Trainer-Umfrage: Das sind die Top-Favoriten auf den Aufstieg

Bevor am 7. August die neue Saison beginnt, hat liga3-online.de alle 20 Trainer nach ihren Aufstiegsfavoriten befragt, von denen sich 17 Übungsleiter beteiligen wollten. Das Ergebnis: Genau wie in der letzten Saison gibt es mit Hansa Rostock (17 Stimmen) einen klaren Favoriten. Auch Fortuna Düsseldorf (14 Stimmen) werden sehr gute Chancen eingeräumt, die drittmeisten Stimmen erhielt Rot-Weiss Essen (elf). 

Hansa als Top-Favorit

Zweimal in Folge scheiterte der F.C. Hansa Rostock zuletzt nur knapp an der Rückkehr in die 2. Liga – jeweils als Fünfter. 2025 fehlten fünf Punkte zu Platz 3, in der vergangenen Saison war es nur drei Zähler. Gelingt der Aufstieg nun im dritten Anlauf? Wenn es nach den Trainern geht, gibt es daran keinen Zweifel. Alle 17 Trainer, die sich an der Umfrage von liga3-online.de beteiligen wollten, haben die Kogge als Aufstiegsfavoriten genannt.

Als Begründung verwiesen die Übungsleiter zum einen darauf, dass es dem FCH gelungen ist, nahezu alle Leistungsträger zu halten. "Eine eingespielte Mannschaft, die auch in der vergangenen Saison oben mitgespielt hat", erklärt Verl-Coach Orest Shala seine Nominierung – und führt aus: "Sie verfügen über enorm viel Qualität im Kader und eine riesige Fanbase. Der Trainer bleibt, und der komplette Verein möchte unbedingt in die 2. Bundesliga aufsteigen." Zumal auch die personellen Verstärkungen "schon richtig stark" seien. Auch Hoffenheim-Coach Stefan Kleineheismann bezeichnet die Kogge als "sehr gefestigte Mannschaft" und ist sich sicher: "Die Konstanz in der Zusammenstellung dürfte sie auch in diesem Jahr zu einem der Favoriten machen." Nach Auffassung von Mersad Selimbegovic, Trainer von Alemannia Aachen, habe es Hansa zudem "endlich geschafft, auf den entscheidenden Positionen etwas Kontinuität zu schaffen".

Zum anderen werden auch die finanziellen Möglichkeiten als Faktor genannt. MSV-Coach Dietmar Hirsch etwa sieht bei der Kogge durch den Verkauf von Ryan Naderi, der im Winter rund 5,5 Millionen Euro in die Kasse gespült hatte – Rekord für Hansa und die 3. Liga – einen "wirtschaftlichen Vorteil". Wohl auch deswegen war es dem FCH möglich, Top-Torjäger Emil Holten fest zu verpflichten. Für Viktoria-Coach Marian Wilhelm steht fest: "Wenn Hansa vor den eigenen Fans wieder konstanter punktet, wird die Mannschaft nur sehr schwer aufzuhalten sein."

Daniel Brinkmann wollte indes nicht an der Umfrage teilnehmen, dafür hatte Aufsichtsratschef Sebastian Eggert den Aufstieg als klares Ziel ausgerufen: "Das muss auch – ganz ohne arrogant zu sein – der Anspruch sein. Da brauchen wir nicht drum herumreden", sagte Eggert vor vier Wochen. Zudem soll es nach Möglichkeit nicht bei Rang drei oder zwei bleiben: "Ich will nicht nur aufsteigen, sondern auch Erster werden."

F95 weit vorne mit dabei

Deutlich zurückhaltender hatten sich bisher die Verantwortlichen von Fortuna Düsseldorf geäußert, die von den Trainern aber ebenso als einer der Favoriten gesehen werden. 14 Stimmen entfielen auf die Rheinländer. Diese haben mit bislang 13 Zu- und 29 Abgängen zwar einen gewaltigen Umbruch vollzogen, sind nach Einschätzung vieler Übungsleiter aber ein Schwergewicht der 3. Liga "und haben brutale Voraussetzungen, den sofortigen Wiederaufstieg zu schaffen", sagt Kleineheismann.

