Alles, was ihr zum 16. Spieltag wissen müsst

Es ist ja doch beeindruckend, in welchem Tempo die 3. Liga ohne großes Wehklagen durch diesen Marathon-Herbst gespurtet ist. 17 Spiele haben nicht alle, aber doch viele Teams bis zum kommenden Montag auf dem Buckel, das Durchatmen über die Festtage ist da nur verdient. Vorher aber heißt es: weiterschuften. Teil 2 der Englischen Woche bringt heiße Duelle mit sich – und auf diese wollen wir nun schauen.

Der Spieltag

Die Ausgangslage

Was passiert da im Tabellenkeller? Der Vorbau für etwas, was im Mai in einem wieder einmal mitreißenden Abstiegs-Showdown enden könnte, wird schon jetzt gelegt. Denn: Keiner, wirklich keiner lässt unten vorzeitig abreißen, da ist kein Carl Zeiss Jena, kein Sonnenhof Großaspach wie im Vorjahr, wo doch frühzeitig klar war, dass es nicht reicht. Stattdessen Siege allerorts: Meister Bayern II holt sich aus der Krise, Unterhaching gewinnt, Meppen legt gar eine Erfolgsserie hin und auch der MSV Duisburg hat mit dem Kantersieg über Wehen Wiesbaden eine Duftmarke gesetzt. Prompt dreht sich das Bild, Kaiserslautern rutscht etwa wieder unter den Strich, Zwickau ist nun sogar Letzter, konnte sich aber auch nicht wehren und zudem noch drei Nachholspiele in der Hinterhand. Umso spannender wird es zu sehen sein, wie die Westsachsen aus der Corona-Pause kommen.

Vorne lacht Dynamo Dresden. Einerseits, weil Gegner Halle zuletzt mit einer völlig überflüssigen gelb-roten Karte am Auswärtssieg der SGD fleißig mitgeholfen hat. Andererseits, weil die Verfolger weiter straucheln: Saarbrücken droht allmählich abzurutschen, Rostock schafft das, was es seit Jahren am besten kann: Chancen, die sich ergeben, nicht zu nutzen. 1860 München dagegen hat seine Ergebniskrise fulminant beendet – und besitzt gerade in der Offensive eindeutig die Power, um bald einen Top-3-Platz einzunehmen.

 

Vier Spiele im Fokus

Spitzenspiel in Sachsen: Dynamo Dresden gegen den SC Verl

Zumindest einen der beiden Klubs, die sich am Dienstagabend im Rudolf-Harbig-Stadion gegenüberstehen, hatte wohl jeder auf genau dieser Tabellenposition erwartet: Dynamo Dresden ist nach zwischenzeitlichen Anlaufschwierigkeiten Erster, profitierte zuletzt aber auch von der Schwäche der Konkurrenz. Zweiter Nutznießer ist ebenfalls ein Liganeuling, der allerdings aus der Regionalliga entstammt und den kaum jemand auf der Rechnung hatte: Der SC Verl ist mittlerweile Dritter, hat gegenüber Dresden weiterhin zwei Nachholspiele in der Hinterhand und könnte die SGD damit, sofern es am Dienstag keine Niederlage gibt, rechnerisch noch übertrumpfen. Verls Trainer Guerino Capretti schwärmte schon vor Saisonbeginn vom riesigen Dresdener Stadion, hoffte da aber noch auf anwesende Fans. Nun gibt es ein Geisterspiel – was kein Nachteil für die Ostwestfalen sein muss.

