Alles, was ihr zum 28. Spieltag wissen müsst

Nach bald 16 Jahren in der 3. Liga können wir mit Fug und Recht behaupten, schon alles erlebt zu haben. Ein Schneckenrennen an der Tabellenspitze gehört selbstverständlich auch dazu. Doch vielleicht schließt ja am 28. Spieltag einer der zahlreichen Verfolger allmählich auf? Schauen wir doch mal, für wen die Vorzeichen an diesem Wochenende besonders gut stehen.

Die Ausgangslage

Remis, Remis, Remis: Regensburg, Dresden und Ulm marschierten gleichsam im Schneckentempo voran. Profitiert hat, die nicht aufstiegsberechtigte BVB-Reserve einmal ausgenommen, in der oberen Tabellenhälfte nur ein Verein: Preußen Münster, plötzlich vorgespült auf Rang 5 und damit Stand jetzt immerhin für den DFB-Pokal qualifiziert. Geht da etwa noch mehr? Auswärts in Aue kommt es zum Verfolgerduell, auch Essen und Unterhaching dürfen sich beim Duell an der Hafenstraße mit diesem Zusatz schmücken. Die Spitzenklubs treten derweil alle auswärts an, der Schwierigkeitsgrad ist aber verschieden. Regensburg in Mannheim – Pflichtaufgabe? Dresden in Halle – machbar? Ulm bei 1860 München – sehr unangenehm? Wir können nur prognostizieren.

HFC und Waldhof schauen sich mit vier Punkten Abstand zueinander an, das rettende Ufer jenseits der Saale ist wieder ein Stück weiter entfernt. Hinter dem Rhein wartet der MSV auf seine Chance, aufzuschließen, hat aber mit dem BVB II eine denkbar komplizierte Heim-Aufgabe vor der Brust. Deutlich hintendran ist der VfB Lübeck nach der jüngsten Niederlagenserie, die auch das Torverhältnis wohl unumkehrbar zerstört hat. Daheim gegen den 1. FC Saarbrücken, der zuletzt mit Arminia Bielefeld (und seinem frisch verlegten Rasen) größte Probleme hatte, ist der Heimsieg Pflicht – auch wenn aktuell unklar ist, wie das geschehen soll.

 

Fünf Spiele im Fokus

Das Nord-Südwest-Duell: VfB Lübeck gegen den 1. FC Saarbrücken

Aus der Regionalliga Nord gekommen und direkt wieder zurück: Dem VfB Lübeck droht dieses Schicksal nach 2021 ein zweites Mal, es wäre das vierte Jahr in Folge, indem der Nord-Aufsteiger als zu schwach befunden werden muss. Ausgerechnet Saarbrücken-Coach Rüdiger Ziehl kennt dieses Gefühl ja aus der Saison 2021/22 mit Havelse, darf aber nach dem etwas rumpeligen, wenig zufriedenstellenden 1:1-Remis gegen Bielefeld keine Rücksicht darauf nehmen. Will der FCS noch einmal oben angreifen, darf er sich kaum noch einen Leistungsabfall erlauben.

Für Lübeck ist der Weg zum Klassenerhalt nach dem 0:3 gegen Halle ein ganz weiter geworden. Um den Abstieg noch zu verhindern, muss im Endspurt nun einiges zusammenkommen. Manuel Farrona Pulido und Ulrich Taffertshofer müssen gesperrt zusehen, was die Aufgabe nicht leichter macht. "Zum Abrechnen ist es zu früh", sagte Lübecks Sportvorstand Sebastian Harms kürzlich. Dann muss die zweitschwächste Heimelf der Liga nun aber dringendst nachlegen.

Das Ostduell: Hallescher FC gegen Dynamo Dresden

Mit mehr als 30 Torabschlüssen nicht den Heimsieg gegen Rot-Weiss Essen erzwungen, unschöne Nebengeräusche durch überflüssige Fan-Reaktionen auf eine gegnerische Verletzung, dazu jetzt noch eigenes Ausfall-Pech: Die Stimmung war bei Dynamo Dresden schon mal besser, zumal weiterhin Woche für Woche der direkte Aufstiegsrang verteidigt werden muss. Gegen Halle sollte das doch klappen, oder? Von 66 Pflichtspielen gegen den HFC hat die SGD nur elf verloren, fast 34 (!) Jahre liegt die bis dato letzte Auswärtspleite zurück.