Für FCS-Coach Argirios Giannikis ist F95 gar "Aufstiegskandidat Nummer eins. Sie sind Absteiger aus der Zweiten Liga und nun der größte Klub in der 3. Liga. Dementsprechend verfügen sie im Vergleich mit der Konkurrenz auch über enorme Mittel und sind maximal ambitioniert". Wilhelm sieht bei der Fortuna zudem "auf nahezu jeder Position Spieler, die in der 3. Liga den Unterschied ausmachen können". Mit Alexander Ende, der Hansa, Essen und Duisburg nominierte, verfüge F95 darüber hinaus über einen Trainer mit einer "dominanten Spielidee" und der die Liga kennt. "Finden sie früh Stabilität und klare Abläufe, sind sie für mich der Favorit Nummer eins", legt sich Wilhelm fest.

Geht es nach Selimbegovic, werden die Rheinländer "nicht viel Anlaufzeit brauchen. Der Kader ist zwar noch nicht komplett, aber man kann jetzt schon sagen, dass er richtig gut und erfahren ist. Am Dauerkartenverkauf sieht man, was das Ziel ist." Über 18.000 Jahreskarten sind bislang verkauft – Rekord in der 3. Liga. "Das spricht für den Zusammenhalt zwischen Verein und Fans", hebt Shala hervor.

Auch RWE mit guten Chancen

Neben Hansa Rostock und Fortuna Düsseldorf werden auch Rot-Weiss Essen gute Chancen eingeräumt, nachdem die Mannschaft von Trainer Uwe Koschinat in der vergangenen Saison erst in der Relegation gegen die SpVgg Greuther Fürth am Aufstieg gescheitert war. Elf Trainer nannten RWE als einen ihrer drei Favoriten, darunter Verls Shala: "Sie haben den Aufstieg in der vergangenen Saison um Haaresbreite verpasst, aber viele Leistungsträger sind dem Verein erhalten geblieben. Die Qualität der Neuzugänge zeigt, dass sie wieder oben angreifen wollen." Auch Würzburg-Coach Michael Schiele geht davon aus, "dass sie dieses Jahr alles daransetzen, den Aufstieg endlich auch zu schaffen". Wilhelm bescheinigt RWE indes einen "vielseitigen und entwicklungsfähigen Kader" und meint: "Greifen die neuen Bausteine schnell ineinander, besitzt RWE alle Voraussetzungen, um wieder ernsthaft um den Aufstieg mitzuspielen."

Während sich RWE-Coach Uwe Koschinat nicht äußern wollte und auch die Verantwortlichen den Aufstieg bislang nicht öffentlich als klares Ziel ausgerufen haben, ging Erzrivale MSV Duisburg zuletzt etwas offener damit um. "Der Ehrgeiz ist da: Wir wollen in die zweite Liga. Ob wir das am Ende erreichen, das hängt nun auch von der Liga ab", sagte Sportchef Chris Schmoldt Mitte Juni. Immerhin vier Trainer – Alexander Ende, Samir Ferchichi, Matthias Mink und Lucas Beniermann – haben die Zebras auf dem Zettel.

Acht statt sieben Vereine nominiert

Jeweils eine Stimme entfiel auf Alemannia Aachen, den 1. FC Saarbrücken, Preußen Münster und den SV Wehen Wiesbaden. Die Alemannia wurde von Kleineheismann nominiert – seine Begründung: "Sie haben in der letzten Saison eine brutale Rückrunde gespielt. Wenn sie diesen Weg in der kommenden Spielzeit weiter fortsetzen können, werden sie im Kampf um die vorderen Plätze mitmischen."

Auffällig: Im Vergleich zum letzten Jahr wurden dieses Mal acht statt sieben Vereine nominiert, zudem verteilen sich die Stimmen überwiegend auf drei Vereine. Gleich achtmal wurde die Kombination Hansa, Düsseldorf, Essen genannt. Vor der vergangenen Saison hatten 1860 München (17), Hansa Rostock (16), der 1. FC Saarbrücken (9) und Rot-Weiss Essen (8) die meisten Stimmen erhalten. Den VfL Osnabrück und Energie Cottbus hatte dagegen niemand auf dem Zettel. Ob sich die Einschätzungen der Trainer bewahrheiten oder erneut ein Außenseiter überrascht, wird sich spätestens im Mai 2027 zeigen.

   

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