"Ein bisschen außer Acht lassen": FCH legt Aufstiegsziel vorerst auf Eis

Als großer Topfavorit auf den Aufstieg gestartet, läuft Hansa Rostock seinen Ambitionen derzeit deutlich hinterher und liegt bereits zehn Punkte hinter dem Spitzenduo. Zwar bleibt der Aufstieg auch weiterhin das Ziel, dennoch legt die Kogge dieses vorerst auf Eis und will sich stattdessen nur noch auf die kommende Aufgabe konzentrieren.

"Weiter muss aktuell keiner denken"

Es sagt schon viel über die aktuelle sportliche Lage der Kogge aus, dass bei der Spieltags-Pressekonferenz am Donnerstag nicht nur Trainer André Breitenreiter auf dem Podium saß, sondern auch Vorstandsvorsitzender Ronald Maul. Denn für gewöhnlich nimmt der Vorstandschef nur an Pressekonferenzen teil, wenn es etwa eine wichtige Personalentscheidung zu verkünden gab. Das war am Donnerstag nicht der Fall.

"Es war mir wichtig, dabei zu sein, weil ich die Gelegenheit nutzen möchte, jedem Fan zu versichern, dass uns klar ist, dass wir unseren Ansprüchen hinterherhinken und aktuell nicht zufrieden sind", so Maul. Gleichwohl seien die Verantwortlichen vom aktuellen Weg "absolut überzeugt", zumal bereits "klare Verbesserungen" zu sehen seien. Auch mit den Trainingseinheiten zeigte sich der Vorstandschef "sehr, sehr zufrieden". Doch nur, um über die aktuelle Situation zu sprechen, war Maul nicht zur Pressekonferenz erschienen. Sein eigentliches Anliegen war ein anderes.

Im Hinblick auf den vor der Saison öffentlich ausgerufenen Aufstieg betonte der 53-Jährige, dass die Kogge zwar "immer ein ambitionierter Verein" sein werde, jedoch nicht jede Woche über das Saisonziel reden müsse. Daher sei auch mit der Mannschaft besprochen worden, dass der Fokus vorerst immer nur auf dem nächsten Spiel liegen soll. "Weiter muss aktuell keiner denken." Alle anderen Ziele sollen – zumindest vorerst – "ein bisschen außer Acht" gelassen werden.

"Sind sehr überzeugt von unserem Kader"

Noch am vergangenen Samstag hatte Maul in der Halbzeitpause der Partie in Regensburg davon gesprochen, dass am Aufstieg weiter festgehalten werde und bis zur Winterpause möglichst Schlagdistanz hergestellt werden soll. Darauf bei der Pressekonferenz angesprochen, reagierte Maul ausweichend und meinte auf die Frage, ob die Verantwortlichen überzeugt seien, das Ziel mit dem Kader erreichen zu können, schlicht: "Wir sind sehr überzeugt von unserem Kader." Damit, in der Winterpause den Anschluss nach oben hergestellt zu haben, sei kein Thema, "mit dem wir uns kurzfristig befassen müssen", ruderte er nun ein Stück weit zurück.

Dass die 2. Liga bereits vor der Spielzeit öffentlich als Ziel ausgerufen worden war, hatte Marco Schuster zuletzt öffentlich kritisiert. Wie Maul berichtete, habe er diesbezüglich nochmal das Gespräch mit dem 31-Jährigen gesucht – mit dem Ergebnis: "'Pass auf, dann schiebt das alles zur Seite und kümmert euch nicht um irgendwelche Saisonziele, sondern aktuell um das Spiel gegen Großaspach", habe er mit Schuster besprochen. "Alles andere muss auch nicht jeder Spieler jede Woche in der Form dann so bewerten. Das ist dann unsere Aufgabe als Vorstand."

Genau wie das Thema Transfers in der Winterpause, das Maul aber noch offen hielt. "Es geht jetzt lediglich darum, von Spiel zu Spiel die Leistung abzurufen und am Ende dann auch die Qualität auf den Platz zu kriegen." Dass das gelingen wird, davon zeigte sich Maul überzeugt: "Ich bin sehr positiv, dass die Mannschaft das da auf den Platz bekommt."

Breitenreiter: "Ich glaube total an die Jungs"

Genau wie auch Trainer André Breitenreiter, der auf das öffentliche Benennen der Aufstiegsziele im Vorfeld der Saison nicht eingehen wollte: "Das ist nicht mein Thema, weil ich überhaupt nicht hier war und es sicherlich unterschiedliche Ansätze gibt, wie man an etwas herangehen kann." Statt sich mit der 2. Liga zu beschäftigen, war der 55-Jährige in den vergangenen Tagen und Wochen darum bemüht, herauszufinden, warum es bei der Kogge derzeit nicht läuft. Seine Erkenntnis: "Was uns gerade killt, sind diese Schlüsselmomente, die dermaßen gegen uns laufen. Ob es Schiedsrichter-Entscheidungen, individuelles Fehlverhalten, persönliche Ausrutscher oder Fehler sind, die zu Gegentoren führen. Diese Dinge sind einfach viel zu viel."

Mit der Qualität des Kaders oder den Fähigkeiten der Spieler habe das hingegen nicht zu tun. "Das dreht sich irgendwann wieder, aber man muss es eine gewisse Zeit aushalten. Das ist doof und ich verstehe jeden, der Sorge hat." Dennoch versicherte der Hansa-Coach, "dass die Jungs für Hansa brennen" und die Stimmung im Training positiv sei. Er habe zuletzt so viel mit den Spielern gesprochen "wie wahrscheinlich noch nie", betonte Breitenreiter und stellte sich öffentlich hinter seine Mannschaft: "Ich glaube total an die Jungs, auch wenn es vielen draußen schwerfällt. Und wenn ich der Einzige bin, dann hoffe ich, dass es reicht, wir am Samstag ein gutes Spiel machen und dieses auch gewinnen."

Dietze noch fraglich

Nicht dabei sein werden Leon Dajaku (Gelb-Rot-Sperre), Emil Holten und Paul Stock (beide Knieverletzung). Zudem ist der Einsatz von Benno Dietze fraglich, nachdem er im Training einen Schlag in die Wade bekommen hat. Eine Entscheidung soll am Freitag fallen. Genau wie auch bei Keeper Luca Unbehaun, der nach seinen Rückenproblemen schon wieder ins Training eingestiegen ist. Doch unabhängig davon, ob der 25-Jährige spielen kann, legte sich Breitenreiter bereits darauf fest, dass erneut Philipp Klewin zwischen den Pfosten stehen wird. Kann der 33-Jährige dazu beitragen, dass sich die Kogge mit einem Sieg in die Länderspielpause verabschiedet? Bei einer erneuten Niederlage könnte die Stimmung kippen – und die Aufstiegsplätze endgültig außer Sichtweite geraten.

   

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