FWK scheitert gegen Hoffenheim im Elfmeterschießen

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Der Pokalwahnsinn hat einen Namen: Im letzten dreier DFB-Pokal-Aufeinandertreffen zwischen einem Dritt- und einem Erstligisten am Samstag empfingen die Würzburger Kickers die TSG 1899 Hoffenheim. Dabei drehten die Kickers einen zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Rückstand und zerrten die TSG bis in die Verlängerung, nur um dort abermals einen Rückstand zu egalisieren. Am Ende musste das Elfmeterschießen über Sieg oder Niederlage entscheiden – mit dem glücklicheren Ende für die TSG Hoffenheim.

Verstappen in Gala-Form – Kaderabek bringt Hoffenheim auf Kurs

Nach der jüngsten 0:3-Niederlage in der Liga gegen Ingolstadt tauschte FWK-Coach Michael Schiele dreimal durch, für Breitkreuz, Schweers und Widemann starteten Baumann, Kwadwo und Pfeiffer. Viel tat sich in der ersten Minuten der Partie erst einmal nicht, was auch am beherzten Auftreten und konsequenten Zweikampfverhalten der Gastgeber lag. Es dauerte bis zur neunten Minute, ehe Würzburgs Fabio Kaufmann den ersten Torabschluss der Partie verzeichnen durfte, doch sein Schuss aus 16 Metern geriet zu zentral (9.). Nahezu im Gegenzug tat sich die erste Riesenmöglichkeit für die Kraichgauer auf. Rudy zimmerte einen Flatterball aufs Gehäuse von Verstappen, der das Gerät nur Abklatschen lassen konnte. Den anschließenden Abstauber-Kopfball von Hübner parierte Verstappen erneut stark (10.). Hoffenheim fand fortan besser ins Spiel, einen schnell ausgeführten Eckstoß klärte der FWK-Abwehrverbund nur mit Mühe und Not (13.).

Und auch in der Folge gab der Bundesligist den Ton an, ohne sich jedoch vorerst klarere Tormöglichkeiten zu erspielen. Erst ab der 26. Spielminute wurde es mal wieder gefährlich. Zuerst zog Hoffenheims Posch einen Schuss knapp über den Querbalken (26.), dann landete ein Bebou-Abschluss gerade noch abgefälscht im Toraus (28.). Doch der hieraus resultierende Standard sollte den Rückstand für die Kickers einläuten: Hübners Kopfball nach der Ecke konnte Verstappen noch sehenswert aus dem Winkel kratzen, beim Abstauber durch Kaderabek war jedoch auch der 25-jährige Schlussmann machtlos, 0:1 (29.). Würzburg reagierte giftig auf den Rückstand und bemühte sich um einen postwendenden Ausgleich. Eine scharfe Hereingabe von Hemmerich landete beim plötzlich frei vorm Hoffenheimer Kasten lauernden Baumann, dem das Leder jedoch unglücklich versprang (35.). Für die zwingenderen Aktionen aber sorgten weiterhin die Blauen aus Sinsheim, bei denen Zuber aus gut 23 Metern am abermals stark parierenden Verstappen im Tor der Würzburger scheiterte (41.). Auch Grifos Abschluss kurz vor dem Pausenpfiff fand nur um Haaresbreite nicht den Weg ins Ziel (43.) und so ging es dementsprechend mit der knappen Führung für den Bundesligisten in die Katakomben.

Bebou erhöht – Kaufmann und Vrenezi leiten Comeback ein

Würzburg-Coach Michael Schiele verzichtete zur Pause auf Wechsel, Hoffenheim-Pendant Schreuder brachte Szalai für Grifo in die Partie. Und die zweite Hälfte startete wie eine Kopie des erste Durchgangs. Kaufmann verbuchte die erste Chance, rutschte bei seinem Abschluss zentral vor dem Tor jedoch weg und entfachte so nicht mehr genügend Druck auf das Spielgerät, um eine ernsthafte Gefahr für Hoffenheim-Keeper Baumann darzustellen (51.). Nahezu im Gegenstoß setzte es den nächsten Nackenschlag für die Hausherren: Rudy setzte Rechtsaußen Bebou in Szene, der Gegenspieler Kwadwo abschüttelte und über Verstappen hinweg zur 2:0-Führung für die Kraichgauer einnetzte (53.). Es sprach zu diesem Zeitpunkt nahezu alles für einen lockeren Auswärtserfolg der TSG. Schiele reagierte und brachte Vrenezi für Baumann. Nahezu aus dem Nichts hatte Kaufmann plötzlich die Riesengelegenheit auf den Anschlusstreffer auf dem Schlappen, schaffte es aber nicht, den Ball nach einem schön Querpass aus fünf Metern über die Linie zu drücken (65.). Doch nur drei Zeigerumdrehungen später sollte der 26-Jährige seinen Fehler wiedergutmachen und schob nach einer schönen und scharfen Hereingabe über die linke Seite zum 1:2-Anschluss für die Kickers ein (68.).

