Das Fazit zur Hinrunde: 20 Vereine, 20 Schlagzeilen

Zum ungewöhnlichen Zeitpunkt geht das erste Halbjahr in der 3. Liga zu Ende. Weshalb eine riesige Analyse so früh im neuen Jahr eher deplatziert wäre. Schauen wir lieber ganz kurz und knackig auf die 20 Vereine – und beschreiben ihre besondere Entwicklung in einer Schlagzeile und wenigen Sätzen.

Elversberg winkt das Meisterstück

SV Elversberg: Ein Meisterwerk in 19 Episoden

Seit dem SSV Jahn Regensburg 2016/17 warten wir auf einen Klub, der durchmarschiert. Die SV Elversberg deutete immer wieder an, dies schaffen zu können. Es wäre ein Meisterwerk des ganzen Klubs als auch von Trainer Horst Steffen, der in der 3. Liga schon viele Anläufe unternahm und sich nun das erfüllen könnte, woran er einst bei den Stuttgarter Kickers knapp scheiterte.

SV Wehen Wiesbaden: Stimmt die Offensive, stimmt das Ergebnis

In nur zwei von 19 Spielen traf der SVWW nicht ins gegnerische Tor, landete dazu mit Ivan Prtajin als Gustav-Nilsson-Ersatz einen Volltreffer. Kaum ein Team kann sein Offensivspiel so variabel aufziehen. Ein bisschen überraschend ist Platz 2 schon, aber keinesfalls unverdient.

1. FC Saarbrücken: Trainerwechsel als entscheidender Faktor

Merkwürdig war das schon, als Uwe Koschinat Anfang Oktober gehen musste und der just installierte Teammanager Rüdiger Ziehl seinen Posten erst vorübergehend, dann dauerhaft übernahm. 19 Punkte aus acht Spielen sowie mittlerweile absolut überzeugende Vorstellungen im eigenen Angriffsspiel lassen aber wenig Zweifel daran, dass der Aufstiegskandidat vieles richtig gemacht hat.

Freiburg II: Produktivitätsvorbilder aus dem Südwesten

Bei zehn Saisonsiegen reichte achtmal ein Tor Vorsprung: Im Breisgau wird Effizienz vorgelebt. Damit hat die Freiburger Reserve manchen Kritiker stillgelegt, der dachte, das starke Einstandsjahr 2021/22 wäre eine Ausnahmeerscheinung. Schon jetzt ist das Ziel Klassenerhalt fast eingetütet, kein anderer Drittligist kann die Restserie entspannter angehen.

1860 München: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Was durfte sich der TSV (zurecht) lobpreisen lassen für einen spektakulären Auftakt mit fünf Siegen aus den ersten fünf Spielen. Doch wenn sich beim einen oder anderen Bruder Leichtfuß einschleicht und Ergebnisse für selbstverständlich gehalten werden, dann endet eine Hinserie derart unruhig wie bei den Löwen. Wer hätte damals gedacht, dass Michael Köllner ein Endspiel um seinen Job bestreiten müsste?

 

Dynamo wird Favoritenrolle (noch) nicht gerecht

SV Waldhof Mannheim: Klappt’s auswärts, geht es hoch

Die Eindrücke sind noch recht frisch, aber am Montagabend ist es tatsächlich passiert: Im neunten Anlauf und mit ein bisschen Schiedsrichterglück hat der Waldhof endlich ein Spiel in der Fremde gewonnen. Zuhause läuft es ja seit jeher wie geschmiert (neun Siege aus zehn Spielen) – bestätigt der SVW das jetzt dauerhaft auswärts, wird er ein ernsthafter Aufstiegsanwärter.

