Das erste Zwischenfazit: Die 3. Liga nach dem Auftakt #1

Von

© imago

Nach sechs Spielen und einem Pokalwochenende kommt die 3. Liga in dieser Woche zur Ruhe – einige Partien im Landespokal ausgenommen. Wir nutzen die Zeit, um in zwei Teilen auf alle 20 Mannschaften zu schauen. Wo zeigt die Tendenz nach oben, wo nach unten und wie stehen die Chancen auf einen starken Herbst? Wir sortieren absteigend, den Anfang macht die obere Tabellenhälfte.

Es soll keiner sagen, dass die SpVgg Unterhaching überraschend oder gar unverdient an der Tabellenspitze steht. Spätestens das 3:0 über Eintracht Braunschweig zeigte in einer unnachahmlichen Kombination aus Selbstvertrauen, Spielintelligenz und taktischer Überlegenheit, dass Unterhaching derzeit das Maß aller Dinge in der 3. Liga ist. Weil sich die homogene Mannschaft schnell gefunden hat, kann die Elf von Claus Schromm ihre Qualitäten aktuell voll ausspielen. Vor allem die zwölf erzielten Treffer, im Schnitt zwei pro Spiel, sind eine Ansage. Überraschung des Auftakts ist der junge Luca Marseiler, steter Aktivposten und noch dazu treffsicher.

Wie es weitergeht: Unterhaching wird im Herbst einer der unangenehmsten Gegner sein und mindestens im oberen Tabellendrittel bleiben.

 

Ein Aufsteiger belegt Rang zwei, doch völlig überraschend ist es angesichts der Qualität in den Reihen des KFC Uerdingen nicht. Zugegeben: Die Bedenken, ob ein sehr erfahrener Kader mit mehreren "Alphatieren" sofort als Einheit in Schwung kommt oder sich in persönlichen Querelen verstrickt, waren da. Die ersten Spieltage haben gezeigt, dass Trainer Stefan Krämer seine außergewöhnliche Mannschaft voll im Griff hat – und diese sogar regelmäßig spät in der Partie noch konditionelle Reserven abrufen kann. Ein starker Start des ambitionierten KFC!

Wie es weitergeht: Noch immer sind wir ein wenig skeptisch. Doch kommt Uerdingen jetzt ins Rollen, wird der KFC in der 3. Liga eine echte Hausnummer sein.

 

Überraschung: Der VfL Osnabrück ist Dritter und hat noch kein Spiel verloren. Schöpfer des Erfolgs ist Daniel Thioune auf dem Rasen und Benjamin Schmedes im Hintergrund, weil er dem VfL-Kader ein ordentliches Facelifting verpasst hat. Das bewirkt Wunder: Die im Frühjahr noch so wacklige Defensive ist aktuell die beste der Liga, vorne können sich die Lila-Weißen aktuell vor allem auf die ruhenden Bälle von Marcos Alvarez verlassen. Auf Dauer wird der VfL jedoch spielerisch noch etwas zulegen müssen, will er sich langfristig in dieser Tabellenregion etablieren. Dabei soll nun auch Neuzugang Alexander Riemann helfen, der das Mittelfeld verstärkt.

Wie es weitergeht: Ein Aufstiegskandidat ist der VfL noch nicht und will das auch gar nicht sein. Aber warum nicht weiter die Liga aufmischen? Ein Absturz deutet sich nicht an.

 

Sah der Saisonstart nach vier Spieltagen noch etwas holprig aus, hat sich Aufsteiger 1860 München mit zwei souveränen Siegen nun weit nach vorne katapultiert und insbesondere beim 4:1-Sieg in Aalen aufhorchen lassen. Es war schon das zweite Mal, dass die Löwen – wie schon beim 5:1 gegen Lotte – ihren Gegner humorlos abfrühstückten. Das Potenzial ist ein riesengroßes, wenn die Defensive steht. Denn vorne löst sich fast jedes Problem von allein, ist doch jeder Löwen-Spieler unglaublich torgefährlich. Überragender Mann ist Neuzugang Adriano Grimaldi mit bereits sieben Scorerpunkten.

Wie es weitergeht: Ähnlich wie beim KFC Uerdingen kann auch bei 1860 München jetzt ein Zug in Fahrt kommen. Die Aufstiegsplätze bleiben in Reichweite.

 

Nach zwei Spieltagen stand der HFC ohne einen Punkt am Tabellenende. Man bemühte sich, die Ruhe zu bewahren, dem neuen Trainer Torsten Ziegner Zeit zu geben. Mit Erfolg! Zehn Punkte hat Halle seitdem geholt und sich ganz fix nach oben gearbeitet. Mit Glück wäre beim 1:1 gegen Osnabrück sogar der vierte Sieg in Serie möglich gewesen. Kurzum: Der Hallesche FC liegt nun absolut im Soll, auch dank der neuformierten Defensive um Moritz Heyer, Sebastian Mai und Toni Lindenhahn, der auf ungewohnter Position in der Dreierkette überzeugt.

Wie es weitergeht: In Halle wird man nicht vermessen. Aktuell steht man leicht über den Erwartungen, auf Sicht geht es ins Mittelfeld.