Wundertüte Waldhof: SV Waldhof Mannheim gegen die SpVgg Unterhaching

Ein 4:1 über Saarbrücken, ein 0:2 in Meppen, ein 0:5 bei 1860 München: Zeigt die Formkurve des SV Waldhof in dieser Woche gegen Unterhaching weiterhin derart steil nach unten, könnte es bereits historisch werden. Betrachten wir das Ganze eine Spur realistischer, so bleiben dennoch Fragezeichen. Zum Beispiel, wann der Bruch im SVW-Spiel endet, der sich mit dem verletzungsbedingten Ausfall Jesper Verlaats in Meppen eingeschlichen hat und bislang nicht behoben werden konnte. Lösungen müssen her, Verlaat fehlt nämlich noch bis Weihnachten. Genau wie Max Christiansen. Und der Gegner? Haching hat sich mit dem 2:0 über Kaiserslautern etwas Luft verschafft, sucht aber die Konstanz. In der Fremde ist man bislang punktschwächster Drittligist – das macht die Sache nicht leichter.

Saibene unter Zugzwang: 1. FC Kaiserslautern gegen 1860 München

Da kann ein Trainer noch so sympathisch wirken, bleiben die Ergebnisse über einen langen Zeitraum aus, wächst gerade in einem so nervösen Umfeld wie dem des 1. FC Kaiserslautern die Unruhe rasant. Jeff Saibene hat den FCK vor dem dritten Spieltag als Letzter übernommen, 13 Spiele darauf sind die Pfälzer Viertletzter. Nur zwei Siege stehen zu Buche, dafür jede Menge Punkteteilungen, wiederkehrende Defensivfehler und zu wenige Partien, in denen die so hochwertige Mannschaft als Kollektiv zu überzeugen wusste. Das traditionsreiche Duell mit 1860 München, zwei ehemalige Deutsche Meister, wird ein Indikator dafür, ob die Moral nach dem Rückschlag in Unterhaching (0:2) weiter intakt ist. Personelle Veränderungen hatte Saibene schon kurz nach dem Haching-Spiel angekündigt, nun rief er zudem den Abstiegskampf aus.

Abstiegs- statt Meisterkampf: FC Bayern II gegen den MSV Duisburg

Ohne Leon Dajaku stünde der MSV Duisburg heute vielleicht nicht auf einem Drittliga-Abstiegsplatz, sondern wäre ein Zweitligist. Am 37. Spieltag der Vorsaison war es schließlich das Tor zum 2:2 in der Nachspielzeit, das im damaligen Spitzenspiel den MSV den Relegationsrang kostete – Ingolstadt, das zeitgleich gegen Magdeburg verloren hatte, lachte sich ins Fäustchen. Und so schnell kann es gehen: Fünf Monate später stehen sich nicht mehr Platz 1 und Platz 5, sondern Platz 16 und 18 gegenüber. Zumindest haben die beiden Ex-Favoriten, die sich bisher so sehr durch die Drittliga-Saison quälen, zuletzt Achtungszeichen gesetzt: Die Jung-Bayern mit dem 2:1 in Saarbrücken, die Meidericher mit dem 4:1 gegen Wehen Wiesbaden. Sie sind es auch, die unter dem größeren Druck stehen – haben dafür aber in diesem Herbst schon einmal ein Auswärtsspiel an der Grünwalder Straße (2:0 gegen 1860 München) gewonnen.

 

Die mögliche Überraschung

FSV Zwickau beim SV Meppen

Das ist nun wirklich ein dickes Brett zum Bohren: Zwickau kommt aus einer zweiwöchigen Zwangspause, nötig geworden durch einen Corona-Ausbruch im Team. Ist in dieser Zeit aufgrund emsig punktender Konkurrenz bis auf den letzten Platz zurückgefallen, auch ist Trainer Joe Enochs durch die Quarantänezeit nicht von Kritik befreit. Mut machen kann die Geschichte des Gegners SV Meppen, der hat nämlich einen ganz ähnlichen Werdegang schon durchgemacht. Torsten Frings wehrte sich nun eindrucksvoll mit Ergebnissen gegen missliebige Töne, vor allem die Defensive ist mehr und mehr zum Prunkstück seines SVM geworden. Was es für die Westsachsen, die seit jeher nicht zu den spielstärksten Vertretern der 3. Liga zählen, nicht einfacher macht. Hier ist definitiv eine Überraschung nötig, damit sich die Enochs-Elf im Kampf um den Ligaverbleib rasch zurückmeldet.

 
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