Großer Schiri-Ärger beim FCS: "Weiß nicht, ob es Matchfixing war"

Trotz Führung musste sich der 1. FC Saarbrücken mit 2:3 bei Schlusslicht TSV Havelse geschlagen geben und damit einen Dämpfer hinnehmen. Im Nachgang haderten die Saarländer zum einen mit sich selbst, zum anderen aber vor allem auch mit dem Schiedsrichter. Florian Pick setzte dabei zu einer Wutrede an.

"Das darf man nicht unkommentiert lassen"

Mit lauten "Schieber, Schieber"-Rufen aus dem Gästeblock wurde er nach Spielende verabschiedet, Schiedsrichter Maximilian Lotz. Und auch Florian Pick war auf den Unparteiischen alles andere als gut zu sprechen, als er zum Interview mit "MagentaSport" kam. "Ich muss durchschnaufen, weil ich sonst den Jan Löhmannsröben mache", spielte er auf ein legendäres Interview des mittlerweile 35-Jährigen an, der dem Schiedsrichter im September 2018 nach einem Spiel des FSV Zwickau gegen den 1. FC Kaiserslautern empfohlen hatte, Cornflakes zählen zu gehen.

Pick musste sich sichtlich auf die Zunge beißen, um nicht in eine ähnliche Kerbe zu schlagen. "Aber wir müssen einfach mal darüber sprechen, was der Schiedsrichter heute hier veranstaltet hat. Das darf man nicht unkommentiert lassen", setzte der FCS-Kapitän zu einer Wutrede an. "Ich kann nur hoffen, dass heute mal zugeschaut wurde. Keine Ahnung, ob es Matchfixing (auf Deutsch Spielmanipulation; d. Red.) war. Ich kann mir das nicht erklären."

Bereits in der Pause habe Pick das Gespräch mit dem Unparteiischen gesucht, nachdem dieser in der 37. Minute einen strittigen Elfmeter für Havelse gepfiffen hatte, als Wriedt gegen Brünker zu Boden gegangen war, und auf der anderen Seite bei einem Duell gegen Brünker (2.) nicht auf Strafstoß entschieden hatte. "Er meinte, dass er schauen müsse, Kleinigkeiten wegzulassen und die Entscheidungen wieder auszugleichen. Ich habe dann gesagt, dass ihm das komplette Spiel entgleitet. Und dann pfeift er direkt nach der Halbzeit wieder einen Elfmeter."

Auch das 1:3 war umstritten

Auch dieser war strittig, da das Halten von Gleiber gegen Belkahia allenfalls leicht war. Pick verstand die Welt nicht mehr: "Also wie gesagt: Ich muss aufpassen, weil mir sonst der Kragen platzt." Zumal auch das 1:3 zu den umstrittenen Entscheidungen zählte, da Guiddir im Abseits stehend die Sicht von Keeper Bignetti behinderte (88.) und es auf der anderen Seite erneut keinen Elfmeter für den FCS gab, nachdem Caliskaner im Strafraum zu Fall gegangen war (82.). Der dritte Havelser Elfmeter an diesem Nachmittag war indes unstrittig (90.+3), kam Bignetti gegen Guiddir doch klar zu spät.

Havelse-Coach Samir Ferchichi konnte den Ärger der Saarbrücker beim ersten Elfmeter indes durchaus verstehen ("Wenn es gegen uns gepfiffen wird, würde ich auch sagen, dass man wahrscheinlich weiterspielen lassen muss"), sprach beim zweiten Strafstoß dagegen von einem "klaren Elfmeter". Auch, weil die Havelser zuletzt selbst schon einen ähnlichen Strafstoß gegen sich gepfiffen bekamen.

"Haben schon eine Scheiße gespielt"

Bei allem Ärger der Saarbrücker über den Schiedsrichter gehört zur Wahrheit aber auch dazu, dass das 1:0 durch Staff (14.) ebenfalls nicht hätte zählen dürfen, weil Pick zuvor im Abseits stand. Hinzu kommt, und das merkte auch Pick kritisch an, dass der Auftritt des FCS alles andere als überzeugend war. "Wir haben schon eine Scheiße gespielt", fand der 31-Jährige deutliche Worte und wollte auch die aus seiner Sicht "katastrophalen" Platzbedingungen nicht dafür verantwortlichen machen. "Wir hatten viel zu viele Ballverluste und zu viele Sachen, die uns nicht gelungen sind. Daher haben wir zu Recht verloren."

Das sah auch Trainer Argirios Giannikis so, der bemängelte, dass nach dem 1:0 mehrere Konter nicht gut ausgespielt worden seien. "Wenn wir die Ansprüche irgendwann höher legen wollen, müssen wir das Spiel gewinnen", meinte der 46-Jährige und sprach von einem Learning für die Mannschaft. "Wir müssen auch dann die Ruhe bewahren, wenn ein Spiel durch unglückliche Entscheidungen auf die andere Seite kippt." Diesbezüglich sieht Giannikis seine Mannschaft weiterhin in einem Entwicklungsprozess.

"Wenn wir das Spiel gewonnen hätten, würden wir über andere Sachen reden. Dann hätten wir einen Schritt gemacht, auch solche Spiele gegen Widerstände zu gewinnen." Zur Schiedsrichter-Leistung hielt er indes nüchtern fest: "Wenn er die Elfmeter auf der einen Seite gibt, muss er sie auch auf der anderen Seite geben." Trotz der Niederlage bleibt der FCS vorerst auf Platz vier – und kann es am Sonntag in einer Woche beim Südwest-Derby gegen Waldhof Mannheim besser machen. Dann soll die Schiedsrichter-Leistung nicht wieder derart im Vordergrund stehen.

   

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