Aufhören oder weiterkämpfen? Der VfR Aalen bleibt stur

Und wieder nichts – und wieder folgt der Einspruch: Sich mit Entscheidungen nicht abzufinden ist aktuell populärer denn je, auch und vor allem in der 3. Liga. Während der FSV Frankfurt in erster Instanz protestiert, hat der VfR Aalen mittlerweile drei DFB-Gerichte erfolglos durchlaufen und will nun vor das Ständige Schiedsgericht ziehen. Ein Kommentar.

Auch nach drei Monaten noch kein endgültiges Urteil

Ja, noch immer spielt der VfR eine grandiose Spielzeit und steht zurecht in der bereinigten Tabelle auf dem dritten Platz. Noch immer besäße Aalen damit gute Chancen auf eine Rückkehr in die 2. Bundesliga, die viele finanzielle Sorgen lockern würde. An der sportlichen Berechtigung gibt es spätestens nach dem 2:1-Erfolg über Spitzenreiter MSV Duisburg kaum noch Zweifel, das hätten sich die Mannen der Ostalb um ihren akribischen Trainer Peter Vollmann durchaus verdient. Es sind die Schulden in Höhe von rund dreieinhalb Millionen Euro und eine Steuernachzahlung in Höhe von 500.000 Euro, die dem einen Riegel vorschieben. Es ist der daraus resultierende Insolvenzantrag, der mittlerweile fast drei Monate alt ist – aber noch immer keinen endgültigen Neun-Punkte-Abzug nach sich zog. Aalens stetige Einsprüche haben zudem nicht nur auf den VfR selbst Einfluss, sondern auch auf alle Teams im tabellarischen Umfeld.

Alle Beteiligten sind zu verstehen

Natürlich kann Aalen darauf keine Rücksicht nehmen. Aber der Rest des oberen Tabellendrittels ist die stete doppelte Rechnerei allmählich leid. Allen voran Holstein Kiel, der 1. FC Magdeburg und Jahn Regensburg unterliegen mittlerweile steten Positionsverschiebungen, können aber ohne ein endgültiges Urteil selbst nach dem Saisonende nicht seriös planen. Nicht wenige Anhänger anderer Vereine zeigen mittlerweile kaum mehr Verständnis für den VfR Aalen, sondern reagieren gereizt bis genervt. Doch wer kann es dem VfR verdenken, dass er angesichts seiner wacker kämpfenden Mannschaft alles versucht, den Punktabzug vielleicht doch noch abzuwenden? Alle vom Prozess betroffenen Parteien sind in ihrer Ansicht zu verstehen – es ist nicht mehr und nicht weniger als ein Auswuchs der wachsenden Schere zwischen "Arm und Reich" im deutschen Profifußball, allen voran zwischen der 2. Bundesliga und der 3. Liga.

Für den nächsten Anlauf ist bereits vieles vorbereitet

Wie geht es derweil sportlich für den VfR Aalen weiter? Die fest zusammengewachsene Mannschaft wird die Saison unabhängig vom Punktabzug zum Ende bringen und darf sich von seinen Fans für das Erreichte redlich feiern lassen. Noch besser: Im Kern wird das Team erhalten bleiben, die Symbolfiguren Daniel Bernhardt und Maximilian Welzmüller haben ihre Verträge frühzeitig bis 2021 verlängert. Offen verhält es sich etwa bei Stürmer Gerrit Wegkamp, der sein Talent nach einigen erfolglosen Jahren nun unter Beweis gestellt und Begehrlichkeiten auf dem Markt geweckt hat. Ein weiterer, möglicherweise noch wichtigerer Faktor ist Verteidiger Robert Müller, der in seinen 35 Saisoneinsätzen nicht nur fünf teils spielentscheidende Tore erzielte, sondern darüber hinaus keine einzige Spielminute verpasste. Gelingt es Aalen, ihn sowie möglicherweise auch den vom SC Freiburg ausgeliehenen Fabian Menig zu binden, so geht der VfR als bewährte Einheit in die Spielzeit 2017/18 – und könnte, dann befreit von der Schuldenlast, gleich einen neuen Anlauf wagen.

[box type="info"]Info: Was passiert, wenn der VfR Aalen am Saisonende auf einem Aufstiegsplatz steht und der Punktabzug bis dahin noch nicht endgültig rechtskräftig ist, recherchieren wir derzeit.[/box]

   
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