Aufstiegsrennen in der Regionalliga: Wer derzeit vorne liegt

Während die 3. Liga am Wochenende pausierte, wurde in den meisten Regionalligen weitergespielt. liga3-online.de wirft einen Blick auf die fünf Staffeln und zeigt, wer im Aufstiegsrennen derzeit die Nase vorne hat.

Nord: Vierkampf um die Spitze

Zwei Jahre lang gab es in der Regionalliga Nord eine zweigeteilte Staffel, die eine Meister- und eine Abstiegsrunde ausspielte. Dieses Jahr sind die Mannschaften im hohen Norden zum altbewährten System zurückgekehrt – sodass sich 19 Mannschaften Auge in Auge gegenüberstehen. Den besten Start erwischte dabei die SV Drochtersen/Assel, die schon Werder Bremen, den Hamburger SV und Hannover 96 ausgeschaltet hat. Natürlich jeweils die Zweitvertretungen. Mit 22 Punkten nach elf Spielen steht der niedersächsische Klub vom 26-jährigen Cheftrainer Frithjof Hansen somit an der Spitze – doch die engsten Verfolger haben noch Spiele offen.

Im zweiten Jahr nach dem Drittliga-Abstieg ist der VfB Lübeck als einziges Team der Nord-Staffel noch ohne Niederlage – dazu gab es erst sechs (!) Gegentore. Die Lohmühle lauert daher bereits mit 21 Punkten aus neun Spielen hinter dem Spitzenreiter und könnte sich bereits früh in die Favoritenrolle begeben, die im Vorfeld der Saison auch an die Lübecker ausgesprochen wurde. Auch der SC Weiche Flensburg (19 Punkte/zehn Spiele) und der SSV Jeddeloh II (18 Punkte/neun Spiele) sind ernstzunehmende Kandidaten. Aber die Liga ist ausgeglichen: Bis Platz 14 sind es gerade einmal sechs Punkte, daher kann das Tabellenfeld noch ordentlich durcheinander geraten. Keine Rolle im Aufstiegskampf spielt jedoch der TSV Havelse, der mit neun Zählern zurzeit auf dem vorletzten Platz rangiert. Vor einer Woche wechselte der Drittliga-Absteiger bereits den Trainer.

Nordost: Heißer Tanz ist zu erwarten

War das spannend, als sich der BFC Dynamo in den vergangenen Aufstiegsspielen nur ganz knapp dem VfB Oldenburg geschlagen geben musste. Der Ärger bei den Berlinern war im Nachgang bekanntermaßen groß – und der Zauber scheint mit dem Misserfolg zusammen verflogen zu sein. Die Nordost-Staffel hat zwar gerade erst den 6. Spieltag bestritten, doch der Vorjahres-Meister steht mit fünf Punkten nur auf Platz 13. Mit derselben Punktzahl, aber dem schlechteren Torverhältnis, rangiert ein weiterer Berliner Klub direkt dahinter – nämlich der FC Viktoria Berlin, der letztes Jahr noch mit zwei 4:0-Siegen gegen die späteren Aufsteiger aus Kaiserslautern und Braunschweig einen Traumstart in der 3. Liga hingelegt hatte. Am kommenden Freitag treffen beide Klubs im Krisengipfel aufeinander.

Wesentlich besser läuft es beim Berliner AK, der sich mit dem Abschied von Cheftrainer André Meyer (Hallescher FC) im vergangenen Winter noch aus dem Aufstiegsrennen katapultierte. Nun ist der Klub aus Berlin-Moabit mit 15 Punkten aus sechs Spielen zurück an der Tabellenspitze – doch der Start verspricht ein enges Rennen. Denn der FC Carl Zeiss Jena, die VSG Altglienicke und der SV Babelsberg sind jeweils nur einen Punkt hinter dem BAK, noch dazu gab es bislang nur ein einziges direktes Duell zwischen den vier Klubs – ein Remis zwischen Altglienicke und Babelsberg. Schon jetzt verspricht das einen extrem heißen Tanz in der Nordost-Staffel, zumal auch Rot-Weiß Erfurt und Lok Leipzig (je elf Punkte) sowie Energie Cottbus und Chemie Leipzig (je zehn Punkte) lauern. Am Ende duelliert sich der Nordost-Meister dann in der Relegation mit dem Bayern-Champion.

West: Preußen Münster erfüllt die Favoritenrolle

Im Westen nichts Neues? Doch! Zum ersten Mal seit Jahren mischt Rot-Weiss Essen nicht mehr im Aufstiegsrennen der Regionalliga West mit, sodass das Teilnehmerfeld ausgeglichener denn je wirkt. Oder etwa nicht? Zumindest der SC Preußen Münster hat sich erwartungsgemäß die Favoritenrolle geschnappt und steht schon jetzt mit 22 Punkten an der Tabellenspitze. Nach neun Spieltagen sind das bereits vier Zähler Vorsprung – die 2:4-Niederlage im vergangenen Traditionsduell mit Alemannia Aachen war die erste Pleite nach 22 Pflichtspielen für das Team von Sascha Hildmann, der die Adlerträger schon vor drei Jahren beim Drittliga-Abstieg coachte. Bereiten sie nun gemeinsam die Rückkehr vor?

