Aufstiegsspiele: Wer schafft den Sprung in die 3. Liga?

Drei aus Sechs: Nach diesem Motto wird am Donnerstag und Sonntag der Aufstieg in die 3. Liga ausgespielt. liga3-online.de nimmt alle Vereine und Partien unter die Lupe.

Mit dem 1. FC Saarbrücken und dem TSV 1860 München treffen die beiden Ballermänner der Regionalliga am Donnerstag um 17:30 Uhr aufeinander. Die Löwen erzielten ihrerseits 87 Treffer in 36 Spielen der Regionalliga Bayern – und stellen mit diesem äußerst respektablen Wert unter den sechs Relegationsteilnehmern trotzdem nur die zweitbeste Offensive. Satte 92 Tore legten nämlich die Mannen von Dirk Lottner und dem 1. FC Saarbrücken ihren Gegnern ins Eckige. Es ist also das Spiel der beiden besten Offensiven und der neutrale Zuschauer darf sich gewiss auf zwei spannende Duelle freuen.

Die Gäste vom TSV 1860 blicken auf eine lange, teils sehr erfolgreiche Historie, vor allem aber auf die dramatische Spielzeit 2016/17 zurück. Am Ende der Saison belegten die Löwen den Relegationsplatz in der zweiten Liga, zogen in den beiden wichtigen Spielen um den Klassenerhalt aber den Kürzeren gegen den Jahn aus Regensburg (1:1, 0:2). Danach überschlugen sich die Ereignisse, Verein und Großinvestor Hasan Ismaik zerstritten sich, sodass am Ende das nötige Geld für die Lizenz in der dritten Liga fehlte und man den direkten Gang in die Regionalliga antreten musste. Die Löwen aber berappelten sich schnell, begeisterten in ihrer Spielklasse trotz fast gänzlich erneuertem Kader mit teils gnadenlosem Offensivfußball und klopfen nun verdient wieder an das Tor zur Dritten Liga. Allerdings muss der TSV mit Nicholas Helmbrecht, Timo Gebhart, Kilian Jakob und Lino Tempelmann gleich auf vier Spieler verletzungsbedingt verzichten.

Mit dem 1. FC Saarbrücken kämpft eines der ehemaligen Gründungsmitglieder der Bundesliga von 1963/64 um den Einzug in die Drittklassigkeit. Seit der Saison 2014/15, wo man in der Relegation an den Würzburger Kickers scheiterte, träumen die Saarländer von einer Rückkehr in Deutschlands dritthöchste Spielklasse – und vielleicht wird dieser Traum schon am Sonntag Wirklichkeit. Wie auch der TSV 1860 München wussten die Akteure des FCS mehr als genau, wo das Tor des Gegners stand, sodass man sich frühzeitig – um genau zu sein drei Spieltage vor Schluss – die Meisterschaft in der Regionalliga Südwest vor dem SV Waldhof Mannheim sichern konnte. Im Gegensatz zu Trainerpendant Daniel Bierofka kann Saarbrücken-Coach Dirk Lottner aus den Vollen schöpfen und muss keine Ausfälle vor den beiden wichtigen Duellen beklagen.

Spieler im Fokus: Prunkstück des 1. FC Saarbrücken ist ohne Frage das Mittelstürmer-Duo bestehend aus Kevin Behrens und Patrick Schmidt. Die Angreifer verbuchten beide jeweils 19 Treffer, legten dazu noch 18 respektive fünf Tore auf. Gefüttert wird das Duo von der torgefährlichen Flügelzange zusammengesetzt aus Markus Mendler (acht Tore, 15 Vorlagen) und Tobias Jänicke (acht Tore, zehn Vorlagen). Die Sechziger bauen mit Sascha Mölders (19 Tore,14 Vorlagen) und Markus Ziereis (14 Treffer, neun Vorlagen) ebenfalls auf ihr tödliches Stürmerduett, zusammen mit Linksaußen Nico Karger (14 Tore, drei Assists). Großer Trumpf der Löwen insbesondere bei Standards könnte außerdem Innenverteidiger Jan Mauersberger sein, der in dieser Spielzeit fünf Tore erzielte und ebenso viele auflegte.

Zuschauer: Sowohl das Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen (8.400 Zuschauer) als auch das Grünwalder-Stadion in München (11.000 Zuschauer) sind bereits seit mehreren Tagen restlos ausverkauft. Beide Vereine, die zu den Auswärtsspielen jeweils von 1.200 Anhängern begleitet werden, hätten ohne Frage noch deutlich mehr Tickets verkaufen können.

Live-Übertragung: Der SR und BR übertragen beide Spiele jeweils live im TV.

