Alle Klubs im Check: Die Prognose zur neuen Saison – Teil 1

Es ist soweit: In wenigen Tagen startet die 3. Liga in ihr Jubiläumsjahr – die zehnte Auflage steht an! Die Anzeichen dafür, dass uns 38 hochspannende Spieltage erwarten, stehen mehr als gut. liga3-online.de schätzt den Leistungsstand aller Klubs ein und wagt eine Prognose. Im ersten Teil nehmen wir die obere Tabellenhälfte unter die Lupe.

Was für ein Absturz beim Karlsruher SC: Im Wildpark wurde in den letzten Jahren zwischenzeitlich bereits wieder von der Bundesliga geträumt, nun steht (mindestens) eine Ehrenrunde in der 3. Liga auf dem Programm. Ehrenrunde? Ja, Karlsruhe sieht sich selbst im deutschen Fußball-Prestigeranking mindestens eine Etage höher und darf das auch. In der 3. Liga lässt sich allerdings auch schnell versacken: Der VfL Osnabrück oder Hansa Rostock zeigen auf, wie schnell die Durchgangsstation zu einem unfreiwilligen langjährigen Abenteuer werden kann. Damit dieser Fall nicht eintritt, hat sich der KSC um Trainertalent Marc-Patrick Meister jede Menge hochklassige Spieler geangelt – Kai Bülow und Anton Fink dürften wie Dominik Stroh-Engel, Rückkehrer Daniel Gordon oder Andreas Hofmann herausragen. Alles andere als ein Mitspielen um den Aufstieg wäre für den KSC nichts weiter als eine herbe Enttäuschung. Karlsruhe muss der Top-Favorit auf den direkten Wiederaufstieg sein. Prognose: Platz 1-3

 

Als Siebzehnter der 2. Bundesliga mussten die Würzburger Kickers im letzten Frühsommer den direkten Wiederabstieg hinnehmen – in der Rückrunde hatte der FWK kein einziges Spiel mehr gewonnen. Es folgte der obligatorische Rundumschlag: Trainer Bernd Hollerbach legte nach zwei Aufstiegen und einem Abstieg sein Amt nieder, Stephan Schmidt übernahm. Parallel dazu wurden große Teile des Kaders aussortiert, doch Würzburg rüstete prominent auf: Patrick Göbel, Anthony Syhre, Wolfgang Hesl, Sebastian Schuppan, Maximilian Ahlschwede oder Dennis Mast lassen als Neuverpflichtungen keinen Zweifel daran, dass die Kickers direkt wieder hochwollen. Ob das klappt? Das hängt mit der Findung des Teams zusammen und kann zumindest in der Theorie auch gewaltig nach hinten losgehen. Unter normalen Umständen aber ist Würzburg aber ein klarer Kandidat für den Aufstieg. Prognose: Platz 1-3

 

Eigentlich war der SV Wehen Wiesbaden immer ein Aufstiegskandidat – nur eben nicht im letzten Jahr, nachdem er zuvor dem Abstieg knapp von der Schippe gesprungen war. Nun aber wurde die Euphorie durch eine starke Serie vom neuen Coach Rüdiger Rehm zusätzlich befeuert. Wiesbaden ist zurück! Und dürfte mit seiner individuellen Klasse in der Lage sein, die Liga und den Aufstiegskampf aufzumischen. Was den SVWW gefährlich macht: Unter Rehm wurde sich gezielt verstärkt, anstatt die vorhandenen liquiden Ressourcen wahllos für große Namen rauszuhauen. Mit Jeremias Lorch kommt etwa ein grundsouveräner Außenverteidiger, mit Sören Reddemann und Agyemang Diawusie hochgehandelte Talente aus Leipzig. Viel erwartet wird zudem von Stephan Andrist, immerhin leistungsbester Akteur bei Hansa Rostock. Wiesbaden dürfte, wenn sich das gewachsene Team nicht selbst vor Probleme stellt, eine mehr als gute Rolle spielen. Prognose: Platz 2-6

