Alle Klubs im Check: Die Prognose zur neuen Saison – Teil 2

Es ist soweit: In wenigen Tagen startet die 3. Liga in ihr Jubiläumsjahr – die zehnte Auflage steht an! Die Anzeichen dafür, dass uns 38 hochspannende Spieltage erwarten, stehen mehr als gut. liga3-online.de schätzt den Leistungsstand aller Klubs ein und wagt eine Prognose. Im zweiten Teil nehmen wir die untere Tabellenhälfte unter die Lupe.

Kein etabliertes Team der 3. Liga hat einen annähernd großen Rundumbruch vollzogen wie Hansa Rostock. Wir wollen an dieser Stelle darauf verzichten, nochmals alle Namen durchzukauen – Pavel Dotchev hat es mit einer völlig neuen Kogge zu tun, die Mannschaft der letzten Jahre hat sich förmlich in Luft aufgelöst. Drei neue Keeper plus diverse frisch verpflichtete Feldspieler: Die schwere Ausrechenbarkeit dürfte in den ersten Wochen das Plus des F.C. Hansa sein, sofern er in wenigen Wochen der Vorbereitung seine Spieler überhaupt selbst zusammenführen kann. Von Abstiegskandidat bis Geheimfavorit geht das interne Spektrum der Erwartungen ziemlich weit auseinander, auch die eigenen Fans wissen nicht wirklich, woran sie sind. Einigkeit herrscht bloß darin: Frischer Wind tut gut, denn eine Vorwärtsentwicklung war in den letzten Jahren nicht zu erkennen. Und wenn es zunächst halt nur für das Mittelfeld reicht, dann ist das so. Prognose: Platz 6-11

 

Die Sportfreunde Lotte gehören in ihrer zweiten Spielzeit fest zum Repertoire der 3. Liga. Sie schrieben mehr Schlagzeilen als erwartet: Pokaltriumphe, Probleme mit dem eigenen Rasen und nicht zuletzt der überraschende Abgang von Ismail Atalan. Sein Nachfolger Oscar Corrochano steht nun vor einem ganz schweren Erbe und wird sich an alten Erfolgen Atalans messen lassen müssen. Aber: Der Etat wurde erhöht und gute Spieler aus der Regionalliga wie 3. Liga verpflichtet. Unterschätzt werden dürfen die SFL somit nicht. Gespannt wird der Saisonstart gegen Hansa Rostock abgewartet. Insgesamt wird Lotte im Mittelfeld landen, im Normalfall sollte sich die Abstiegsgefahr auf ein Minimum beschränken. Prognose: Platz 11-14

 

Die SG Sonnenhof Großaspach hat ein Jahr mit Schwankungen hinter sich, das aber letztendlich den zehnten Rang und damit eine absolut zufriedenstellende Leistung bescherte. Das alljährliche Problem: Leistungsträger gehen bald schneller, als sie kommen. Spieler wie Jeremias Lorch und Lucas Röser schlossen sich besser zahlenden Klubs an und sogar Trainer Oliver Zapel verkündete aus freien Stücken seinen Abgang nach dem Saisonende. Ersetzt wird er vom nächsten Nobody an der Seitenlinie: Sascha Hildmann soll auch die vierte Spielzeit in der 3. Liga mit dem Klassenerhalt beschließen. Neu dabei sind neben „frischen“ Talenten auch interessante Leute wie Oguzhan Özdemir, einem 22-jährigen Innenverteidiger, der zuletzt in Österreichs höchster Liga als Stammspieler aktiv war. Großaspach dürfte für gewohnt den Klassenerhalt anvisieren – und sollte der gelingen, wäre das keine große Überraschung mehr. Zu schwer ist es für Gegner, sich auf die taktisch enorm konsequenten Schwaben einzustellen. Prognose: Platz 10-13

 

Schwer einzuschätzen, was der Hallesche FC in der kommenden Spielzeit anbieten wird. Die Unstimmigkeiten mit Sportchef Stefan Böger ziehen sich wie ein roter Faden durch die Vorbereitung, dennoch konnte der Kader bereits weitestgehend fertiggestellt werden. Wer macht künftig die Tore, die im Jahr 2016/17 doch zur argen Mangelware wurden? Vielleicht Mathias Fetsch, der aus Kiel verpflichtet wurde. Vielleicht Talent Braydon Manu, der sich im Probetraining empfahl. Ansonsten wurden punktuelle Verstärkungen vorgenommen, große Sprünge waren für den HFC nicht möglich. Die Einschätzung vor dem Saisonstart entlarvt Halle als schlichtweg durchschnittliches Team. Heißt: In sechs von zehn Spielzeiten landen die Chemiestädter im breit gefächerten Mittelfeld. Zwei von zehn werden überdurchschnittlich gut, die anderen beiden könnten in unerwarteter Abstiegsgefahr bis zum Ende münden. Prognose: Platz 8-13

 

