BFC Dynamo: DDR-Rekordmeister sehnt sich nach Profifußball

Sportlich hat sich der BFC Dynamo als Meister der Regionalliga Nordost am Sonntag für die Aufstiegsrelegation qualifiziert, eine Forderung des DFB zur Erfüllung der Lizenzauflagen für die 3. Liga könnten dem Rekordmeister der DDR aber noch einen Strich durch die Rechnung machen. Nach dem entscheidenden 4:2 gegen die VSG Altglienicke geriet das aber kurzzeitig in den Hintergrund, stattdessen wurde gemeinsam gefeiert. Die Sehnsucht nach Profifußball beim Rekordmeister der DDR ist groß.

"Mit gutem Gefühl" in die Relegation

Auf Höhe der Mittellinie im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark stand bereits geschrieben, wo der BFC Dynamo in der kommenden Saison spielen möchte: "3. Liga" prangte dort in großen Lettern auf einer Werbebande, die Viktoria Berlin nach der 3:4-Niederlage gegen den SV Meppen und dem damit verbundenen Abstieg aus eben jener Liga tags zuvor einfach stehen gelassen hatte. Sie könnte womöglich auch über den Sommer hinaus auf der Anlage zum Einsatz kommen, denn zumindest aus sportlicher Sicht ist der BFC Dynamo dem Aufstieg in die Drittklassigkeit am Sonntag einen guten Schritt näher gekommen.

Mit 4:2 siegte der Verein aus dem Stadtteil Alt-Hohenschönhausen gegen die VSG Altglienicke, ließ sich dabei auch von einem frühen Rückstand nicht beirren und feierte so am Ende die verdiente Meisterschaft in der Regionalliga Nordost. "Vielen Fans ist das Herz nach dem 0:1 in die Hose gerutscht, aber wir haben dann gezeigt, was wir für eine Mannschaft sind. Und warum wir Erster geworden sind", befand BFC-Trainer Christian Benbennek in der "Berliner Zeitung", als er nach dem Schlusspfiff von einem Großteil der 1.796 Zuschauer umringt auf dem Platz stand und sich dort feiern lassen durfte. "Dass wir heute den Titel klarmachen, stand ja außer Frage. Aber es war wichtig, dass wir das mit einem Sieg machen. Damit wir mit einem guten Gefühl in die Relegation gehen."

900.000 Euro fehlen für die Lizenz

In diesen "verkackten Relegationsspielen", wie sie Top-Torjäger Christian Beck (23 Treffer) gegenüber dem "MDR" nannte, trifft der BFC Dynamo nun auf den Meister der Regionalliga Nord und damit sehr wahrscheinlich auf den VfB Oldenburg treffen. Der BFC genießt dann am 28. Mai zunächst das Heimrecht, bevor am 4. Juni das Rückspiel beim Nord-Vertreter stattfindet. Problem allerdings: Dem Berliner Klub fehlen derzeit noch 900.000 Euro, die für den Erhalt der Drittliga-Lizenz bis zum 1. Juni beim DFB nachgewiesen werden müssen. Geschieht das nicht, würde der Nord-Vertreter kampflos in die 3. Liga aufsteigen.

Der BFC hat auf seiner Homepage daher eine Spendenaktion ins Leben gerufen, bei der bis Montagnachmittag bereits etwas mehr als 160.000 Euro zusammen gekommen sind. Ein ablaufender Countdown gibt dabei an, dass noch knapp 16 Tage für die fehlenden knapp 740.000 Euro bleiben. Trotz nun feststehender Meisterschaft muss in Alt-Hohenschönhausen also weiterhin um die erste Teilnahme am ersten Profispielbetrieb im gesamtdeutschen Fußball gezittert werden. Den hatte der BFC, trotz seiner zehn aufeinanderfolgenden Meistertitel in der DDR (zwischen 1979 und 1988), nach der Wende nämlich verpasst. Nach einer Insolvenz 2002 ging es sogar in der 6. Liga hinunter. 2004 gelang die Rückkehr in die Oberliga, erst zehn Jahre später schaffte Berlin den Aufstieg in die Regionalliga.

3. Liga im Jahn-Sportpark?

Umso größer ist die Sehnsucht bei den Dynamo-Anhängern auf den Drittliga-Aufstieg, das wurde auch bei den Feierlichkeiten im Jahnstadion deutlich, bei denen mehrere Fans aus der Euphorie heraus auch von der Deutschen Meisterschaft und dem Europapokal sangen. Erstmal kann es aber "nur" die 3. Liga werden, in der der BFC vermutlich – wie schon Viktoria Berlin – im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark spielen würde, da das Sportforum Hohenschönhausen trotz seiner 12.400 Plätzen nicht drittligatauglich ist. Immerhin die Werbebande für die 3. Liga stände im Sportpark in Pankow aber auch schon bereit.

   
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