Brand tobt: "Mannschaft hat kein Gespür für die Situation"

Im vorletzten Heimspiel der Saison musste sich der F.C. Hansa Rostock dem SV Wehen Wiesbaden geschlagen geben. Vor 10.700 Zuschauern im Ostseestadion unterlagen die Hanseaten durch einen späten K.O. in den letzten Spielminuten mit 1:3 (1:0) und kassierten damit die erste Heimniederlage im Jahr 2017.

Frühe Führung der Rostocker

Die alte Herberger-Weisheit, dass ein Spiel neunzig Minuten dauert, bestätigte sich am 35. Spieltag der 3. Liga an der Ostsee. Denn in eindrucksvoller Weise brachten sich die Rostocker in den letzten acht Spielminuten um den Sieg und ließen die Stimmung im Stadion ins Negative kippen. Eigentlich war alles angerichtet für einen erfolgreichen Fußballnachmittag: Hansa ging schon in der 9. Minute durch den Schweizer Stephan Andrist in Führung. In der Folge ließen die Gastgeber weitere gute Möglichkeiten durch Tobias Jänicke (16., 27.) ungenutzt; auf der anderen Seite schlugen die Hessen aus ihren Chancen (29., 30., 39.) kein Kapital. Ähnliches Bild dann auch in Hälfte zwei, wenngleich die Gäste nun mehr Druck aufbauten und Hansa immer mehr einschnürten. Der FCH beschränkte sich fortan auf das Kontern im eigenen Stadion. Und wieder waren es Jänicke (51., 53.) und Andrist (75., 80.), die gute Möglichkeiten vergaben.

Knockout innerhalb von acht Minuten

Den verdienten Ausgleich für Wiesbaden erzielte dann Funk völlig frei vor Schlussmann Marcel Schuhen in der 82. Minute. "Wenn wir das 2:0 machen, ist das Spiel erledigt. Wir haben durch Tobi nach der Pause zwei gute Möglichkeiten, Andrist steht alleine vor dem Torwart und hat die Riesenchance. Und Gebhart vergibt auch eine Hundertprozentige“, erklärte Hansa-Trainer Christian Brand die zweite Halbzeit. Besagter Timo Gebhart hatte in der 88. Minute völlig frei vor Wehens Keeper die Führung auf dem Fuß. Im direkten Gegenzug versetzte Wiesbaden den Gastgeber durch Schäffler den K.O.-Schlag. Das 1:3 in der letzten Minute durch Breitkreutz besiegelte die erste Heimniederlage der Hanseaten im Jahr 2017.

Brand: "Haben unfassbares Talent, aufgebaute Dinge wieder einzureißen"

Acht Minuten reichten an diesem Fußballnachmittag aus, um die eigentlich ganz gute Stimmung der 10.700 Zuschauer in Schockstarre, Entsetzen und anschließend in ein gellendes Pfeifkonzert zu verwandeln. Zu Recht war Christian Brand auf der Pressekonferenz nach dem Spiel angefressen. "Meine Mannschaft hat das unfassbare Talent, Dinge, die sie sich innerhalb von einigen Wochen aufbaut, mit einem Rutsch wieder zu zerstören. Das war heute leider so“, erklärte der 44-Jährige. Wie so oft in dieser Saison verfielen die Rostocker nach der Führung in altbekannte Muster und enttäuschten nach einer Mini-Positivserie (drei Siege, ein Remis) ihre Anhängerschar – ein Stück (hanseatische) Naivität… "Meine Mannschaft hat nicht das Gespür für die Situation hier im Stadion, in diesem Verein. Und dann sieht man, wie schnell das alles kippen kann", so Brand, der nicht nur enttäuscht von seinem Team war. "Es ist Wahnsinn, dass wir die Partie verlieren, wo man doch eigentlich alles im Griff hatte. Ich bin sehr sauer über das Verhalten auf dem Feld. Wir müssen das so hinnehmen und unsere Lehren daraus ziehen.“

14 auslaufende Verträge! Umbruch im Sommer?

Lehren? 14 Spielerverträge laufen mit Saisonende aus; acht der betroffenen Spieler standen am Samstag auf dem Platz – nachhaltig empfehlen konnten sich nur wenige. Auf Sportvorstand René Schneider und Chefcoach Christian Brand warten nun arbeitsreiche Wochen, denn sie müssen nun entscheiden, welche Leistungsträger dem Verein erhalten bleiben sollen. Nach der 1:3-Niederlage am Samstag dürfte das Wort "Leistungsträger" allerdings eine ganz andere Bedeutung bekommen haben. Vieles deutet auf einen Umbruch im Sommer hin …

   

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