 

Im Duell zwischen dem Meister der Regionalliga West und dem Vizemeister der Südwest-Staffel treffen zwei Vereine mit bewegter Vergangenheit und vielen Parallelen aufeinander. Sowohl der Krefelder FC Uerdingen 05 als auch der SV Waldhof Mannheim 07 blicken mit Stolz auf die jeweilige Vereinshistorie Mitte der 80er Jahre zurück. Beide Teams eint jedoch auch eine Zeit zum Vergessen Anfang der 2000er, die geprägt ist von Verschuldung und existenziellen Problemen. Der KFC trennte sich in dieser Saison von einem Trainer (Stefan Krämer folgte Mitte März auf Michael Wiesinger), mit Bernhard Trares steht beim SVW sogar der dritte Chefcoach in dieser Saison an der Seitenlinie. Und wie es der Zufall so will, ist auch die Bilanz der bisherigen 22 Aufeinandertreffen höchst ausgeglichen: Jeder Verein verbuchte jeweils sieben Siege, dazu gesellen sich acht Unentschieden. Gesamt-Torverhältnis? Natürlich 33:33!

Der KFC Uerdingen sicherte sich seinerseits mit 76 Zählern und einem Torverhältnis von 68:24 am letzten Spieltag mit einem 5:0-Auswärtserfolg beim SC Wiedenbrück die Meisterschaft in der West-Staffel, wo man sich bis zum Schluss ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Vizemeister Viktoria Köln lieferte. Sollten die Krefelder am Sonntag den Aufstieg packen, gelänge ihnen der direkte Durchmarsch von der fünften in die dritte Liga. Aufgrund dessen, dass die Grotenburg und somit die eigentliche Heimstätte des KFC Uerdingen nicht den Anforderungen an die Drittliga-Stadien entspricht, weichen die beide Regionalligisten zum Hinspiel am morgigen Donnerstag (Anstoß 19 Uhr) in die Schauinsland-Reisen-Arena nach Duisburg aus. Cheftrainer Stefan Krämer kann dort vermutlich auf nahezu alle Akteure zurückgreifen, auch wenn hinter Innenverteidiger Mario Erb (Kieferbruch) und Spielmacher Christian Müller (Muskelbündelriss) noch zwei dicke Fragzeichen stehen.

Beim SV Waldhof Mannheim hingegen soll es im dritten Anlauf nach zwei verpassten Relegationen endlich mit dem Aufstieg klappen. In der Saison 2015/16 unterlag man im heimischen Rückspiel den Sportfreunden aus Lotte mit 0:2 (Hinspiel 0:0), 2016/17 sogar erst im Elfmeterschießen mit 3:4 beim SV Meppen (Hin-und Rückspiel 0:0). Der Aufstiegsfluch soll also endlich gebrochen werden. Als Vizemeister der Staffel Südwest hinter dem 1. FC Saarbrücken beendeten die Badener die Spielzeit 2017/18 mit 71 Punkten und einem Torverhältnis von 62:32. Coach Bernhard Trares muss in den wichtigen Relegationsspielen auf seinen zweitbesten Knipser verzichten: Benedikt Koep laboriert an einem Knochenödem.

Spieler im Fokus: Beim KFC Uerdingen spielte insbesondere das Trio um Lucas Musculus (18 Treffer, drei Vorlagen), Maximilian Beister (11 Tore, vier Vorlagen) sowie Oguzhan Kefkir (sechs Treffer, 13 Assists) die Abwehrreihen der Kontrahenten schwindelig. Beim SV Waldhof Mannheim ruhen nach dem Ausfall von Koep die Hoffnungen vor allem auf den Schultern von Angreifer Nicolas Hebisch (10 Tore, fünf Assists). Mit Gianluca Korte (sechs Tore, neun Vorlagen) und Andreas Ivan (acht Treffer, sechs Assists) stehen ihm zwei fähige Mitstreiter zur Seite. Auch Kapitän Hassan Amin weist als Linksverteidiger mit vier Toren und ebenso vielen Vorlagen einen stark ausgeprägten Offensivdrang auf.

Zuschauer: Zum Hinspiel am Donnerstag werden rund 20.000 Zuschauer erwartet, darunter etwa 3.500 aus Mannheim. Das Rückspiel ist mit knapp 24.000 Zuschauern, darunter 3.000 aus Uerdingen bereits nahezu ausverkauft.

Live-Übertragung: Das Hinspiel ist jeweils im Stream auf wdr.de und swr.de zu sehen, am Sonntag zeigen beide Sender die Partie im TV.