Es bleibt nach wie vor ziemlich kurios, dass der FSV Zwickau in dieser Statistik als Vierter gelistet wird. Aber ja – tatsächlich hat er in der abgelaufenen Spielzeit den fünften Platz belegt, durfte sich davon aber nichts kaufen und nicht einmal im DFB-Pokal mitspielen. In Sachsen wird sich jeder bewusst sein, dass die phänomenale Rückrunde in der Form nicht absehbar war und das zweite Jahr ziemlich, ziemlich schwer werden kann. Der Abgang von Patrick Göbel spült zwar einen Betrag in die klammen Kassen, sportlich aber ist der Flügelflitzer und Flankenmeister beim FSV kaum zu ersetzen. Zudem wird Jonas Acquistapace in der Innenverteidigung (wechselte zu den SF Lotte) vermisst werden. Verstärkt wird der FSV durch Sinan Tekerci, ob Ronny Garbuschewski den Schwänen weiterhilft, ist ebenso abzuwarten wie diverse junge Talente, die neu hinzugestoßen sind. Der Klassenerhalt bleibt erstes Ziel, das ist ganz klar. Prognose: Platz 10-12

 

Jena ist neu in der Liga, punktete aber in der Relegation mit Eingespieltheit und Kaltschnäuzigkeit – jenen Tugenden, die auch den letzten Ost-Aufsteigern aus Magdeburg und Zwickau bislang stets freudige Spielzeiten im oberen Tabellendrittel bescherten. Ob sich Jena ebenfalls dort einsortieren wird? Nun: Eine große Veränderung im Kader hat bisher nicht stattgefunden. Gejubelt wurde über die Entscheidung von Jan Löhmannsröben, sich Carl Zeiss anzuschließen, zuletzt wurde außerdem mit Jo Coppens ein neuer Schlussmann verpflichtet. Zwei Youngster und die feste Verpflichtung von Leihgabe Firat Sucsuz komplettieren das Feld bereits – große Individualisten finden man im Paradies nicht. Die Saison verspricht nicht leicht zu werden, vieles hängt in Jena von einem soliden Auftakt ab. Realistisch ist die Positionierung im hinteren Mittelfeld. Prognose: Platz 12-15

 

Aufsteiger wie der SV Meppen werden traditionell eher als Abstiegskandidaten gehandelt – wen wundert es. Allerdings beeindruckten sämtliche Neulinge mit einer eindrucksvollen Dominanz in ihren Ligen und einem sensationellen Punktedurchschnitt, sodass die Relegationsteilnehmer bereits Wochen im Voraus feststanden. Da kommen harte Brocken auf die 3. Liga zu! Meppen musste allerdings den Abgang von Topscorer Mirco Born verkraften. Dafür sind einige erfahrene Kräfte hinzugestoßen, punktuell wird der SVM durch Eric Domaschke, Steffen Puttkammer oder auch Haris Hyseni verstärkt werden. Aber keine Frage: Meppen gilt als Außenseiter und muss sich zusätzlich einem harten Auftaktprogramm beugen. Würzburg, Münster, Magdeburg, Rostock – nach diesen Krachern werden Christian Neidhart und Co. wissen, ob es für mehr als den Abstiegskampf reicht. Prognose: Platz 14-18

 

Mit Ach und Krach hat Fortuna Köln in der abgelaufenen Saison schlussendlich den Klassenerhalt gemeistert, auch wenn die Südstädter nie in konkreter Gefahr schwebten. Gerne würde der Club unter der Führung von Uwe Koschinat noch einige Jahre in der 3. Liga verbringen – leichter wird dieses Unterfangen jedoch nicht. Es fehlt die individuelle Klasse, die für einen Verein wie Köln mit geringem Zuschauerschnitt und mäßiger Sponsorendeckung jedoch auch schlichtweg nicht bezahlbar ist. Schön gerät es, wenn mit einem Spieler wie Hamdi Dahmani verlängert werden kann. Ob das aber reicht, um sich dem Abstiegsgespenst für eine weitere Saison entziehen zu können, das ist fraglich. Prognose: Platz 14-18

 

Als Vierzehnter ging Rot-Weiß Erfurt aus der letzten Saison – musste aber dennoch bis zum letzten Spieltag zittern. Im Sommer aber nahm das Desaster seinen Lauf: Diverse Stammspieler verließen den Verein, gingen teils in die Regionalliga, weil selbst dort offenbar besser gezahlt werden kann als bei RWE. Immerhin deutet sich der Verbleib von Christoph Menz an, der zuletzt wie Kollege Mario Erb zum KFC Uerdingen hätte wechseln können. Neu hinzugekommen sind ausschließlich günstige Regionalliga-Spieler, gewiss Talente, aber nicht die Besten ihrer Staffeln. Außerdem soll der 33-jährige Alexander Ludwig, der allerdings zuletzt sechsklassig spielte, seine Erfahrung einbringen. Machen wir es kurz: Rot-Weiß Erfurt spielt auch in der kommenden Saison gegen den Abstieg. Trainer Stefan Krämer liebt Herausforderungen, doch in den nächsten zehn Monaten wird er zaubern müssen. Prognose: Platz 15-19

 

Immer das Gleiche mit der Werder-Reserve – selten hat auf die jungen Männer von der Weser jemand mehr als einen Pfifferling gesetzt. Warum sollte das in diesem Jahr anders sein? Gut, eine Einschätzung fällt beim letzten verbliebenen Farmteam für die Profis weiterhin schwer, auch weil Bremen zuletzt gerne aussortierte Bundesliga-Spieler in die zweite Mannschaft beorderte. Rein nominell werden keine großen Sprünge möglich sein, auch die neuerliche schwere Verletzung von Hoffnungsträger und Pechvogel Justin Eilers trägt ihren Teil dazu bei. Werder Bremen II gilt ein weiteres Mal als Anwärter für die Regionalliga und kann ausschließlich positiv überraschen. Prognose: Platz 16-20

 

 
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