Aufstiegsrennen: Topteams straucheln, Verfolger rücken ran

Am vergangenen Spieltag haben die vier erstplatzierten Teams allesamt nicht gewinnen können und eröffnen damit den abgeschlagen geglaubten Verfolgern neue Möglichkeiten. Profitieren kann unter anderem ein Verein, der mit dem Zweitliga-Aufstieg nichts zu tun haben wird.

Wiederkehrende Erscheinung

Gefühlt können wir Jahr für Jahr den gleichen Text früher oder später hervorkramen – es ist eine wiederkehrende Erscheinung, dass die ersten Aufstiegsanwärter geballt in eine Schwächephase trudeln, die zur ernsthaften Herausforderung auf der Zweitliga-Mission wird. Aktuell befinden wir uns in genau diesem Zeitraum: Der MSV Duisburg hat zwei Spiele in Folge nicht gewonnen und zuletzt alarmierend schwach gespielt. Der FC Ingolstadt hat nach einer langen Serie von 13 Partien ohne Niederlage die Quittung für zuletzt immer mäßigere Auftritte erhalten und zweimal in Folge verloren, auch bei den Schanzern ist die Selbstverständlichkeit verloren gegangen. Wieso die SpVgg Unterhaching seit Wochen auf dem dritten Platz steht, ist anhand der Auftritte nicht zu erklären. Und auch Waldhof Mannheim, auf denen der geringste Druck lastet, hat mit Problemen zu kämpfen.

MSV stolpert überraschend

Bei den Zebras war bis zum Sonntag noch alles in Butter, auch das 1:1 im Heimspiel gegen Braunschweig schien verkraftbar – ja, zuhause sollte ein Spitzenreiter kurzen Prozess machen, aber das funktionierte im Jahr 2019 bekanntlich gut und gegen den BTSV lag es überwiegend an der Chancenverwertung. Das 0:1 in Zwickau aber war nichts anderes als schwach und eines Zweitliga-Anwärters unwürdig. Drei Punkte Vorsprung bleiben übrig, zudem kehrt am kommenden Wochenende im Spitzenspiel gegen Waldhof Mannheim der zuletzt gelbgesperrte Kapitän Moritz Stoppelkamp zurück. Beim MSV, der weiterhin fünf Punkte vor dem vierten Platz rangiert, dürfte ein befreiender Sieg genügen, um die Stimmung rasch wieder ins Positive kippen zu lassen.

Ingolstadt revidiert seinen Status

Die Lage ist beim FC Ingolstadt schon etwas diffiziler. Es ist zur Regelmäßigkeit geworden, dass Trainer Jeff Saibene relativierend über die Stärke seines Kaders spricht. "Wir sind nicht die Übermannschaft“, erklärte der frühere Coach von Arminia Bielefeld etwa nach der vermeidbaren 0:1-Niederlage gegen den KFC Uerdingen am Samstag, der ein 1:3 in Würzburg vorausgegangen war. Sollte der FCI dies aufgrund des hohen Personaletats nicht aber sein? Auf die erste wirkliche überzeugende Leistung des Jahres warten die Schanzer-Fans jedenfalls weiter – und die straften ihre Spieler schon am Wochenende mit Nichterscheinen ab: 5.000 Besucher kamen nur in den Audi-Sportpark. So wenige wie nie in dieser Saison und fast 2.000 weniger als im Saisondurchschnitt. Ingolstadt muss aufpassen.

Haching langweilt seine Zuschauer

Wer zur SpVgg Unterhaching geht, im Vorfeld auf die Tabelle und vielleicht noch auf die starken Ergebnisse der Vorsaison schaut, der wird derzeit mächtig enttäuscht. Heimspiele werden zunehmend zu Langweilern, in sechs der vergangenen acht Partien vor eigenem Publikum teilten die Süddeutschen die Punkte. Und das sogar manches Mal schmeichelhaft. Aber: So verwunderlich das nach den gezeigten Leistungen scheinen mag, in der Rückrundentabelle ist kein Spitzenteam besser als Haching, das neun Punkte aus fünf Begegnungen holte. Mehr als fraglich ist aber, ob der biedere Fußball der jüngsten Spiele, der einen echten Rückschritt im Vergleich zur Hochphase der Vorsaison bedeutet, tatsächlich für einen Zweitliga-Aufstieg genügt.

Waldhof, das Heimspiel-Rätsel

Waldhof Mannheim schließlich bleibt in den Heimspielen ein Rätsel: Zuletzt mühte sich der SVW gegen den Letzten aus Jena in der Nachspielzeit zu einem 1:1-Remis, in der Heimtabelle belegt der starke Aufsteiger mit 15 Punkten aus zwölf Spielen nur den 15. Platz. Umso überraschender, als dass Mannheim auswärts unbesiegbar ist: Im Punktspielbetrieb gab es die bislang letzte Pleite in der Fremde im Mai 2018 bei Viertligist Ulm, der Traum von zwei Spielzeiten (!) ohne Auswärtsniederlage lebt weiter. Und dann schwebt da ja noch der mögliche Durchmarsch in die 2. Bundesliga über dem Carl-Benz-Stadion, die Erwartungshaltung bei den Buwe wird nicht kleiner. Da passt es aktuell nicht ins Bild, dass einige Stammspieler offenbar künftig für weniger Geld neue Verträge unterschreiben sollen, weil gespart werden muss. Der Stimmung förderlich kann das nicht sein.

Verfolger rücken ran

Im breit gestreuten Verfolgerfeld lauern diverse Klubs darauf, dass diverse Favoriten weiterhin straucheln. Eintracht Braunschweig etwa ist plötzlich wieder mitten drin im Geschäft und hat nur noch drei Punkte Rückstand auf Ingolstadt und Unterhaching. Und das, obwohl die Löwen bis zum vergangenen Wochenende sechsmal in Folge sieglos geblieben waren. Zwei Siege nacheinander genügten auch dem KFC Uerdingen, um sich mit fünf fehlenden Zählern im Rückspiegel der ersten Drei zu positionieren. Auch SV Meppen, 1860 München und Hansa Rostock (allesamt sechs Zähler Rückstand) dürfen weiter hoffen.

Am wahrscheinlichsten erscheint wegen der beeindrucken Form aber, dass ein Team in die Spitzengruppe stößt, das in jedem Fall nicht aufsteigen wird: Der FC Bayern II pflügt mit vier Erfolgen am Stück nur so durch das Mittelfeld und spielt seine individuelle Klasse derzeit gnadenlos gut aus. Weil Zweitvertretungen aber nach wie vor höchstens in der 3. Liga antreten dürfen, kann die taumelnde Spitze zumindest diesem Gegner weniger Beachtung schenken.

   
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