 

Nicht nur wir, sondern auch die Buchmacher blicken gespannt auf die Saison der SpVgg Unterhaching. Der Grund ist eine faszinierende Leistung in der Regionalliga Bayern, in der Unterhaching in 34 Partien mehr Tore und Punkte als der FC Bayern in der Bundesliga sammelte – eine derart beeindruckende Dominanz hatte die vierte Liga lange nicht gesehen. Nun wäre es daher kein Wunder, wenn Unterhaching mehr einnehmen würde als die klassische Außenseiterrolle, obgleich die SpVgg finanziell noch immer längst keine Bäume einreißen kann. Allein das Team, das sich in der Saison 2016/17 in einen Rausch spielte, könnte in der Lage sein, auch eine Etage höher Großes zu erreichen. Nicht von ungefähr schafften mit den Würzburger Kickers und Jahn Regensburg zuletzt sogar beide Bayern-Aufsteiger den direkten Durchmarsch. Der Werdegang keines Teams ist schwerer zu prophezeien als der der Spielvereinigung. Die Prognose: Platz 4-7

 

Ohne die Insolvenzabwicklung in der laufenden Saison wäre der VfR Aalen deutlich weiter vorne als "nur" auf dem 11. Tabellenplatz gelandet, das steht fest. Peter Vollmann hat ein kleines Wunder vollbracht – und würde sich gerne anschicken, das Ganze zu wiederholen. Nun, wie realistisch sind die Chancen? Viele VfR-Kicker haben ihren Vertrag auf der Ostalb verlängert, mittlerweile ist der Verein überdies wieder schuldenfrei und damit eine sichere Adresse. Auch daher hat Aalen bereits einige für seine Verhältnisse erfreuliche Transfers an Land gezogen, die den Kader ergänzen und zeitgleich auch qualitativ verstärken: Luca Schnellbacher, Patrick Schorr, Cagatay Kader – alles Spieler, die ihren Durchbruch im angenehmen Aalener Umfeld schaffen können. Einige Wettanbieter sehen Aalen im Verfolgerkreis – wir trauen der Vollmann-Truppe ebenso einen Platz im vorderen Mittelfeld zu. Prognose: Platz 3-7

 

Besonders interessant wird auch dieser Verein zu beobachten sein: Der SC Paderborn verblieb bekanntermaßen als Nachrücker am grünen Tisch in der 3. Liga, weil 1860 München die Lizenz verweigert wurde. Im Eilverfahren wollte der SCP seine Fehler der Vergangenheit korrigieren und verpflichtete jede Menge hungrige Regionalliga-Kicker. Zur Krönung schafften es die Ostwestfalen sogar, mit Lukas Kruse, Tim Sebastian, Sebastian Heidinger und Zlatko Dedic vier alternde Topverdiener von der Gehaltsliste zu streichen. Nun muss die von Markus Krösche zusammengestellte "neue" Paderborner Mannschaft das gute Gefühl der eigenen Fans nur noch bestätigen. Trainer Steffen Baumgart, der noch keine Pflichtspiel-Niederlage an der Seitenlinie des Sportclubs kassiert hat, dürfte ebenso hoffen, dass die neue Euphorie noch eine Weile anhält. Im Normalfall sollte ein guter einstelliger Tabellenplatz machbar sein – aber was ist in Paderborn in den letzten Jahren schon normal gewesen? Prognose: Platz 6-9

 