FC Ingolstadt: In allen Belangen ein bisschen zu wenig

Wir erinnern uns: Transfers wie Testroet, Dittgen und Bech machten den FCI im Sommer zu einem Topfavoriten. Durch das schwache Ende der Hinserie (vier Pleiten in sechs Spielen) ist Ingolstadt nun klar unter Wert geschlagen. In allen Mannschaftsbereichen, vor allem aber der Offensive ist das Gezeigte zu dürftig. Noch ist der Rückstand (fünf Punkte) aufzuholen.

Dynamo Dresden: Favoritenrolle will gelernt sein

Nehmen wir die Schanzer als Referenz und multiplizieren die Probleme mal drei, kommen wir bei Dynamo Dresden an. Ein Kader mit etlichen Drittliga-Spitzenspielern, ein Trainer mit Rang und Namen, aber umstrittener Vergangenheit, und ein extrem ehrgeiziges Umfeld – irgendwie ging sich das überhaupt nicht aus. Die SGD schlingerte durch die Hinserie, dass es beim Zuschauen weh tat. Neuer Anlauf im kommenden Jahr!

Viktoria Köln: Alles wie immer in Höhenberg

Zugegeben, diese Schlagzeile klingt langweilig. Aber ohne jemanden zu nahe treten zu wollen: Die Viktoria ist ein Klub, bei dem sich ziemlich frühzeitig das Fazit "für unten zu gut, für oben zu schlecht" ziehen lässt. Der Beginn des Jahres 2023 zeigte die eine oder andere Limitation deutlich auf. Die Männer vom Höhenberg machen ihr Ding, aber tabellarisch relevant werden sie wohl weder oben noch unten.

VfL Osnabrück: Starke Ansätze, halbgar vollendet

Die Lila-Weißen haben einige richtig feine Zocker im Kader und einen Trainer, der an die Bremer Brücke passt. Wohl auch aufgrund des frühen, erzwungenen Trainerwechsels verloren sie phasenweise völlig den Faden. Nun zeigt der Kurs nach vier Siegen in Folge bergauf und wird noch in Richtung oberes Drittel führen. Hier wird ein Fundament für die Zukunft gebaut, und das sieht gar nicht übel aus.

 

RWE erst pfui, dann hui

MSV Duisburg: Der ewige Moritz macht den Unterschied

An mehr als 50 Prozent der 23 Duisburger Tore ist Moritz Stoppelkamp (36) beteiligt – eine gefährliche Abhängigkeit. Ansonsten sind sie in Meiderich froh, der Abstiegszone entkommen zu sein. Dass es nicht für mehr reicht, weiß an der Wedau jeder. Spannend ist: Trainer Ziegner gibt vielen Eigengewächsen Spielzeit. Der eine oder andere wird seinen Weg in den Profifußball gehen.

SC Verl: Ostwestfalens Gallier

Auch die Verler sind für das Gros der Konkurrenz eher Drittliga-Beiwerk – nervig ist der ständige Umzug ins Paderborner Stadion. Ab Frühjahr will der SCV dann der Konkurrenz endlich sein kleines Schmuckstück in der eigenen Stadt zeigen und wieder echte Heimspiele austragen. Die Chance, das auch 2023/24 in der 3. Liga zu tun, sind richtig gut. Weil das junge Team ganz schwer zu bespielen ist und Coach Kniat Talent und Führungsqualität mitbringt.

Rot-Weiss Essen: Saisonstart zum Vergessen – dann sehenswert

15 Jahre Abstinenz aus dem Profifußball sind vorbei, auf die neue Realität einstellen brauchte bei Rot-Weiss Essen allerdings zehn Spieltage. Seit dem Elften, also seit Anfang Oktober, ist die Dabrowski-Elf nun ungeschlagen, teilt allerdings ein bisschen oft die Punkte (insgesamt schon neunmal). Aktuell hapert es vorrangig an der Effizienz, im Kader steckt Potenzial für die obere Hälfte.