 

Das Torverhältnis ist zwar negativ, die Gesamtbilanz aber absolut zufriedenstellend: Carl Zeiss Jena legte einen guten Saisonstart hin und hält sich vom befürchteten Abstiegskampf vorerst fern. Zugegeben: Das Auftaktprogramm war ein machbares, die vermeintlich individuell stark besetzten Teams warten noch auf die Thüringer. Dass diese unberechenbar sind, zeigen die bisherigen Spielverläufe: Ein Last-Minute-Sieg gegen Großaspach und ein gedrehtes Spiel gegen Zwickau stehen zu Buche, aber auch ein 0:3 gegen Halle oder ein 0:2 in Köln, als Jena erst stark und dann chancenlos war.

Wie es weitergeht: Die Wundertüte aus dem Osten bleibt sich treu, wird aber noch ein wenig an Boden einbüßen.

 

Die beeindruckendste Geschichte der noch jungen Saison wurde etwas unbeachtet abseits der großen Drittliga-Klubs am Dallenberg geschrieben: Die Würzburger Kickers starteten mit drei Niederlagen, die Fans waren angesäuert, sahen die schwere Saison kommen. Doch Coach Michael Schiele behielt die Nerven, die Mannschaft ganz offensichtlich auch: Drei schwere Gegner wurden kurzerhand überzeugt aus dem Weg geräumt. Cottbus, Rostock und nun Wiesbaden wurden in 270 Minuten satte zehn Treffer eingeschenkt. Dazu holte der FWK nun Peter Kurzweg zurück und verstärkte mit Caniggia Elva auch die Offensive.

Wie es weitergeht: Würzburg, im vergangenen Jahr noch Topfavorit, ist das Team der Stunde. Die Richtung der kommenden Wochen lautet: bergauf!

 

Immerhin vier Spiele lang blieb Joe Enochs beim FSV Zwickau, vor der Spielzeit einer der ersten Abstiegskandidaten, ungeschlagen. Dann war es in Jena ein falscher Elfmeterpfiff, der die Schwäne Punkte kostete – aber gegen Kaiserslautern eine glückliche Schiedsrichterentscheidung, die Zwickau begünstigte. Kurzum: Der Spielstil der Sachsen ist noch nicht spektakulär, aber besser anzuschauen als in der Vorsaison. Der Optimismus, dass es noch längere Zeit Drittliga-Fußball in Zwickau zu sehen gibt, ist in den ersten Wochen dieser Saison eher gewachsen als geschrumpft.

Wie es weitergeht: Es wäre verwunderlich, wenn sich Zwickau in der oberen Hälfte etabliert. Wie ein Eichhörnchen sollte der FSV solide punkten und sich so den magischen 45 Punkten nähern.

 

Zwischenzeitlich grüßte Preußen Münster von der Tabellenspitze, doch nach zwei Pleiten gegen Osnabrück und Uerdingen ohne eigenen Treffer ist der SCP deutlich abgerutscht. Nie waren die Münsteraner ihrem Gegner klar unterlegen, zuletzt haperte es vor allem an der Chancenverwertung. Im Hinterkopf mag noch der Verlauf der Vorsaison spuken, als es nach einem guten Start rapide bergab ging und der Herbst sehr ungemütlich wurde.

Wie es weitergeht: Preußen Münster hat einen charakterlich stärkeren Kader, der aber in der Breite knapp besetzt ist. Die Qualität für die obere Tabellenhälfte ist ohne Verletzungspech da.

 

Mit dem 1:4 zum Auftakt trennten sich die Wege von Münster und Fortuna Köln, nun haben sie tor- und punktgleich wieder zusammengefunden. Die Form spricht aber für die Fortunen, haben sie doch die vergangenen beiden Spiele in Braunschweig und gegen Jena jeweils mit 2:0 für sich entschieden. Königstransfer Moritz Hartmann findet sich allmählich zurecht, darüber hinaus haben die Domstädter mit Steven Ruprecht einen erfahrenen Verteidiger geangelt. Er sollte bald in die Startelf aufrücken und die Qualität im Kader weiter erhöhen.

Wie es weitergeht: Vom kleinen Club hat sich Köln in der 3. Liga stetig gemausert. Platz 10 – daran kann man sich gut und gerne dauerhaft orientieren. Mindestens.

   
  • Münchner

    Gar nicht so undenkbar, dass die hier gelobten bayerischen Vereine Haching, Sechzig und Würzburg am Ende oben stehen, wenn man die aktuelle Form sieht. Aber die Saison ist noch sehr lang und da sind die bisher vergebenen Punkte praktisch nichts.
    Neben den gelobten Uerdingern, die mMn aber bisher auch sehr viel Glück hatten, sehe ich den FCK auch noch ganz oben. Was man sagen kann, es gibt in der 3. Liga keine Übermannschaft wie in der 1. oder 2. Liga und jeder kann jeden schlagen.

  • weihnachtsmann

    Wenn ich das richtig interpretiere, dann werden den hier aufgeführten Mannschaften, die dem Westen zugehörig sind, durch die Bank bessere Aussichten aus den Teams aus dem Osten eingeräumt. Und das nach gespielten sechs Spieltagen, Respekt.
    Einfach nochmal sechs Spieltage abwarten. Das ist eine Liga, wo jederzeit jeder jeden schlagen kann. Das wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern.

Hinweis: Seit dem 25. Mai gilt unsere neue Datenschutzerklärung.