Regionalliga-Reform: Kippt die Mehrheit für Kompassmodell?
Die geplante Reform der Regionalligen steht vor einer entscheidenden Phase. Bislang galt das Kompassmodell als aussichtsreichste Lösung, doch die für eine Umsetzung notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit könnte beim DFB-Bundestag am 18. Dezember ins Wanken geraten. Vor allem im Süden gibt es Widerstand – und auch aus Hessen kommen deutliche Signale.
Machtwechsel im Süden
Acht Wochen vor der Entscheidung über die Reform der Regionalliga gerät das Kompassmodell unter Druck. Auf dem außerordentlichen DFB-Bundestag am 18. Dezember in Frankfurt braucht der Antrag von DFB-Präsident Bernd Neuendorf eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Delegierten, weil dafür die Satzung geändert werden muss. Doch diese Mehrheit gilt seit einem Führungswechsel im Süddeutschen Fußball-Verband (SFV) nicht mehr als sicher.
Beim Verbandstag in Augsburg setzte sich Reinhold Brandt mit 87 zu 57 Stimmen gegen den bisherigen SFV-Präsidenten Ronny Zimmermann durch. Entscheidend half Brandt die Unterstützung um Bayerns Verbandspräsident Christoph Kern. Dieser gilt als einer der entschiedensten Gegner des Kompassmodells, weil er die Regionalliga Bayern erhalten will. Zimmermann bleibt zwar Erster Vizepräsident Amateure im DFB-Präsidium. Ihm war aber vorgeworfen worden, in der Regionalliga-Frage zu zögerlich zu agieren. Von Brandt und Kern wird nun erwartet, dass sie in der Sache offensiver auftreten.
Süden könnte Kompassmodell stoppen
Der Knackpunkt: Die Regional- und Landesverbände aus dem Süden (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland) verfügen zusammen über etwas mehr als ein Drittel der Stimmen beim DFB-Bundestag. Sollten sie geschlossen gegen das Kompassmodell stimmen, könnten sie die für die Satzungsänderung notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit verhindern. Kern favorisiert eine Aufstockung der 3. Liga von 20 auf 22 Mannschaften. Die fünf Regionalligen blieben dann bestehen, und es gäbe fünf Auf- und Absteiger. Einen entsprechenden Gegenantrag könnte er auf dem Bundestag stellen. Allerdings hatte sich der DFB schon vor Jahren gegen eine Aufstockung der 3. Liga ausgesprochen, auch die Drittligisten votierten zuletzt dagegen.
Dem "Kicker" zufolge erwägt der Süden außerdem, nach einer internen Abstimmung unter den fünf Landesverbänden Baden, Bayern, Hessen, Südbaden und Württemberg einen eigenen Antrag oder sogar ein eigenes Modell vorzulegen. Als weitere Option galt zuletzt das Regionenmodell. Es sieht ebenfalls vier Ligen vor, würde dafür aber die Nordost-Staffel aufteilen und stößt deshalb beim Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) auf Ablehnung.
Das steht im Neuendorf-Entwurf
Ungeachtet der veränderten Machtstrukturen im Süden wirbt der DFB um Präsident Bernd Neuendorf weiter um das Kompassmodell und hat den Präsidenten der fünf Regional- und 21 Landesverbände am Donnerstagabend einen Entwurf zugeschickt, berichtet die "Bild"-Zeitung. Wie bereits bekannt, soll das Kompassmodell ab der Saison 2028/29 greifen. Vier Staffeln mit je 20 Mannschaften ersetzen dann die bisherigen fünf Regionalligen mit zusammen 90 Teams, zwischenzeitlich waren auch 18 Teams pro Staffel im Gespräch. Jeder der vier Meister steigt direkt in die 3. Liga auf.
Die Staffeln werden jedes Jahr neu und unter Einsatz künstlicher Intelligenz nach geografischen Kriterien zusammengestellt. Je nach Auf- und Absteigern kann ein Klub deshalb in unterschiedlichen Staffeln landen. Traditionelle Derbys sollen möglichst erhalten bleiben, eine Garantie gibt es aber nicht. Träger der vier Ligen wird der DFB. Als Ausgleich soll jeder der fünf Regionalverbände jährlich 500.000 Euro, jeder teilnehmende Verein bekommt 40.000 Euro pro Saison. Ausgenommen sind die zweiten Mannschaften der 36 Profiklubs. Die Zahlungen sind zunächst für vier Jahre garantiert.
Hessen als Knackpunkt
Der heikelste Punkt liegt in der jährlichen Neueinteilung. Hessische Klubs fürchten, dadurch unberechenbar zwischen den Staffeln hin- und hergeschoben zu werden. Brandt sagte der "Frankfurter Rundschau", das Modell in der bisher diskutierten Form würde Hessen in eine "unsägliche Position" bringen. Er räumte zugleich ein, dass sich das ändern lasse: Man müsse eine Lösung finden, darin sei man sich einig.
Dem DFB liegen dafür der "Bild" zufolge drei Verhandlungsangebote vor. Ein sogenannter Hessen-Paragraf könnte festlegen, dass hessische Vereine nur auf zwei Staffeln, West und Ost, verteilt werden dürfen und einzelne Klubs über mehrere Jahre hinweg höchstens in zwei Staffeln spielen. Außerdem seien zusätzliche Fördertöpfe denkbar, aus denen Grenzgänger-Vereine, die die Staffel wechseln müssen, einen finanziellen Ausgleich vom DFB erhalten, heißt es. Als dritte Möglichkeit steht ein Sonderantragsrecht im Raum: Klubs, die mehrere Jahre in einer fremden Staffel gespielt haben, könnten beantragen, wieder in ihre frühere Region zurückzukehren. Hessen Kassel etwa dürfte nach zwei Jahren im Osten in der dritten Saison wieder im Westen antreten.
Konferenz am Montag
Am Montag, 26. Oktober, stellt Neuendorf den Entwurf bei der Konferenz der Regional- und Landesverbandspräsidenten vor. Debatten und möglicherweise erste Gegenvorschläge aus dem Süden gelten als wahrscheinlich. Am Freitag darauf befasst sich das DFB-Präsidium mit dem Antrag, bevor er am 18. Dezember zur Abstimmung kommt. Bis dahin dürfte weiter um Mehrheiten und mögliche Anpassungen gerungen werden. Noch ist offen, ob das Kompassmodell in seiner bisherigen Form eine Zwei-Drittel-Mehrheit erhält – oder ob sich die Reformgegner mit einer Alternative durchsetzen können.