Erzgebirge Aue: Pavel wird einmal mehr zum Bergretter

Was einmal nicht funktioniert hat, muss ja nicht zweimal schiefgehen: Nach dem Motto holte sich Aue Pavel Dotchev kurios zurück – und der ließ gleich mal zwei Siege folgen, rettete damit eine eigentlich verkorkste Hinserie zumindest noch einigermaßen. Die Fans vertrauen ihrem Klub wieder, in dem auch die Ära Helge Leonhardt im Herbst endete. Der Kurs ist klar abgesteckt, ein solides Restjahr ohne Sorgen wäre gut.

VfB Oldenburg: Zweimal die Hinserie wird nicht genügen

Die Chancen auf den Klassenerhalt des VfB Oldenburg dürften derzeit so stehen wie die Anzahl absolvierter Spiele, 50:50. Die erforderten Tugenden für den Kampf, der nun bevorsteht, hat Trainer Fossi seiner Elf auch verinnerlicht. Mit Blick aufs Team gibt es aber besser bestückte Kontrahenten. Nochmal 19 Punkte wie in der Hinserie ergäbe 38 – und das wird eher nicht reichen.

 

Für Bayreuth wird es eng

Borussia Dortmund II: Rätselhaft unattraktiv

Wenige Tore, wenige Kombination, wenig Ballbesitz: BVB-Trainer Preußer hat die großen Fußstapfen von Vorgänger Maaßen mit eigener Interpretation ausgefüllt, die Ergebnisse sind ziemlich dürftig. Für Talente ist es eine Giftmischung, wenn das Erfolgsrezept nicht schmeckt. Zuletzt zeigte die Bayern-Reserve 2021 als amtierender Meister, wie kolossal solch ein Negativlauf werden kann…

Hallescher FC: Das Torverhältnis sagt alles aus

Warum das Torverhältnis? Weil der HFC da nur drei Einheiten im Minus ist, wo um ihn herum alle anderen Klubs dick zweistellige Werte zu verzeichnen haben. Halle spielt mindestens über Phasen wie ein gutes Mittelfeldteam, fällt selten drastisch ab, ärgert sich dafür öfter über die eigene Effizienz. Trotzdem die mutige Prognose: Die Chemiestädter bleiben der 3. Liga erhalten.

FSV Zwickau: Das verflixte 7. Jahr

Manche Ehe soll nach dieser Zeit zerbrochen sein, und auch der FSV tut sich schwerer denn je, sich ein achtes Jahr an die 3. Liga zu klammern. Spielerisch war bei den Westsachsen noch nie die ganz feine Klinge angesagt, entscheidend ist aber, dass nun auch die besseren Auftritte zu oft in Niederlagen enden. Auch Trainer Enochs könnte noch wackeln, aber es ist zu bezweifeln, dass aus der schwierigen Finanzlage ein anderer mehr herausholt.

SpVgg Bayreuth: Ein Zwei-Klassen-Unterschied mit Folgen

Aus der Regionalliga zu kommen, ist schon schwer. Aber aus der Bayern-Staffel zu kommen, aufgrund des gravierenden Leistungsunterschiedes noch mehr. Bayreuth schoss im Aufstiegsjahr alles kurz und klein – und brauchte nun 18 Anläufe, um erstmals mehr als ein Tor zu erzielen. Die Spielweise ist weiterhin mutig und attraktiv, qualitativ wird es aber auf Strecke eng mit dem Ligaverbleib.

SV Meppen: Nur die Geduld ist bewundernswert

Viele deutsche Profivereine fallen uns nicht ein, die auch nach 15 sieglosen Spielen auf den obligatorischen Trainertausch zu verzichten. Meppen macht es so, wissend um die Rote Laterne und um Duelle (Oldenburg, Zwickau), mit denen sich einiges wieder gerade ziehen lässt. Die Hinrunde war eine Katastrophe, Punkt. Wie gut, dass der SVM in der Vergangenheit meist zumindest ein gutes Halbjahr gespielt hat…

   
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