Aufstiegskampf-Prognose: Wer schafft den Sprung?

Ohne Pause rattert die 3. Liga unermüdlich dem Saisonende entgegen und biegt spätestens am kommenden Wochenende endgültig auf die Zielgerade ein: Das letzte Viertel der Spielzeit ist angebrochen – und dennoch gibt es Teams, für die sowohl Auf- als auch Abstieg in der Theorie noch möglich sind. liga3-online.de befasst sich in zwei ausführlichen Analysen mit der oberen sowie unteren Tabellenhälfte: Wer besitzt im Rennen um den Klassenerhalt gute Karten, wer ist Aufstiegsfavorit? Wer kann in den letzten Spielen auftrumpfen und wer droht, spät einzubrechen? Im zweiten Teil blicken wir auf die obere Tabellenhälfte und insbesondere auf jene Teams, die sich noch große Hoffnungen auf die 2. Bundesliga machen können.

Unangefochten auf dem ersten Tabellenplatz steht der MSV Duisburg, der satte acht Punkte Vorsprung auf die Nichtaufstiegsränge aufweist. Dabei verlief die Rückrunde bisher immer wieder etwas holprig, speziell das Erzielen von Toren fiel manches Mal schwer. Das magische Ergebnis aus Zebra-Perspektive lautet jedoch 3:2 – gegen Preußen Münster drehte die Elf von Ilia Gruev in der Schlussphase einen 1:2-Rückstand, gegen Rot-Weiß Erfurt wurde ein 0:1 in dieses Ergebnis umgewandelt und beim Chemnitzer FC erholte sich Duisburg abermals von einem 1:2-Zwischenstand. Wer solche Spiele gewinnt, der steigt auf! Ohne Wenn und Aber. Gratulation an Duisburg, das sich die letzten zehn Punkte in neun Spielen nicht mehr nehmen lassen wird.

Die Prognose: Der MSV Duisburg wird am Ende der Spielzeit einen der beiden Aufstiegsränge belegen und sich im Normalfall zum Meister der 3. Liga küren. Das ist einerseits auf eine sehr gute, wenn auch nicht fehlerlose Saison zurückzuführen – andererseits auf die schwache Konkurrenz, die einfach keinen konkurrenzfähigen Punkteschnitt auf die Beine stellen kann. Platz 1-2

 

Auch nach 29 Spieltagen treibt sich der 1. FC Magdeburg in sonnigen Gewässern der Liga umher – unheimlich ist das längst nicht mehr, sondern die gesunde Realität. Der FCM und Trainer Jens Härtel befinden sich trotz aller Bescheidenheit mitten im Aufstiegsrennen, haben noch neun Endspiele um den zweiten Platz vor sich. Die Konkurrenz stolperte bisher, ist aber nominell nicht zu unterschätzen: Vor allem Holstein Kiel und der VfL Osnabrück können Magdeburg noch gefährlich werden. Da das Restprogramm aus zahlreichen Mittelfeldteams besteht, könnte der Fußballclub einen entscheidenden Vorteil besitzen. Ob dies am Ende reicht, um den Aufstieg zu feiern? Nuancen werden entscheiden, die Elbstädter haben sich in eine sehr gute Ausgangsposition manövriert.

Die Prognose: Magdeburg ist einer der drei heißesten Anwärter für den zweiten sowie dritten Platz, der direkte Aufstieg in die 2. Bundesliga ist greifbar. Befördert sich der FCM souverän durch das lösbare Restprogramm, stehen die Chancen ziemlich gut! Platz 2-4

 

Aus dem VfL Osnabrück wird unsereins nicht schlau. Tatsächlich wurde vor wenigen Wochen noch die Entlassung des Trainers gefordert, nach fünf Niederlagen aus sechs Spielen war die Geduld aufgebraucht. Nur zwei Erfolge später sind die Niedersachsen wieder mittendrin im Rennen – die Unberechenbarkeit pur an der Bremer Brücke. Ist der VfL jetzt zum x-ten Mal ein Anwärter für die vorderen Ränge oder nicht? Wir behaupten: Abwarten. Seriös ist das nicht abzuschätzen. Viel Leidenschaft und Wille steht manches Mal spielerischer Magerkost gegenüber, immer noch fehlt die Kreativität im Mittelfeld. Ob der Aufstieg auch ohne möglich ist? Ja, man denke etwa an Erzgebirge Aue im letzten Jahr. Osnabrück bleibt dran.

