Abstiegskampf-Prognose: Wer muss runter? Wer rettet sich?

Ohne Pause rattert die 3. Liga unermüdlich dem Saisonende entgegen und biegt spätestens am kommenden Wochenende endgültig auf die Zielgerade ein: Das letzte Viertel der Spielzeit ist angebrochen – und dennoch gibt es Teams, für die sowohl Auf- als auch Abstieg in der Theorie noch möglich sind. liga3-online.de befasst sich in zwei ausführlichen Analysen mit der oberen sowie unteren Tabellenhälfte: Wer besitzt im Rennen um den Klassenerhalt gute Karten, wer ist Aufstiegsfavorit? Wer kann in den letzten Spielen auftrumpfen und wer droht, spät einzubrechen? Den Anfang macht die untere Tabellenhälfte, die sich zunächst einzig und allein auf den Ligaverbleib ausrichtet.

Was für eine Serie hat der FSV Zwickau seit Wiederbeginn im Januar an den Tag gelegt! Sieben Siege, zwei Remis, eine Niederlage – das ist die beste Rückrundenbilanz der gesamten 3. Liga, und zwar mit Abstand. Wie auch immer Coach Torsten Ziegner diese Prozente aus einer Mannschaft herausgeholt hat, mag an Magie grenzen: Fast jeder Spieler erreicht sein höchstes Leistungsniveau und nicht wenige kicken sogar über ihrem Limit. Man denke etwa an Ronny König, der in seiner langen Karriere plötzlich zum echten Goalgetter wird und Zwickau damit wichtige Punkte sichert. Sah es im Dezember noch ganz düster aus, leuchtet über Sachsen aktuell buchstäblich die Sonne.

Die Prognose: Der FSV Zwickau besitzt schon jetzt sensationelle neun Punkte Vorsprung auf das rettende Ufer und gibt diese nicht mehr her. Stattdessen kann sogar der Sprung in die obere Tabellenhälfte gelingen. Die für den Klassenerhalt voraussichtlich notwendigen 45 Punkte sollten die Ostdeutschen schon im April knacken. Platz 8-11

 

Fortuna Köln spielt weiß Gott keine berauschende Rückrunde, ganz im Gegenteil: Viel unauffälliger als die Domstädter lässt es sich in der 3. Liga kaum leben, kaum überleben. Aber Köln ist aktuell gesichert, der Vorsprung ist acht Punkte groß – eben, weil im Tabellenkeller einige Teams auf der Strecke blieben und der im Herbst angesammelte Winterspeck dick genug ist. Zufrieden ist Trainer Uwe Koschinat mit der mageren Bilanz von elf Zählern aus neun Spielen in der Rückserie gewiss nicht, aber das Verfehlen des Ligaverbleibs ist am Südstadion nach aktuellem Stand ein sehr unrealistisches Szenario.

Die Prognose: Fortuna Köln reißt auch in den letzten Wochen der Saison keine Bäume mehr aus, verliert möglicherweise noch einige Positionen. Stürzen die Fortunen aber nicht völlig ab, und darauf deutet aktuell auch nicht viel hin, dann darf sich Köln frühzeitig ein weiteres Jahr Drittligist nennen. Platz 13-15

 

Wo stand der SC Preußen vor einigen Wochen und wo steht er heute: Drei Siege in Serie taten der Seele gut, die negative Überraschung der bisherigen Saison scheint sich allmählich zu berappeln. Routinier Benno Möhlmann beschwor mit seiner ruhigen Art und all der Erfahrung offensichtlich neue Kräfte, formte ein konkurrenzfähiges Team. Gesichert ist der Sportclub zwar noch nicht, aber der Trend spricht eindeutig für Schwarz-Weiß-Grün. Wichtig sind die kommenden Duelle mit dem SV Wehen Wiesbaden sowie den Sportfreunden Lotte – springen dort mindestens vier Zähler heraus, dann ist selbst die obere Tabellenhälfte gar nicht mehr weit entfernt.

