Das Zeugnis für alle Drittliga-Klubs #2

Mit dem Abschluss einer Saison, die turbulent war wie kaum eine andere, kommt unser großes Drittliga-Zeugnis für alle 20 Vereine. Wer hat seine Erwartungen übertroffen, wer muss nachsitzen und wer präsentierte sich genau so, wie es nach Rahmenbedingungen zu erwarten war? Heute geht es weiter mit der unteren Tabellenhälfte.

Nicht ganz so kolossal wie im letzten Jahr stürzten die Hachinger in der Rückserie ab, und doch ist bemerkenswert, wie südlich von München der Tank immer leerer wurde und man auf Platz 16 der Rückrundentabelle über die Ziellinie hechelte – zehn sieglose Spiele inklusive. Haching will als mehr wahrgenommen werden denn als irgendein Drittligist, das machte nicht zuletzt der Börsengang vor einigen Monaten deutlich. Sie wollen zurück in die 2. Bundesliga und haben dafür mittlerweile einen durchaus betuchten Kader zur Verfügung. Die Wohlfühloase Unterhaching wird es bald nicht mehr geben, kündigte der mächtige Präsident Manfred Schwabl bereits an. Auch Trainer Claus Schromm ist nach dem zweiten verpatzten Endspurt in Folge angezählt.

Note: 3-

 

Bis auf eine schwere Krise im Herbst und frühen Winter hat Viktoria Köln nicht nur eine aufregende und mitreißende, sondern auch überaus erfolgreiche Premieren-Spielzeit in der 3. Liga hinter sich. Der alte Trainerfuchs Pavel Dotchev hat den mutigen und attraktiven Fußball, den er bei jeder seiner Stationen etablieren will, auch in Köln durchsetzen können und in Mike Wunderlich und Albert Bunjaku zwei "Fußball-Senioren" gefunden, die kurz vor dem Karriereende mit Lust und Spielfreude vornewegmarschierten. Das Ergebnis sind stolze 65 Tore und der Beweis, dass man selbst mit 71 Gegentoren – das ist eindeutig verbesserungswürdig – souverän die Klasse halten kann. In der Rückrundentabelle belegt Viktoria sogar den sechsten Platz. Stark!

Note: 2

 

Ganz so geballt treffen den KFC Uerdingen Hohn und Spott der Konkurrenz mittlerweile nicht mehr. Vermeintlich lief diese Saison schließlich etwas ruhiger als das turbulente Vorjahr – aber nur vermeintlich. Denn die nackten Zahlen sind genauso enttäuschend: Wie im ersten Drittliga-Jahr holten die Krefelder nur 48 Punkte, fielen sogar noch um zwei Plätze zurück und holten sich dank einiger deftiger Niederlagen wieder das drittschlechteste Torverhältnis der gesamten Spielklasse ab.

Vom Traum der 2. Bundesliga bleibt man in Uerdingen weit entfernt, ein personeller Strategiewechsel naheliegend. Denn so stark die Verpflichtungen klangen, so sehr mangelte es nach wie vor am Zusammenspiel, was sich zuletzt insbesondere in ernüchternden Offensiv-Vorstellungen widerspiegelte.

Note: 4-

 

Um eine derart schwierige Saison im Geschichtsbuch zu finden, musste der FCM wohl mindestens bis zum Anfang des Jahrzehnts zurückblicken. Der Aufstieg in die zweite Liga erwies sich als kleiner Fluch, zerstörte man sich doch in Magdeburg in der Folge vieles, was mühsam aufgebaut worden war. In dieser Spielzeit, in der sich in Stefan Krämer, Claus-Dieter Wollitz und nun Thomas Hoßmang gleich drei Trainer versuchten, entwickelte sich Magdeburg eher weiter zurück – obgleich in der Winterpause wieder anspruchsvollere Ziele formuliert wurden. Letztlich war der Absturz in die Regionalliga die größte Sorge, sie wurde erst am 37. Spieltag abgewendet. Es gibt einiges aufzuarbeiten in der Sommerpause.

Note: 4-

 

Hinter dem Halleschen FC liegt eine Saison der Extreme: Am 13. Spieltag noch Tabellenführer, nach dem 28. Spieltag dann plötzlich unter dem Strich. 14 Pflichtspiele in Folge blieb der HFC zwischenzeitlich sieglos, sodass erst Torsten Ziegner und dann auch dessen Nachfolger Ismail Atalan nach nur fünf Partien wieder gehen musste. Erst Florian Schnorrenberg zündete als letzte Patrone, drei Siege im Jahr 2020 genügten für den Klassenerhalt. Wie extrem diese Saison war, zeigt auch folgende Statistik: Mit 64 Toren hat der HFC einen neuen persönlichen Drittliga-Rekord aufgestellt, gleiches gilt aber auch für die Anzahl der Gegentore (66). Am Ende bedeutet Rang 15 die schwächste Platzierung seit dem Aufstieg. Eine Entwicklung, die nach dem starken Saisonstart mit nur zwei Pleiten aus den ersten 13 Partien nicht abzusehen war.