Die Prognose: In den vordersten Startlöchern steht die Elf von Joe Enochs zwar nicht, aber das Erreichen des Relegationsplatzes ist noch möglich. Mit Blick auf die Rückrundenergebnisse besitzt jedoch Holstein Kiel die leicht besseren Karten. Platz 3-6

 

Irgendwann setzte sich Holstein Kiel urplötzlich in den Kopf: Wir wollen in die 2. Bundesliga, und das um (fast) jeden Preis. Als es in der Saison 2014/15 nach einer sensationellen Spielzeit in der Relegation aufgrund berüchtigter Schlussminuten nicht funktionierte, rüsteten die Störche mächtig auf und stellen nun zum zweiten Mal in Folge einen der prominentesten Kader der Liga. Das ist teuer, war bisher aber nicht effektiv genug. Anders kann es in diesem Jahr laufen: Kiel ist mit dabei, auch wenn die Konstanz noch fehlt. Der Sieg über Spitzenreiter MSV Duisburg hat das Potenzial untermauert, zuhause läuft es an der Ostsee ohnehin wie geschmiert. Nur auswärts muss die KSV noch zulegen – dann aber wird er noch eine gewichtige Rolle um den zweiten Platz spielen, davon ist auszugehen.

Die Prognose: Holstein Kiel besitzt die individuelle Klasse, um ganz oben mitzuspielen. Diese durch mannschaftliche Geschlossenheit in Erfolg umzuformen, gelingt mittlerweile regelmäßig. Das Potenzial, sich in der Schlussphase nochmals um die entscheidenden Prozente zu steigern, ist vorhanden. Kiel ist neben Magdeburg heißester Kandidat für den zweiten Tabellenplatz. Platz 2-5

 

Nun wird die Rechnung freilich komplizierter – der VfR Aalen ist noch Fünfter, bekommt jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit neun Punkte abgezogen und grüßt dann plötzlich nur noch aus dem hinteren Mittelfeld. 35 Zähler hätten die Württemberger dann noch auf dem Konto, der Klassenerhalt ist noch nicht in trockenen Tüchern. Lange spielte der VfR über seinen Möglichkeiten, doch die 1:2-Niederlage in Münster könnte ein kritisches Saisonfinale eingeläutet haben, denn noch immer ist der Kader in der Breite viel zu dünn besetzt. Rutscht Aalen jetzt in eine Krise, kann es tatsächlich noch einmal eng werden – einzig und allein aufgrund des Insolvenzantrags.

Die Prognose: Beim VfR hängt fast alles von der kommenden englischen Woche ab. Eine Niederlage in Lotte würde schmerzen, die darauffolgenden Partien gegen Köln und Zwickau sind nicht minder wichtig. Behält Aalen den Kopf oben, wird der Ligaverbleib gelingen. Sicher ist das noch nicht! Platz 14-17

 

Jahn Regensburg ist Aufsteiger Nummer Eins in der oberen Tabellenhälfte. Spielte einen grandiosen Saisonstart und eine saubere Rückserie – bis zur 1:2-Niederlage gegen den VfL Osnabrück, die ziemlich vermeidbar war. Mehr als das Verfolgerfeld ist aktuell nicht drin, obgleich dies für den letztjährigen Regionalligisten einen dicken Erfolg darstellt. Die Ostbayern bleiben bescheiden, angreifen können sie schließlich auch noch im nächsten Jahr. Eine Überraschung ist freilich noch im Bereich des Möglichen, realistisch aber ist eher ein Beibehalten der aktuellen Bilanz mit leichter Tendenz nach unten.

