterdessen neben Niclas Shipnoski vom 1. FC Saarbrücken in Sercan Sararer und Petar Sliskovic das am besten harmonierende Duo der Liga in Diensten von Türkgücü München. Und wer hat sich im Hintergrund in den Fokus gespielt? Dennis Kempe (SV Wehen Wiesbaden), Max Christiansen (Mannheim), Marin Sverko und Steven Zellner (Saarbrücken) oder Bentley Baxter Bahn (Rostock) haben starke Hinserien hinter sich, auch die sieben Vorlagen von Markus Schwabl (Unterhaching) können sich sehen lassen. Im Tor rettete Leo Weinkauf vom MSV Duisburg in vielen Spielen vor noch mehr Gegentoren. Von Markus Kolke (Rostock) und Johannes Brinkies (Zwickau) sind wir das hohe Drittliga-Niveau ja bereits seit Jahren gewohnt.

Die Pechvögel

Nicht alle Spieler überstanden die anspruchsvolle Hinrunde verletzungsfrei – einige erwischte es besonders schlimm. Jüngst riss sich etwa Hansas bis dato überzeugender Offensivspieler Maurice Litka das Kreuzband. Seine Saison ist schon jetzt vorbei. Auch für das große Sturmtalent des FC Bayern II, den 18-jährigen Malik Tillman, kam im Oktober die gleiche bittere Diagnose, er fehlt wohl mindestens bis Ende April. Noch offen ist das Datum der Rückkehr von Luca Plogmann, der als Bremer Leihgabe beim SV Meppen einen starken Saisoneinstand hatte, sich dann aber die Patellasehne riss. Auch erfahrene Profis mit langer Verletzungshistorie haben Rückschläge erlitten, etwa Timo Perthel (Magdeburg) und Jan Kirchhoff (Uerdingen), die die bisherige Saison ebenfalls abhaken konnten. Wir wünschen allen derzeit Verletzten eine rasche Genesung!

Die besten Spiele

Das eine Spiel, das sofort in den Vordergrund sticht, hat es in dieser Hinserie bislang nicht gegeben. Was mitnichten heißen soll, dass uns die 3. Liga kein Spektakel geliefert hat. Gerne erinnern wir uns an das wilde 4:4 von Waldhof Mannheim und Türkgücü München zurück, oder den fulminanten Viererpack von Dennis Dressel beim 6:1-Kantersieg des TSV 1860 über Halle. Und auch sonst hat uns die Saison schon einiges geboten, darunter starke Aufholjagden (das 4:2 des SV Wehen Wiesbaden nach 0:2-Rückstand gegen Lübeck), große Überraschungen (das 0:4 des MSV Duisburg gegen den SC Verl) und schlicht überragende Teamleistungen (das 5:1 von Hansa Rostock über Viktoria Köln). Natürlich gibt es die besten Spiele des Jahres demnächst auch noch in der großen liga3-online-Rangliste für 2020. Dort lassen wir die Highlights ausführlich Revue passieren – und küren das Spiel des Jahres.

 
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