Nun fehlen aber reihenweise Spieler, darunter der erkrankte Wintertransfer Ahmet Arslan und Abwehr-Garant Jakob Lewald, der gesperrt ist. "Sie können auch nicht fliegen", sagte unterdessen Halle-Coach Sreto Ristic ganz salopp. Vier Punkte Vorsprung vor Platz 17 und das allererste Saisonspiel zu Null gegen Lübeck (3:0) haben die Lage im Abstiegskampf entspannter gemacht – ohne den gesperrten Rechtsverteidiger Julian Eitschberger heißt es vor ausverkauftem Haus, den Vorsprung auszubauen.

Das Donau-Isar-Duell: 1860 München gegen den SSV Ulm

Auf dem Giesinger Trainingsplatz wurden unter der Woche eine ganze Reihe von Akteuren vermisst – der zuletzt bärenstarke Abwehrchef Jesper Verlaat, seine Nebenleute Max Reinthaler und Leroy Kwadwo sowie Mehrfach-Matchwinner Julian Guttau mussten passen. Droht Argirios Giannikis eine neue Herausforderung, just wo seine Elf sich so richtig gefunden hatte? Gemeinsam mit Münster ist der TSV 1860 die beste Mannschaft dieses Kalenderjahres, auf Verlieren hat der Deutsch-Grieche an der Seitenlinie offenbar so gar keine Lust – er ist ja achtmal ungeschlagen.

Das gilt übrigens auch für den SSV Ulm 1846, der keines seiner sieben Ligaspiele in 2024 verloren hat. Dazu haben beide Klubs in diesem Zeitraum erst vier Gegentore kassiert. Respekt! Ob unter diesen Voraussetzungen überhaupt eine der Serien reißt? Ein 0:0 ist wohl keine unwahrscheinliche Option.

Das Ostwestfalenduell: Arminia Bielefeld gegen den SC Verl

Geeint in der Fassungslosigkeit waren de beiden ostwestfälischen Vertreter zuletzt: Arminia Bielefeld gab einen 1:0-Vorsprung nach wirklich gutem Auftritt in Saarbrücken ganz spät noch aus der Hand und stürzte seine Anhängerschaft in die gefühlt 84. Krise der vergangenen zweieinhalb Jahre, der SC Verl verlor höchst unnötig und unverdient mit 0:1 gegen 1860 München und rätselte einmal mehr über das abstruse Verhältnis von Aufwand und Ertrag.

Und natürlich sind es die Abgänge von Oliver Batista Meier und dem heutigen Bielefelder Mael Corboz, die nun an der Poststraße diskutiert werden. Werden aus vier Niederlagen in Folge nun fünf, droht womöglich gar noch Abstiegskampf? Daraus will sich Arminia am Sonntag vor mehr als 20.000 Zuschauern befreien. Aus Verl werden sich 1.500 Fans auf den Weg machen – Allzeit-Rekord für das beschauliche Verl.

Das Rhein-Ruhr-Duell: MSV Duisburg gegen Borussia Dortmund II

Fünf Punkte sind es nun wieder, die der MSV Duisburg für den Klassenerhalt aufholen muss. Immerhin passt die Stimmungslage dieser Tage, weil die Zebras ihr Kämpferherz entdeckt haben und zuletzt der zwischendurch fast aussichtslosen Tabellenlage als auch dem schweren Verletzungspech trotzten. Zwar war das 1:3 in Münster auf dem Papier ein Rückschlag, auf dem Rasen aber agierten die Meidericher einmal mehr beherzt und hatten gute Chancen – das Publikum goutierte dies mit Aufmunterung. Ohne den rotgesperrten Joshua Bitter wartet nun mit dem BVB II eine echte Herausforderung, denn die jungen Dortmunder sind in 2024 ein Topteam und haben überhaupt erst zwei ihrer 13 Auswärtsspiele verloren.

Ex-Zebra Julian Hettwer und noch mehr der wie berauscht aufspielende Ole Pohlmann, sodenn er nicht bei den Profis aushelfen muss, gilt es zu verteidigen und selbst wieder effektiver zu werden. Weitere Rückschläge kann sich der MSV, der für den Klassenerhalt im Saisonendspurt womöglich fast zwei Punkte pro Spiel brauchen wird, nicht erlauben.

   
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