Die Prognose: Jahn Regensburg sortiert sich in der oberen Tabellenhälfte ein, können vielleicht noch eine Weile im Kontakt mit den Aufstiegsplätzen verbleiben. Damit können die Süddeutschen absolut zufrieden sein. Platz 5-8

 

Der Rasen im heimischen Stadion – er könnte die Sportfreunde Lotte eine noch bessere Saison kosten. Die letzten Spiele zeigen: Der Tank ist allmählich leer, die wöchentlichen Doppelspieltage und kräftezehrenden Partien rauben den SFL die Stärke. Chemnitz, Dortmund, Großaspach, Kiel – vier englische Wochen in Serie haben die Sportfreunde Lotte schon hinter sich, inklusive dem Landespokal werden zwei weitere folgen. Das ist mit einem dünnen Kader, der zudem hin und wieder noch von Verletzungspech gebeutelt werden, nur schwer zu stemmen. Ein, zwei Siege sind im Rest der Spielzeit wohl das Höchste der Gefühle, Ausreißer nach oben sind nicht mehr drin.

Die Prognose: Die Sportfreunde Lotte zollen dem hohen Aufwand Tribut und ordnen sich schlussendlich im Mittelfeld der Tabelle ein – der Klassenerhalt gerät nicht mehr in Gefahr, nach oben hin werden auch keine Bäume mehr ausgerissen. Platz 8-11

 

Als Anhänger des Halleschen FC ließe sich aktuell hervorragend schwarzärgern. Die Rückrunde verläuft völlig unspektakulär, fast schon langweilig – und noch immer sind die Aufstiegsplätze zumindest in Sichtweite. Was wäre mit ein paar Punkten mehr in den letzten Wochen möglich gewesen! Irgendwie fehlt Halle jedoch der letzte Punch, um mit einer Serie ins obere Drittel vorzupreschen. Über den Knackpunkt muss nicht groß philosophiert werden, ihn kennt die ganze Liga: Offensiv läuft auch im Jahr 2017 nichts zusammen, sechs Tore in zehn Auftritten sind eher abstiegs- denn aufstiegsreif.

Die Prognose: Irgendwie ist dem Halleschen FC eine kurzfristige Erfolgsstory noch immer zuzutrauen, dafür aber braucht es einen überraschenden Erfolg – beispielsweise am Wochenende in Zwickau. Verläuft die englische Woche ebenso fad und geschmacklos wie das ganze Jahr 2017, dann verbleibt Halle irgendwo im oberen Mittelfeld. Platz 4-7

 

Welche Auswirkungen hat ein verpasster Aufstieg beim finanziell trudelnden Chemnitzer FC? Das wird die 3. Liga aller Voraussicht nach im kommenden Sommer erfahren, denn die Westsachsen verspielen in diesen Wochen den Traum vom Aufstieg. Der Rückstand auf Platz 2 beträgt sieben Zähler plus ein schlechteres Torverhältnis, das ist ein mächtiges Brett. Chemnitz und Trainer Sven Köhler machen schlichtweg nicht den Eindruck, regelmäßig wie ein Aufsteiger aufspielen zu können – daran scheitert es trotz individueller Künstler wie Anton Fink oder Daniel Frahn.

Die Prognose: Chemnitz hat seine Chance vertan und beendet die Spielzeit auf einem beliebigen einstelligen Tabellenrang, jenseits von Gut und Böse. Platz 6-9

 

Wenn kleine Vereine Großes leisten, fällt das nicht immer auf. Oliver Zapel leistet in Großaspach seit Saisonbeginn jedoch richtig gute Arbeit, die nur selten gewürdigt wird. Wieder hat die SGS nichts mit dem Abstieg zu tun, befindet sich im gesicherten Mittelfeld. Mehr wird nicht erwartet, mehr war auch nie erwartet worden. Das ist Großaspach, das ist der „Dorfklub“ der 3. Liga, für den diese Spielklasse weiterhin der größte Vereinserfolg bleibt.

Die Prognose: Großaspach verlebt den wohl ruhigsten Zielspurt aller Klubs und trudelt im Mittelfeld ein. Eine starke Saison! Platz 8-11

 

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