Viktoria BerIin: Insolvenzantrag nach verweigerten Investoren-Zahlungen

Der Blick in die Regionalliga: Der aktuelle Tabellensechste der Regionalliga Nordost, der FC Viktoria Berlin, gab am heutigen Donnerstag in einem offenen Brief die Einreichung eines Insolvenzantrags bekannt. Der Grund: Zahlungen des erst im Sommer eingestiegenen chinesische Investors blieben zuletzt aus und hinterließen ein Finanzvakuum.

Euphorie im Mai

Mit viel Euphorie verkündete Viktoria Berlin im Mai diesen Jahres die Zusammenarbeit mit der Advantage Sports Union Ltd. (ASU) aus Hongkong. Die chinesischen Investoren sollten die finanzielle Grundlage bieten, um den Regionalligisten langfristig nach oben zu bringen, der Viktoria-Vorsitzende Harald Sielaff zog gar Vergleiche zu Positiv-Beispielen wie Leipzig und Hoffenheim. Doch der Traum vom Spitzenfußball ist bereits wenige Monate später zerplatzt.

Vielmehr steht der Verein vor einem wahren Scherbenhaufen. So verweigerte die ASU zuletzt die Zahlungen, pocht auf ein vorzeitiges Ende der Zusammenarbeit – und stürzt den Verein damit auf direktem Wege in die Insolvenz. Zu eben jenem drastischen Schritt sah sich der Vorstand der Lichterfelder nun gezwungen: "Aufgrund ausbleibender Zahlungen des chinesischen Investors, der Advantage Sports Union Ltd. (ASU), Hongkong, ist der Verein nicht mehr in der Lage, die auflaufenden Verbindlichkeiten zu decken. Zum Schutz des Vereins war es die unvermeidliche Pflicht des Vorstands, diesen Insolvenzantrag einzureichen."

"Mit dem Insolvenzantrag", so heißt es in der Mitteilung weiter, "sichern wir die Fortführung des Vereins, welcher nach Bestellung des vorläufigen Insolvenzverwalters auch wieder handlungsfähig ist. Der Spielbetrieb der rund 70 Mannschaften des Breitensports wird wie bisher weitergeführt." Wie es allerdings mit dem Regionalligateam weitergeht und ob der Spielbetrieb überhaupt fortgesetzt werden kann, ist laut Viktoria-Verantwortlichen derzeit noch nicht abzusehen.

Mahnendes Beispiel TeBe Berlin

Konkrete Gründe für den Ausstieg der ASU sind nicht genannt worden. Sportlich läuft es bei der Viktoria aktuell mittelmäßig: Aus 19 Spielen holte man bislang neun Siege, vier Niederlagen und sechs Unentschieden. Das ergibt eine Gesamtzahl von 31 Punkten und Tabellenplatz sechs – exakt 20 Punkte entfernt von Tabellenführer Chemnitzer FC. Ein Aufstieg scheint derzeit also kaum in Reichweite – und rückt mit dem Ausscheiden des Investors in noch weitere Ferne.

Kritische Stimmen, die schon im Mai laut wurden, dürften sich nun bestätigt fühlen: So verwiesen bereits zur Bekanntgabe der Zusammenarbeit einige Fans auf den Lokalkonkurrenten TeBe Berlin, der Ende der 90er Jahre ebenfalls mit Investoren-Hilfe auf die Bundesliga schielte. Doch das Experiment scheiterte: Der Verein ging bankrott und spielt derzeit in der fünften Liga. Ein derartig schnelles Ende der ambitionierten Pläne bei der Viktoria hätten allerdings wohl auch die größten Pessimisten nicht für möglich gehalten.

   
  • Sterneneisen

    Schon blauäugig und amateurhaft. Wie kann ein Investor mitten in der Saison aussteigen? Gibt es denn keine wasserdichten Verträge?
    Mal abgesehen davon: Chinesische Konsortien gelten nicht gerade als ideale Partner für Fan-Nähe und Transparenz im Fußball. Denen geht es v. A. darum, dass der Rubel rollt.

  • Fat Tony

    Investoren haben im Sport nichts verloren. Wie kann man denn eine Saison planen mit Verträgen, die scheinbar nicht bindend sind?

  • baender

    Zitat: " der Viktoria-Vorsitzende Harald Sielaff zog gar Vergleiche zu Positiv-Beispielen wie Leipzig und Hoffenheim"

    Da hätte man lieber auf Erfahrungen mit anderen chinesischen Investoren schauen sollen.

    Egal ob Flughäfen oder Fussballvereinen… insofern, ist man wohl sogar noch gut weggekommen.

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