 

In der letzten Paarung treffen am Donnerstag (19 Uhr) und Sonntag (14 Uhr) mit dem SC Weiche Flensburg 08 und dem FC Energie Cottbus der Meister der Regionalliga Nord auf den Sieger der Staffel Nordost – und mit knapp 570 Kilometern auch die beiden am weitesten entfernten Relegationsteilnehmer aufeinander. Während Energie Cottbus mit sagenhaften 89 Punkten und so schlussendlich 31 Punkten Vorsprung auf Vizemeister Wacker Nordhausen schon frühzeitig das Ticket für die Relegation löste, mussten die Nordlichter aus Flensburg sich einen harten Zweikampf mit der Zweivertretung des Hamburger SV liefern, ehe man im Nachholspiel gegen den TSV Havelse mit einem 1:1 vor einer Woche die Qualifikation für die Aufstiegsspiele feiern durfte.

Der FC Energie Cottbus in der Spielzeit 2017/18 – er konnte einem schon Angst machen. Fast im Stile des großen FC Bayern München dominierte man die Regionalliga Nordost, gewann von 34 möglichen Partien 28 und kassierte nur eine einzige 2:1-Auswärtsniederlage beim ZFC Meuselwitz am 22. Spieltag. Mit 89 Punkten stellen die Lausitzer unter allen sechs Relegationsteilnehmern nicht nur die Mannschaft mit der höchsten Punktausbeute, sondern mit gerade einmal 14 Gegentreffern auch den stärksten Abwehrriegel. Dazu gesellen sich noch 79 eigene Treffer. Historisch gesehen pendelte der FC Energie zwischen 1997 und 2014 ganze 17 Jahre lang zwischen erster und zweiter Bundesliga, zwei weitere Jahre ging es danach in die dritte Liga. In der Saison 2015/16 folgte dann der bittere Absturz in die Viertklassigkeit, als die Rot-Weißen am letzten Spieltag abstiegen. Mit Björn Ziegenbein, Max Grundmann und Philipp Knechtel fehlen Chefcoach Claus-Dieter Wollitz drei Akteure.

Die Historie des SC Weiche Flensburg hingegen hält sich beschaulich. Dem Aufstieg in die fünftklassige Schleswig-Holstein-Liga im Jahr 2009 folgte in der Saison 2011/12 der nächste Schritt auf der deutschen Ligaleiter in die Regionalliga Nord. Seitdem ernährte sich das Eichhörnchen aus dem Norden mühsam, belegte Jahr für Jahr von Platz sieben an immer exakt einen höheren Rang. Und so darf sich der Sportclub in diesem Jahr über die beste Platzierung der Vereinsgeschichte und die Teilnahme an der Relegation freuen. Am Ende trennte die Flensburger genau ein Punkt vom HSV II, 61 Tore bei 25 Gegentreffern und 73 Punkte sollten für das das Duell gegen den Riesen aus Cottbus reichen. Wie im Fall des KFC Uerdingen müssen auch Flensburg und Cottbus am kommenden Donnerstag ausweichen, da das Manfred-Werner-Stadion in Flensburg nicht den Drittligabestimmungen genügt. Hierfür geht es ins Kieler Holstein-Stadion. Personell kann Übungsleiter Daniel Jurgeleit aus den Vollen schöpfen.

Spieler im Fokus: Beim SC Flensburg hofft man in allererster Linie auf Treffer von Topstürmer René Guder, der mit 16 Treffern mehr als ein Viertel aller SC-Tore markierte. Ihm zur Seite stehen Spielmacher Dominic Hartmann (acht Treffer, sechs Vorlagen) und Sturmpartner Nico Empen (sieben Treffer, acht Assists). Der FC Energie Cottbus hingegen verfügt mit Maximilian Zimmer (acht Tore, 16 Vorlagen), Marcelo Freitas (neun Treffer, fünf Vorlagen), Fabio Viteritti (13 Tore, zwölf Vorlagen) und insbesondere Topstürmer Streli Mamba (19 Tore, acht Vorlagen) über ein extrem torgefährliches Quartett, welches zusammen fast 50 der insgesamt 79 Tore in der Spielzeit 2017/18 erzielte.

Zuschauer: Rund 4.000 Cottbus-Fans werden am Donnerstag nach Kiel fahren, mit insgesamt 11.000 Zuschauern ist das Stadion ausverkauft. Das Rückspiel in Cottbus ist im Heimbereich mit 20.500 Zuschauern ebenfalls restlos ausgebucht.

Live-Übertragung: Der RBB zeigt das Hinspiel zunächst im Stream, das Rückspiel läuft dann im TV.

 

[box type="info"]Hinweis: liga3-online.de berichtet am Donnerstag und Sonntag jeweils im Live-Ticker[/box]

   
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