Analyse: Warum Hansa den Aufstieg erneut verpasst hat

Auch im zweiten Anlauf hat der F.C. Hansa Rostock die Rückkehr in die 2. Bundesliga verpasst. liga3-online.de nennt die Gründe dafür.

Schwacher Saisonstart

Mit 67 Punkten kann Hansa Rostock eigentlich auf eine gute Spielzeit zurückblicken, dennoch fehlten am Ende fünf Zähler zu einem direkten Aufstiegsplatz. Zum Relegationsplatz fehlten drei Punkte. Liegengelassen hat der FCH diese vor allem zu Saisonbeginn. Mit nur elf Punkten aus den ersten zehn Partien war die Kogge überaus schwach in die Spielzeit gestartet – und hatte zu diesem Zeitpunkt bereits neun Zähler Rückstand auf Energie Cottbus.

Dass die Rostocker derart schwach in die Saison gestartet waren, lag auch am Verletzungspech. Gerade in der Offensive fehlten zwischenzeitlich gleich mehrere Spieler. Daher überraschte es nicht, dass der FCH in zehn Spielen gerade mal acht Tore erzielte. Ein Wert, der nur noch von Schlusslicht Schweinfurt (sieben Treffer) unterboten wurde. Ab dem 11. Spieltag punktete die Kogge dann zwar wie ein Aufstiegskandidat und holte 56 Zähler aus den übrigen 28 Partien, was nur noch Meister Osnabrück überboten wurde (61 Punkte). Doch letztlich lief der FCH der Hypothek des schwachen Saisonstarts bis zum Schluss hinterher – und stand auch deshalb nie in den Top3.

Zuhause nicht stark genug

Der Grundstein für den Aufstieg wird in der Regel im eigenen Stadion gelegt. Während Osnabrück mit 38 Punkten aus 19 Partien den fünften Platz in der Heimtabelle belegt und Cottbus bei nur einer Niederlage im heimischen Stadion sogar Dritter ist (40 Punkte), ist Hansa in dieser Statistik lediglich Mittelmaß. Gerade mal 32 Zähler (neun Siege, fünf Unentschieden) konnte der FCH im Ostseestadion verbuchen – und das, obwohl Hansa den größten Fan-Zuspruch aller Drittligisten hat und im Schnitt vor fast 25.000 Fans spielte.

Besonders die Heimniederlagen gegen Köln (2:3) und Regensburg (2:5) im Endspurt taten richtig weg. Hätte Hansa nur eine dieser Partien gewonnen, stünde die Brinkmann-Elf jetzt in der Relegation gegen die SpVgg Greuther Fürth. "Wir haben leider zu Hause zu viele Punkte liegen lassen", sagt Kapitän Franz Pfanne in der "Bild"-Zeitung. 13 Mal ging die Kogge im Ostseestadion in Führung, verspielte anschließend gegen Verl, Aachen, Saarbrücken und Osnabrück aber noch insgesamt acht Punkte.

Punkte gegen Kellerteams liegengelassen

Zudem hat Hansa zu viele Punkte gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte liegengelassen. Während Essen (3:2), Duisburg (5:1) und Verl (2:1) in der Rückrunde besiegt werden konnten und es gegen die Aufsteiger Osnabrück (2:2) und Cottbus (0:0) jeweils einen Punkt gab, reichte es gegen das zu diesem Zeitpunkt bereits abgestiegene Schlusslicht aus Schweinfurt Mitte April nur zu einem 0:0. Auch das 2:2 gegen Hoffenheim II, als die Kogge eine 2:0-Führung aus der Hand gab, tut in der Endabrechnung weh. Gleiches gilt für die 0:3-Niederlage gegen Ingolstadt Ende Januar.

Warum ausgerechnet gegen vermeintlich schwächere Teams nicht gepunktet wurde, muss nun analysiert werden. "Mit mehr Mentalität hätten wir weniger Punkte liegengelassen, gerade zu Hause", sagt Kapitän Franz Pfanne in der "Ostsee-Zeitung" und meint: "Wir hatten zu viele Spiele, in denen wir geführt und mögliche Punkte aus der Hand gegeben haben, die uns jetzt fehlen." Dabei sei jeder Punkt "unfassbar wichtig", so Pfanne. "Es lohnt sich, dafür jeden Schritt zu investieren – auch bis weit in die Nachspielzeit."

Nicht genug Tempo über außen

Den verpassten Aufstieg am Abgang von Ryan Naderi in der Winterpause festzumachen, wäre dagegen zu einfach. Zwar haben die Rostocker mit dem 22-Jährigen ihren besten Torjäger verloren (acht Treffer in 18 Spielen), erzielten in den 17 Partien nach dem Naderi-Abgang im Schnitt aber sogar mehr Treffer (2,18) als in den vorherigen 22 Partien (1,68). Zudem traf Emil Holten im Schnitt alle 109 Minuten, während Naderi bei 146 Minuten/Tor lag.

Dennoch fehlte es der Offensive insgesamt an Flexibilität und Tempo – vor allem über außen. Eigentlich sollte vor allem Maximilian Krauß über die Flügel für die nötige Geschwindigkeit im Offensivspiel sorgen, kam aber erst in der Schlussphase mit fünf Scorerpunkten in drei Partien in Fahrt. Es kommt daher nicht überraschend, dass sich die Kogge für die neue Saison vor allem auf der Außenbahn verstärken will, wie Vorstandschef Roland Maul zuletzt ankündigte.

Fazit

Der F.C. Hansa Rostock hat den Aufstieg nicht in den letzten Wochen verspielt, sondern vor allem in der Anfangsphase der Saison. Die Hypothek des schwachen Saisonstarts war am Ende zu groß, um trotz einer starken Rückrunde noch ganz oben anzugreifen. Hinzu kamen zu viele unnötige Punktverluste im Ostseestadion sowie fehlende Konstanz gegen vermeintlich schwächere Gegner.

Gleichzeitig zeigte die Kogge nach schwierigen Monaten aber auch, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Dass am Ende dennoch nur Platz fünf heraussprang, dürfte den Rostockern zwar weh tun, macht aber auch Hoffnung für die kommende Saison. Gelingt es, die Baustellen im Offensivspiel zu schließen und konstanter aufzutreten, dürfte Hansa auch künftig wieder zu den heißesten Aufstiegskandidaten zählen.

   

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Back to top button