Die Prognose: Preußen Münster hält seinen Kurs und kann vor den letzten Spieltagen bereits durchatmen. Das Minimalziel Klassenerhalt wird gefestigt, schlussendlich landet der SCP im oberen Abschnitt der unteren Tabellenhälfte. Platz 11-14

 

Remis, Remis, Remis, Remis, Remis, Remis, Remis – sieben Stück in der Rückserie, das muss erst einmal jemand nachmachen! Hansa Rostock wählt die Kohlsuppen-Diät für seine Anhänger, knabbert sich langsam und wenig schmackhaft voran. Dass ganz nebenbei eigentlich noch der Sprung ins Verfolgerfeld gelingen sollte und diverse Wintertransfers nicht eingeschlagen sind, kann aber nicht ignoriert werden – auch die Saison 2016/17 wird an der Ostsee in einer Enttäuschung enden.

Die Prognose: Hansa ist individuell viel zu stark besetzt, als dass der Klassenerhalt noch in Gefahr geraten kann. Aber was sagt das in der entscheidenden Phase der Saison noch aus? Die Rechnung ist leicht: Gelingt in den nächsten drei Partien endlich ein Sieg, dann groovt sich die Kogge wenigstens noch in Richtung Mittelfeld. Klappt das nicht, kann es eng werden… Platz 13-16

 

Wie wichtig der März für Rot-Weiß Erfurt war, wird man am Steigerwald erst im Mai dieses Jahres wissen. Stefan Krämer und Co. holten wichtige Punkte gegen den VfL Osnabrück und noch wichtigere auswärts in Paderborn, das war Gold wert! Fünf Zähler beträgt der Vorsprung jetzt, vier sind es um das Torverhältnis bereinigt – viel ist das nicht. Schafft RWE den Ligaverbleib tatsächlich, wäre es eine mächtige Knauserei gewesen: 24 Tore in 29 Spielen bedeuten Ladehemmung pur. In Thüringen würde das am Ende natürlich niemanden mehr interessieren.

Die Prognose: Bisher schaffte Erfurt in jeder Drittliga-Saison früher oder später den Klassenerhalt, wirklich eng wurde es meist nicht. Dieses Jahr kann das anders werden, muss aber nicht. Kaum ein Team ist schwerer einschätzbar als RWE, weil oft ein einziges Tor entscheidet. Die Tendenz deutet aktuell eher zur 3. Liga, solange die Konkurrenz schwächelt. Platz 15-18 

 

Der SV Wehen Wiesbaden – noch so eine Mannschaft, die schon längst totgesagt war. Dann kam Rüdiger Rehm und reihte wie Phönix aus der Asche vier Erfolge an eine hübsche Perlenkette, beförderte den SVWW damit aus dem Gröbsten hinaus. Aufgrund eines Nachholspiels besitzt Wiesbaden zehn Spiele, um die nötigen zehn bis elf Punkte für den Klassenerhalt zu holen. Glaubt man der Rückrundenform, wird das klappen, auch weil die Hessen spielerisch wieder überzeugen – obgleich die großen Spektakel mit vielen Treffern noch ausbleiben.

Prognose: Wehen Wiesbaden meistert den Klassenerhalt zwei bis drei Spieltage vor dem Ende, ein wirkliches Bangen stellt sich nicht mehr ein. Vielleicht wird sogar die Marke von 50 Punkten noch geknackt. Platz 11-14

 

In Bremen zeigt der Trend zuletzt wieder nach unten, zwei Niederlagen in Folge bringen den akuten Abstiegskampf zurück. Noch beträgt das Polster vier Zähler, ein Nachholspiel gegen Wehen Wiesbaden haben die Nordlichter ebenso in petto. Dass ein neuerlicher Tanz auf der Rasierklinge bevorstehen würde, ahnten viele schon vor der Spielzeit – selbst mehrere Leihgaben aus der Bundesliga-Mannschaft konnten das nicht völlig verhindern. Auch weil sich Bremen aber nochmals verstärken kann, ist ein Abstieg in die Regionalliga unwahrscheinlich. Irgendwie wird sich die SVW-Reserve wohl noch retten, so der Tenor in der Liga.