Die vermeintlichen Topteams der Liga – Oberhausen, Wuppertal und Fortuna Köln – tun sich im bisherigen Saisonverlauf nicht leicht und sind im oberen Tabellendrittel daher bislang nicht vertreten. Stattdessen wird der SV Rödinghausen mit 18 Punkten als erster Verfolger gelistet – der West-Meister von 2019/20, der damals auf den Aufstieg verzichtete, ist wieder in Form. Genauso, wie auch der Aufsteiger 1. FC Kaan-Marienborn. Gemeinsam mit dem 1. FC Düren, der ebenfalls neu in der Spielklasse ist, begeistern die Siegerländer zurzeit die Liga. Dazwischen steht noch der FC Schalke 04 II mit 16 Punkten. Wer jedoch zum ernsthaftesten Konkurrenten der Münsteraner reift, wird sich noch zeigen müssen.

Südwest: Bekannte Gesichter streiten um Platz 1

In der Südwest-Staffel will man als neutraler Beobachter beinahe von einem gewohnten Bild sprechen, obwohl die Saison ja gerade erst gestartet ist. Doch mit der SSV Ulm steht nach neun Spielen wieder einmal ein bekanntes Gesicht an der Tabellenspitze – und mit 23 Punkten ist die Ausbeute der Spatzen auch beachtlich. Doch wieso eigentlich "wieder einmal"? Weil natürlich im Südwesten wieder eine große Anzahl der üblichen Verdächtigen um den festen Aufstiegsplatz der Staffel mitspielen. So ist es auch kaum verwunderlich, dass mit dem FC 08 Homburg (21 Punkte) und dem 1. FSV Mainz 05 II (18 Punkte) zwei bekannte Gesichte oben dabei sind – und die Mainzer haben sogar noch ein Spiel offen.

Etwas überraschender ist, dass dahinter die SG Barockstadt als Aufsteiger mit 17 Punkten lauert. Die ganz große Bekanntheit hat noch kein Kicker im Kader von Cheftrainer Sedat Gören, der den Klub aus der Hessenliga in die Südwest-Staffel coachte – doch daran arbeiten die Jungs aus Fulda-Lehnerz gerade ganz kräftig. Und apropos bekannte Gesichter: Auch der TSV Steinbach Haiger (16 Punkte) und die Kickers Offenbach (14 Punkte) wollen in diesem Jahr wieder mitmischen, um den Traum von der 3. Liga zu erfüllen – die Offenbacher haben bereits ihren Cheftrainer gewechselt, um den Rückstand schnellstmöglich aufzuholen. Steinbach dagegen musste wechseln, weil es Ersan Parlatan ins Trainerteam des 1. FC Nürnberg zog.

Bayern: Würzburg oder Unterhaching?

In der Regionalliga Bayern steht bereits der 14. Spieltag an, sodass die Staffel im Freistaat schon jetzt am Weitesten ist und daher wohl das aussagekräftigste Tabellenbild abzeichnet. Gleich zwei Absteiger der letzten Drittliga-Saison geben sich hier die Klinke in die Hand – wobei die Würzburger Kickers nach einem katastrophalen Jahr nun wieder in der Spur sind. Gerade einmal sechs Akteure aus dem Abstiegskader blieben am Dallenberg, sodass Cheftrainer Marco Wildersinn einen kompletten Neuaufbau zu managen hatte. Obwohl die Würzburger mit zwei Spielen ohne Sieg in die Saison starteten, stehen mittlerweile 46 Tore (!) auf dem Papier – das sind im Schnitt über drei Tore pro Partie. Der erste Platz mit 29 Punkten ist daher die logische Konsequenz.

Trotz Offensivfeuerwerk ist der FWK natürlich längst nicht durch. Ein Start-Ziel-Sieg ist nämlich nicht zu erwarten, denn punktgleich steht die SpVgg Unterhaching von Cheftrainer Sandro Wagner hinter den Dallenbergern. Es zeichnet sich scheinbar früh ab, dass das Aufstiegsrennen zwischen diesen beiden Teams entschieden werden könnte. Wacker Burghausen (24 Punkte) rangiert dahinter schon mit etwas Rückstand auf dem dritten Rang, während beispielsweise der FC Bayern München II (19 Punkte) und der 1. FC Schweinfurt (18 Punkte) im Tabellenmittelfeld feststecken. Und was macht eigentlich Türkgücü München, der zweite Absteiger? Ganz so viel verbrannte Erde, wie es in der Vergangenheit bei finanziellen Abstiegen der Fall war, wurde in der bayrischen Landeshauptstadt wohl nicht hinterlassen. Bei 20 Punkten hat Türkgücü zum Start einen sicheren siebten Platz erspielt.

   
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