Das sind die Shootingstars der bisherigen Saison

Gute Spieler hat die bisherige Saison so einige hervorgebracht. In diesem Text gilt unser Fokus jedoch nicht allein den Allerbesten, sondern jenen, die in der Saison 2022/23 plötzlich emporgestiegen sind, die vorher kaum einer auf dem Radar hatte und für die der Profibereich in der Regel Neuland war. Zehn Shootingstars haben es in diese Auswahl geschafft.

Er ist gerade 18 Jahre alt, wird schon auf einen für Drittliga-Verhältnisse herausragenden Marktwert von 700.000 Euro taxiert und dürfte bei einem Verkauf an angeblich interessierte Erstligisten wie Gladbach, Frankfurt und Bremen problemlos noch mehr Geld erlösen: Leandro Morgalla hat mit seinen erstaunlich abgeklärten Leistungen an der Seite von Jesper Verlaat viele Gründe aufgelistet, warum er rasch zu gut für die 3. Liga und – selbst im Aufstiegsfall – für 1860 München werden kann. 14 Mal spielte der Innenverteidiger, fehlte nur bei kleineren Verletzungen. Aus Sicht der Löwen wird gehofft, dass noch weitere Einsätze hinzukommen. Eine ganze Saison in dieser Liga kann dem großen Talent nur gut tun und den Sechzigern sowieso.

 

Jannik Rochelt ist 24 Jahre alt und damit längst aus dem Status eines Youngsters herausgewachsen. Doch manches Mal sind es die Spätentwickler, die für Aufsehen sorgen: Zwischen 2019 und 2021 setzte sich der gebürtige Allgäuer bei der Reserve des FC Bayern nicht durch, nun gelingt ihm nach zwei Jahren bei Regionalligist Ulm der Mega-Durchbruch. 17 Spiele, 15 Scorerpunkte – wer Rochelt vor der Saison in seine Managerteams packte, hat wohl den Preis-Leistungs-Sieger eingetütet. Verrückt: Der Linksaußen blieb in nur fünf Begegnungen ohne (!) Torbeteiligung. Zweitliga-Niveau ist schon jetzt absehbar, und dieser Traum könnte in Elversberg ja schon im Sommer wahr werden.

 

Die SV Elversberg besteht aus einer Ansammlung von Überfliegern – gut, manche kennen die 3. Liga mehr, andere weniger. Und Letztere schaffen daher den Einzug in unser Ranking, so etwa auch Verteidiger Robin Fellhauer. Der hatte als Regionalliga-Kicker sein großes Potenzial schon angedeutet, 28 Scorerpunkte in 69 Partien als Defensivspezialist waren ein Pfund. Nun ist der Rechtsverteidiger eine Liga höher ebenso gesetzt, vier Vorlagen und zwei Tore pflastern seinen Weg des Erfolgs, zwischendurch half er mehrfach als Innenverteidiger aus und stand gar als Kapitän auf dem Feld. Beobachter attestieren dem 24-Jährigen Zweitliga-Niveau, alles scheint bereitet für den Durchmarsch.

 

Das SVE-Trio komplettiert Nicolas Kristof, einst Junior in Hoffenheim, dann in Sandhausens Reserve und erstmals Stammtorhüter bei Astoria Walldorf. In der langen Winterpause 2021/22 kam Trainer Horst Steffen auf die Idee, den damaligen Sommerneuzugang anstelle des erfahrenen Frank Lehmann zwischen die Pfosten zu stellen – seither ist er auch nach dem Aufstieg nicht mehr wegzudenken. 14 Gegentore, sieben weiße Westen, viele starke Auftritte: Kristof ist eine der Torhüter-Entdeckungen der Saison. Und mit 22 Jahren auch noch ziemlich entwicklungsfähig.

 

Gleich zwei talentierte Keeper holte Viktoria Köln und verzichtete im Tor vollständig auf Erfahrung, eine mutige Wahl. Elias Bördner (20) hatte das Nachsehen gegenüber dem ein Jahr älteren Ex-Rostocker Ben Voll. Der war bei der Kogge allenfalls in der zweiten Mannschaft ein Kandidat für Einsätze, umso erstaunlicher ist, wie Voll sogar ohne jede Viertliga-Erfahrung auf Profiniveau durchstartete. 195 Zentimer Größe und eine dennoch gute Beweglichkeit sowieso starke Reflexe machen ihn zur Nummer eins, sein bestes Spiel lieferte er wohl trotz der 0:5-Niederlage im DFB-Pokal gegen den FC Bayern ab. Eine voll gelungene Hinrunde.