Note: 4

 

Ziel erreicht – irgendwie. Der FSV Zwickau bleibt ein fünftes Jahr drittklassig, wie in jeder Saison ist das eine kleine Überraschung, denn meistens starten die Westsachsen mit einem der geringsten Etats und werden als Außenseiter gehandelt. Diese Saison aber wurde es erstmals richtig, richtig eng und bedurfte eines starken Nervenkostüms, als am vorletzten Spieltag der entscheidende 2:1-Sieg über den direkten Kontrahenten und sächsischen Rivalen aus Chemnitz gelang. Zwickau muss daraus lernen und gerade auswärts wieder schwerer ausrechenbar werden, hier punktete man zuletzt nur noch wie ein Absteiger. Schon angekündigt ist eine Vergrößerung des Kaders, allerdings fehlt bald Toptorschütze Elias Huth. 

Note: 3

 

Der Aufsteiger geht direkt wieder in die Regionalliga. Ist das verdient? Schwer zu beurteilen. Der Saisonstart war katastrophal, sportlich wie in der Außendarstellung. Ein Wunder, dass Patrick Glöckner, der am zehnten Spieltag das Amt von David Bergner übernahm, den Laden in den Griff bekam. Chemnitz wurde immer unangenehmer zu bespielen und hatte in Philipp Hosiner phasenweise einen Stürmer von Zweitliga-Format, war nach dem 28. Spieltag und einem Sieg gegen Jena gar Zwölfter. Der Klassenerhalt war nah und wurde in den letzten zehn Runden doch noch verspielt. Nur zwei Tore fehlten dem CFC letztlich, sportlich ist das nichts anderes als eine bittere Entwicklung.

Note: 4-

 

Ein guter Auftakt, gefolgt von einer nicht enden wollenden Negativserie, der man in Münster viel zulange wie gelähmt zusah: Der Grund für den Abstieg nach neun Jahren 3. Liga ist schon im Jahr 2019 zu finden. Sven Hübscher kam als Trainer mit dem Versprechen, attraktiven Fußball zu liefern, die Balance aber wurde zum Problem: Der SCP traf zwar regelmäßig, aber selten so oft, um seine Defensivschwächen auszubügeln. Unter Sascha Hildmann wandelte sich im Jahr 2020 das Bild, nun stand die Verteidigung sicher und wenige Umschaltmomente brachten den Erfolg. Im Saisonfinale aber verließen die Münsteraner ihre Abschlussqualitäten, der Abstieg ist unter dem Strich verdient.

Note: 5+

 

Auch verabschieden wir uns von einem, nein dem "Dorfclub" der Liga, für den es in der abgelaufenen Saison dann doch recht deutlich nicht reichte. 33 erzielte Tore sind der klare Negativwert der Spielklasse, dabei mühte sich Großaspach in vielen Spielen redlich und scheiterte manches Mal an einer grotesk schwachen Chancenverwertung. Doch selbst diese hätte die SGA perspektivisch wohl nicht vor dem Absturz bewahrt angesichts der zahllosen Klubs, die in der 3. Liga mit viel höherem Aufwand mitmischen. Jahrelang performte man überdurchschnittlich, in diesem Jahr kam vieles zusammen. Dennoch kann der Sonnenhof, der seit Herbst durchgängig einen Abstiegsplatz belegt hatte, erhobenen Hauptes den Weg in die vierte Liga antreten. 

Note: 5

 

Fünf Siege aus 38 Spielen: Carl Zeiss Jena ist einer der schwächsten Drittligisten seit Einführung dieser Spielklasse. Nichts blieb übrig von der Euphorie des Klassenerhaltes im Vorjahr, fast sämtliche Transfers entpuppten sich als Fehleinkäufe, Lukas Kwasniok verspielte seinen Kredit bei der Anhängerschaft und seine Nachfolger Rico Schmitt und Kenny Verhoene sorgten auf ganz eigene Art und Weise für viel zu viel Unruhe innerhalb des Vereins. Der einzige Mutmacher ist derzeit der nahende Umbau des Ernst-Abbe-Sportfelds. Ansonsten werden die Thüringer in der stark besetzten Nordost-Regionalliga um einen Umbruch nicht herumkommen.

Note: 6

 

Weiterlesen: Das Zeugnis für alle Drittliga-Klubs #1

   
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