Knapp verpasste der 1. FC Magdeburg vor einigen Wochen die Relegation, näherte sich dem Aufstieg in die 2. Bundesliga aber weiter an. Noch immer fehlt dem FCM eine wirkliche Schwächephase, seit er die 3. Liga bereichert. Experten zufolge dürfte die Elf von Jens Härtel auch in der kommenden Spielzeit eine wichtige Rolle im Aufstiegsrennen spielen – ob das tatsächlich so kommt, ist aber noch offen. Verstärkt wurde sich bisher nominell eher mäßig, ob ein Kracher dabei war, wird sich noch zeigen. Wie lange der Trumpf der mannschaftlichen Geschlossenheit und das Hoffen auf die Treffer von Christian Beck – ein zugegeben einfaches Rezept – noch aufgehen werden, ist nicht absehbar. Schlechtgeredet werden soll an dieser Stelle nichts, doch für uns ist der 1. FC Magdeburg in diesem Jahr eher kein Kandidat für die obersten Plätze. Prognose: Platz 5-8

 

In sein mittlerweile siebtes Drittliga-Jahr geht der SC Preußen Münster. Noch weitaus mehr Jahre im Geschäft hat Trainer Benno Möhlmann verbracht, dienstältester Coach der gesamten Spielklasse. Ihn erwartet eine Spielzeit unter schweren Voraussetzungen, denn auch in Münster muss ordentlich gespart werden. Mit Fabian Menig wurde nur ein drittliga-erfahrener Akteur verpflichtet, dazu gesellen sich eine Reihe von Talenten. Allerdings mussten die Westfalen auch nur wenige schmerzhafte Abgänge verzeichnen, das Grundgerüst bleibt beisammen. Und das schaffte in der vergangenen Rückrunde gute Ergebnisse, erzielte in den Heimspielen jede Menge Treffer – zeigte aber noch zu wenig Konstanz. In Münster kommt es neben dem Steigern der Zuverlässigkeit auch auf das Ausbleiben vom Verletzungspech an. Passt alles, ist eine Rolle im Verfolgerfeld zumindest möglich. Prognose: Platz 6-10

 

Es gab mal eine ganze Reihe von Aufstiegskandidaten, darunter den Chemnitzer FC. Wie auch immer er es geschafft hatte, seinen Kader mit so vielen Juwelen zu befüllen, dass die Schulden ihm derart über den Kopf wuchsen – der Neuanfang beginnt in der Saison 2017/18. Ohne Topverdiener wie Fink, Mast, Danneberg, Conrad, Türpitz, Bittroff oder Jopek. Stattdessen wurden viele aufstrebende Spieler aus der Regionalliga verpflichtet. Doch die Mischung, sie scheint zu stimmen. Trainer ist Horst Steffen, der auch für sich nach einem völlig in die Hose gegangenen Engagement bei Preußen Münster den Neustart sucht. Seine Aussagen lassen darauf hindeuten, dass die Chemie zwischen ihm und Chemnitz stimmt. Sollte mit einem deutlich vergünstigten Kader eine ähnliche Platzierung wie im Vorjahr (Rang 8) möglich sein, wird sich an der Gellertstraße im Normalfall kein Fan beschweren. Prognose: Platz 6-11

 

Mittendrin, aber am Ende nicht mehr wirklich dabei: Die letzten beiden Jahre verliefen für den VfL Osnabrück den Erwartungen und Möglichkeiten entsprechend – schlussendlich aber doch einfach nur enttäuschend. Warum nicht durch das Ziel gehen, wenn die 2. Bundesliga so nah ist? In zwei aufeinanderfolgenden Jahren wurden beste Ausgangspositionen verspielt. Nun muss sich der VfL als Mitstreiter mit Außenseiterchancen abfinden, denn für nennenswerte Verstärkungen ist kein zusätzliches Geld vorhanden. Die Abgänge wurden halbwegs adäquat ersetzt, nach bisherigem Stand aber wurde der Kader verkleinert. Das reicht vorerst nicht, um die Erwartungshaltung zu besitzen, weiterhin um den Aufstieg mitspielen zu müssen. Auch die bisherigen Ergebnisse der Vorbereitung, darunter einige hohe Niederlagen gegen teils unterklassige Vereine, lassen vermuten, dass die Tendenz zunächst eher in Richtung Mittelfeld zeigt. Prognose: Platz 7-11

 

 
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