Es blieb also noch genug Zeit für die Heimelf, den zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Rückstand zu egalisieren. Und der Ausgleich sollte auch nicht lange auf sich warten lassen. Hemmerich steckte durch auf Kaufmann, der vom kurz zuvor eingewechselten Hoffenheim Brenet ungestüm gefällt wurde, Elfmeter für Würzburg. Vrenezi nahm die Verantwortung auf sich – und schickte Baumann cool in die falsche Ecke, 2:2 (75.). Der Dallenberg tobte und peitschte die Heimelf unermüdlich nach vorne. Die zuvor sicher stehende Hoffenheimer Defensive begann zu wackeln – und kassierte um ein Haar sogar noch das 2:3, doch Widemann vergab schlampig den fast schon sicher geglaubten Führungstreffer für die Unterfranken (79.). Die TSG verlor sichtlich die Linie und zeigte sich geschockt von den Comeback-Qualitäten der Hausherren. Und beinahe hätte es mit der Sensation nach regulären 90 Minuten geklappt, doch Kaufmanns Abschluss quasi mit dem Schlusspfiff segelte knapp über das TSG-Gehäuse. Und so ging es – trotz eines zwischenzeitlichen 0:2-Rückstandes – für die Würzburger Kickers gegen den Bundesligisten in die 30-minütige Verlängerung.

Szalai trifft – "Alu"-Pfeiffer gleicht erneut aus

Das Momentum nach 90 Minuten sprach klar für die Schiele-Truppe, die sich mit viel Leidenschaft und Herz die halbstündige Zusatzzeit mit dem Bundesligisten mehr als verdient hatte. Doch in genau jenes Herz traf die TSG Hoffenheim den Drittligisten in der 99. Spielminute. Bebou und Szalai kombinierten sich per sehenswertem Doppelpass durch den Sechzehner des FWK, am Ende bugsierte der eingewechselte Ungar das Leder zum 3:2 aus Hoffenheimer Sicht über die Linie. Der vermeintliche Genickbruch für die Gastgeber, die sich aber tapfer gegen die drohende Niederlage stemmten, allen voran in Person der Aktivposten Hemmerich, Vrenezi und Kaufmann. Und die große Gelegenheit auf den abermaligen Ausgleich, sie sollte den Würzburger Kickers noch bevorstehen.

Zuerst scheiterte Widemann nach toller Vorarbeit durch Sontheimer mit seinem Abschluss an Oliver Baumann (107.). Danach sollte der Aluminimum-Wahnsinn des Luca Pfeiffer folgen: Zunächst knallte der Neuzugang aus Paderborn nach sehenswerter Ballmitnahme das Leder wuchtig an den Querbalken. Der Abpraller landete erneut auf dem Schlappen des 22-Jährigen, der den Ball jedoch abermals auf die Latte setzte – eine unfassbare Szene (109.). Spätestens jetzt agierten beide Teams mit offenem Visier, Würzburg drängte auf den – nicht unverdienten – Ausgleich. Auf der Anzeigetafel prankte bereits die 114. Spielminute, da sollte der Wahnsinn vom Dallenberg in ihre nächste Runde gehen. Vrenezi drehte eine Ecke genau auf den Kopf von Unglücksrabe Pfeiffer, der dieses Mal vom Alu-Pech verschont bliebt und zum 3:3 einnetzte – der absolute Wahnsinn (114.)! Danach tat sich vor den Sechzehnern beider Teams nicht mehr viel und so bat Schiedsrichter Guido Winkmann nach 120 Minuten denkwürdigem Pokalfight die Mannschaften zum Elfmeterschießen.

Kaufmann und Hansen versagen die Nerven

Szalai für Hoffenheim und Hägele für Würzburg verwandelten die jeweils ersten Penalties souverän. Und auch Bebou und Schuppan  blieben bei ihren Elfmetern cool, ebenso wie TSG-Neuzugang Skov – doch ausgerechnet Kaufmann versagten die Nerven vor Baumann. Rudy legte vor, Vrenezi legte nach und so lag der Matchball bei Hoffenheims Rupp – doch Verstappen parierte und so konnte im darauf folgenden Elfmeter Widemann wieder für den Ausgleich sorgen. Es kam also zum direkten Duell Posch (Hoffenheim) gegen Hansen (Würzburg). Doch während Posch seinen Elfmeter souverän verwandelte, verstummte der Dallenberg nach dem verschossenen, alles entscheidenden Elfmeter durch Hansen. Nichts desto trotz aber: Hut ab vor der Leistung der Würzburger Kickers in einem denkwürdigen Pokalfight gegen vermeintlich klassenhöhere Hoffenheimer – denn wahrlich ein Klassenunterschied war am nicht zu erkennen.

   

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