Prognose: Werder Bremen II ist noch nicht durch und immer wieder für positive wie negative Überraschungen gut. Verlaufen die letzten Wochen schwach, wird das Nervenkostüm der jungen Kicker strapaziert und ein Abrutschen ist möglich. Platz 15-18

 

Wir begeben uns mitten in die dramatische Zone, die mit dem ersten Problemkind beginnt: Dem FSV Frankfurt, der in der letzten Woche eigentlich schon kollabiert war: Sechs Punkte Rückstand aus sportlicher Sicht, ein hoher Berg Schulden und der Rücktritt des gesamten Präsidiums – die künstliche Beatmung wurde gestartet und funktionierte mit drei Punkten gegen Lotte außerordentlich gut. Geht es so weiter, kann Gino Lettieri den Anschluss noch finden. Alles hängt von den Endspielen gegen Köln, Zwickau und allen voran den SC Paderborn am übernächsten Wochenende ab.

Prognose: Aktuell spricht wenig für Frankfurt, aber die 3. Liga ändert ihr Gesicht von Tag zu Tag. Es wäre nicht verwunderlich, wenn auch die Bornheimer nochmals zwei, drei Siege aneinanderreihen und zur breiten Konkurrenz aufschließen. Der (sportliche) Klassenverbleib ist längst nicht außer Sicht. Platz 16-19

 

Drei Abstiege in Folge? Der SC Paderborn befindet sich auf einem beängstigenden Weg und muss sich von Woche zu Woche mehr mit diesem Szenario auseinandersetzen. Selbst ein 1:1-Remis in Rostock, das unter normalen Umständen immer als kleiner Gewinn angesehen werden kann, half den Ostwestfalen zuletzt nach zuvor sechs Pleiten in Serie kein Stück weiter: Sechs Punkte gilt es aufzuholen, das hat in acht Drittliga-Jahren noch kein Verein geschafft. Nun sind Jagden auf das rettende Ufer für Paderborn in den letzten Jahren nichts Neues, bisher funktionierte jedoch noch keine einzige. Die größte Hoffnung ist das Restprogramm, das mit vielen direkten Duellen aufwartet.

Die Prognose: Wie soll sich Paderborn noch retten? Nur eine Siegesserie hilft, aber die ist zu stemmen: Großaspach, Halle, Frankfurt, Aalen, Lotte, Köln – so lauten die nächsten Herausforderungen. Drei bis vier Siege sind aus diesem Potpourri Pflicht, sonst kommt jede Hilfe zu spät. Platz 17-19

 

Auf einer merkwürdigen Position hat sich der FSV Mainz 05 II eingenistet: Stetig ist die Reserve Letzter, spielt dabei allerdings eine mindestens akzeptable Rückrunde. Mehr als die Rolle des ewigen Zuschauers war Mainz nicht vergönnt, der Abstand beträgt aktuell satte neun Punkte. Seien wir ehrlich: Ein weiteres Jahr in der 3. Liga wäre eine einzige Sensation für die Nullfünfer. Wahrscheinlicher ist, dass die Spielklasse in der kommenden Saison ein Nachwuchsteam weniger aufweist.

Die Prognose: Kettet Mainz nicht schnell Erfolge aneinander, ist der Abstieg nicht zu vermeiden. Dafür fehlt der jungen Elf von Sandro Schwarz aber die Konstanz. Diese herzustellen ist angesichts der personellen Fluktuation im Kader eine Herkulesaufgabe, an der die Mannen vom Bruchweg in dieser Saison aller Voraussicht nach scheitern werden. Platz 19-20

   
Back to top button