 

Weiter machen wir mit einem Verteidiger: Calvin Brackelmann ist 23 Jahre jung, war Junior in Köln, in der Regionalliga tingelte er über die FC-Reserve und Schalke II zum SV Rödinghausen, riss sich mittendrin das Kreuzband und fiel mehr als ein Jahr aus. Beim VfB Lübeck kam das Vertrauen zurück, Scouts des FC Ingolstadt entdeckten ihn – und dort verpasste der Zentraldefensive mit Ausnahme einer früheren Auswechslung noch keine einzige Saisonminute. Der 1,96 Meter große Linksfuß ist Rüdiger Rehms bevorzugte Wahl als linker Teil einer Dreierkette, die im Vergleich zur Schanzer-Offensive bislang deutlich zuverlässiger agiert. Brackelmann hat seinen Anteil daran.

 

Der Name Gebhardt war auf dem deutschen Markt nur Insidern ein Begriff, denn der gebürtige Lörracher entschied sich dafür, jenseits des Rheins und der Landesgrenze zur Schweiz beim FC Basel fußballerisch aufzuwachsen. Nach ersten Spielen in der zweithöchsten Schweizer "Promotion League" lieh ihn nun der Hallesche FC für ein Jahr, wo er sogleich am etablierten Herausforderer Daniel Mesenhöler vorbeiarbeitete und seither kaum einen Anlass gibt, diese Entscheidung rückgängig zu machen. Auch in Basel wird man seine Entwicklung genau verfolgen – der zwar langfristig verpflichtete, aber schon 35-jährige Marwin Hitz braucht einen jungen Herausforderer.

 

Eigengewächse sind unter den Shootingstars abseits von Leandro Morgalla bislang unterrepräsentiert. Drum ist es schön, dass auch der MSV Duisburg mal wieder ein Talent hervorgebracht hat, das sich still und heimlich seinen Weg in die Profimannschaft bahnt. Gut: Caspar Jander entstammt eigentlich dem Schalker Nachwuchs, war zuvor auch in Dortmund und Münster und absolvierte "nur" das letzte A-Junioren-Jahr bei den Zebras. Und das nicht einmal komplett. Denn der zentrale Mittelfeldspieler wurde während der vergangenen Saison schon ins Drittliga-Team integriert – und hat nun, mit 19 Jahren, mindestens vorübergehend den Sprung zum Stammspieler geschafft. Konkurrenzlos ist er nicht, Minuten sammelt Jander aber immer, wenn er fit ist. Es deutet einiges darauf hin, dass das Jahr 2023 seines werden könnte. Und mit dem 18-jährigen Baran Mogultay steht noch ein weiteres Zebra-Talent vor dem Durchbruch, achtmal durfte er seit Oktober schon ran.

 

Nicht in Bochum und auch nicht beim Hamburger SV schaffte es Maxwell Gyamfi zu den Profis. Der Wechsel zum VfL Osnabrück hat sich in diesem Sommer dagegen voll ausgezahlt: Spätestens mit dem Abgang des einstigen Kapitäns Maurice Trapp Anfang September war die Bahn frei für den technisch beschlagenen und schnellen Innenverteidiger, der sich unter beiden Trainern – Daniel Scherning wie Tobias Schweinsteiger – schnell sein Standing erarbeitete. Die Belohnung dafür gab es prompt in Form einer Vertragsverlängerung zu deutlich besseren Konditionen. Laufen soll das neue Arbeitspapier des 22-Jährigen bis 2025, offizielle Angaben machte der VfL nicht.

 

Etwas mehr erwartet werden durfte von Erik Engelhardt, der seinen persönlichen Durchbruch ja schon in der Vorsaison bei Regionalligist Cottbus (19 Tore, 14 Vorlagen) erlebt hatte. Und doch dauerte es bei ihm am Längsten, bis er zur Topform auflief: Die ersten Startelfeinsätze zu Saisonbeginn waren eher unglückliche, phasenweise musste er sich hinten anstellen. Der Knoten platzte an einem eigentlich gebrauchten Tag: Beim 1:4 in Elversberg machte der 24-jährige Stürmer sein Premierentor, es folgten noch jeweils drei Tore und Vorlagen in den restlichen vier Spielen des Jahres. Engelhardt muss sein Potenzial noch über längere Strecke beweisen, doch die Leistungsentwicklung seit Mitte Oktober weckt einige Erwartungen.

   
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