"Absoluter Wahnsinn": Waldhof-Brust wird immer breiter

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Es war ein wahres Spektakel, das die rund 12.200 Zuschauer am frühen Sonntagnachmittag in Mannheim zu sehen bekamen. Bei hochsommerlichen Temperaturen lieferten sich der SV Waldof und der MSV Duisburg einen denkwürdigen Schlagabtausch. Am Ende stand ein 4:3 für die Gastgeber – und manch einem fehlten die Worte für das Erlebte.

"Erstmal sortieren, was da abgeht"

Sonntagsspiel bei über 30 Grad im Schatten, dazu eine hohe Luftfeuchtigkeit. In der Vergangenheit hatten derartige Voraussetzungen nicht selten einen lauen Sommerkick zur Folge. Doch nicht an diesem Sonntag, nicht in der Partie zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem MSV Duisburg – sieben Tore und zwei Führungswechsel sprechen für sich. Völlig durchnässt und mit hochroten Köpfen standen die Beteiligten nach Spielende vor den "Magenta Sport"-Mikrofone. Der Großteil benötigte etwas Zeit, um sich zu sammeln. "Das war absoluter Wahnsinn", stellte etwa Mannheims Siegtorschütze Marcel Seegert fest. "Ich muss erstmal sortieren, was da abgeht. Mir fehlen ein bisschen die Worte."

Zurecht! Denn was da abging, dürfte in die jüngere Geschichte des SV Waldhof eingehen. Die Buwe starteten furios und setzten den MSV von Beginn an unter Druck. Diring per Abstauber (17.) sowie Sulejmani (26.) per Distanzschuss stellten früh auf 2:0. Eine ebenso kuriose wie bittere Szene brachte die Zebras zurück: Ein langer Ball rollte auf SVW-Schlussmann Scholz zu – und zur Überraschung aller auch an diesem vorbei. Stoppelkamp konnte mühelos einschieben (29.) Scholz hatte sich zuvor am Knie verletzt und musste umgehend ausgewechselt werden. Am Montag ist eine MRT-Untersuchung vorgesehen, die Aufschluss über die Schwere der Verletzung liefern soll.

Dass Stoppelkamp den Ball in dieser Szene im Tor unterbrachte, sorgte für Diskussionen. Doch SVW-Cheftrainer Bernhard Trares nahm den Duisburger in Schutz: "Wie soll ein Spieler in einer Sekunde entscheiden, ob das eine schwere Verletzung ist? Selbstverständlich muss der Spieler in so einer Situation den Ball ins Tor schieben. Wir Trainer und die Verantwortlichen waren sich klar, dass es da keine Diskussion gibt." Auch Gegenüber Torsten Lieberknecht betonte: "Es wäre jetzt heuchlerisch zu sagen, dass er den hätte danebenschießen sollen." Die Duisburger legten anschließend nach: Sickers Flanke versenkte Vermeij eiskalt (34.). Als Ben Balla nach Wiederanpfiff das dritte Gäste-Tor nachlegte schien die Partie endgültig zu kippen. Doch die Kopfballtore von Sulejmani (70.) und Seegert (76.) setzten dem Wahnsinn die Krone auf. Es war der dritte Sieg in Folge für den Aufsteiger, der ungeschlagen auf dem vierten Tabellenplatz rangiert.

Trares adelt seine Mannschaft

Ein Wechselbad der Gefühle erlebten nicht nur die Akteure auf dem Platz. Auch an der Seitenlinie wurden die Nerven bis auf das Äußerste strapaziert. Trares über die Rückschläge kurz vor der Pause: "Dann gehst du in die Halbzeit mit so einem Spiel. Das musst du natürlich erst einmal verarbeiten. Das ist das Schwierige."

Egal wie schwierig – die Trares-Elf zeigte eine unglaubliche Moral. "Wer meine Mannschaft kennt, der weiß, sie gibt nicht auf, die ist schwer zu spielen", zollte der Übungsleiter seinen Spielern Respekt. "Ich wollte nicht gegen sie spielen, weil sie alles rausholt, was drin ist." So geht der SVW mit einer Brust, wie sie breiter nicht sein könnte, in die anstehende Derbywoche. Erneut in der ersten Sonntagspartie tritt Mannheim am kommenden Wochenende in Kaiserslautern an – das nächste Kapitel im Waldhof-Wahnsinn ist dabei nicht ausgeschlossen. Ob Scholz dabei sein kann, ist jedoch fraglich.

   

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