Ex-Drittliga-Spieler #4: Was macht eigentlich Pascal Sohm?
Seit der Einführung der 3. Liga im Jahr 2008 haben schätzungsweise mehr als 5.000 verschiedene Spieler mindestens eine Partie in Deutschlands dritthöchster Spielklasse bestritten. Einige blieben dabei besonders in Erinnerung. Auf diese Spieler schaut liga3-online.de in der Serie "Was macht eigentlich …?". Heute: Pascal Sohm, der schon in seiner aktiven Zeit als Fußballer an einer Karriere nach der Karriere gearbeitet hat und noch ein Engagement bei der TG Forchtenberg plant. Im Gespräch mit liga3-online.de erzählt der frühere Angreifer von seiner heutigen Tätigkeit als Sportwissenschaftler und seine Teilnahme an der Icon League.
"Ribery und Müller haben getroffen. Und ich"
In der Saison 2013/14 sicherte sich die SG Sonnenhof Großaspach den Meistertitel in der Regionalliga Südwest und über die Aufstiegsspiele erstmals einen Platz in der 3. Liga. Pascal Sohm stand damals noch beim SSV Ulm 1846 unter Vertrag, aber wechselte zur neuen Saison zum selbsternannten Dorfklub. "Die SGS hat sich damals zurecht so verkauft, weil es eben auf gut deutsch auch einfach so ist. Das ist ein kleines Dorf, aber wir haben uns dann über Jahre hinweg gehalten und etabliert und waren dann auch ein gestandener Drittligist", erinnert sich der 34-Jährige gerne an die Zeit in Großaspach zurück – und drückt seinem damaligen Klub auch heute noch die Daumen dafür, dass sich der Dorfklub wieder etablieren kann. Halle, Dresden und Mannheim gehörten später noch zu seinen Drittliga-Stationen.
Einige Dinge aus der aktiven Karriere vergisst man nie, wie auch Sohm weiß. "Gefreut habe ich mich, als ich mal im Testspiel mit der SGS gegen Bayern München in der Allianz-Arena getroffen hab. Wir haben ’nur' 3:5 verloren, und bei Bayern haben Ribery und Müller getroffen. Und ich bei uns. Ich hab dann noch mit Arjen Robben das Trikot getauscht", erzählt der Hobbysammler, der sich in seiner Karriere viele Leibchen sichern konnte. Etwas, das er bis heute nicht missen will: "In unserem neuen Haus habe ich eine Fußballecke eingerichtet. Da hängen schon ein paar gute Dinger", schmunzelt der ehemalige Drittliga-Stürmer.
"Letzter Step wird mein Heimatverein"
Auf dem Platz steht er heute noch für Türkspor Neckarsulm in der Oberliga, traf vier Mal in acht Spielen. "Ich wollte die Fußballschuhe noch nicht an den Nagel hängen, aber ich wollte auch noch ein bisschen ambitionierter spielen ohne den ganz großen Druck. Der letzte Step wird dann irgendwann die Rückkehr zu meinem Heimatverein sein. Die TG Forchtenberg spielt aktuell in der Kreisliga", verrät Sohm bereits, was auf dem Fußballplatz noch von ihm zu erwarten ist. Dass der 34-Jährige noch ganz gut in Schuss ist, bewies er jedoch an ganz anderer Stelle – nämlich in der Icon League, die Hallenfußball-Liga von Toni Kroos und Elias Nerlich.
"Das war wirklich eine krasse Nummer", beschreibt Sohm das Format, das in den letzten Jahren deutlich an Prestige und Aufmerksamkeit gewonnen hat. Ehemalige Fußballstars, aktuelle Spieler sowie bekannte Sport-Moderatoren, Rapper und Streamer sind dort an Bord. "Da waren wirklich namhafte Leute dabei. Quaresma, Nani", schwärmt der frühere Aspacher. "In meiner Mannschaft war Simon Terodde, der mich auch ins Boot geholt hat. Sein Schwager, Julian Riedel, mit dem ich bei der SGS gespielt habe, hatte mich damals angefragt. Und ich hab gesagt: 'Interessant'." Viele kleine, schnelle Bewegungen im hochintensiven Bereich – trotz guter Fitness war das Kleinfeld herausfordernd. "Das war nicht so verkehrt, dass wir da viel wechseln konnte. Rein, raus, wie man Lust hatte. Dann ein paar Minuten Gas geben, das war für mich alles im grünen Bereich."
"Vormittags im Büro, dann 14 Uhr Training"
Nicht nur sportlich, sondern auch beruflich ist Sohm heute gut aufgestellt. Die Weichen legte er früh, wie er verrät. "Als ich damals nach Aspach gegangen bin, habe ich schon nebenbei Sportwissenschaften studiert. Ich habe gleichzeitig dort mit dem heutigen Pressesprecher Lucca Volkmer zusammengearbeitet. Uns wurde immer ans Herz gelegt, dass wir unsere berufliche Karriere neben dem Fußball vorantreiben", beschreibt der 34-Jährige, welche Tipps ihm mit auf den Weg gegeben wurden. Pressearbeit und Marketing waren Sohms Aufgabengebiete – und das parallel zum Profibetrieb. "Dafür war ich natürlich eher unter der Woche eingeplant, nicht an Spieltagen", so Sohm. "Aber wenn um 14 Uhr Training war, dann saß ich Vormittags im Büro und habe da meine Hausaufgaben gemacht. Korrekturlesen von Interviews, Arbeit für Social Media, und dann rüber ins Stadion zur Trainingseinheit."
Sogar Spielberichte fielen in Sohms Regie, aber darin – professionell, wie sich der 34-Jährige in seiner Karriere zeigte – blieb der Mittelstürmer selbstverständlich objektiv. Eine gute Vorbereitung für die heutige Tätigkeit des Ex-Profis, denn Sohm arbeitet mittlerweile als Sportwissenschaftler für das Gesundheitsunternehmen 'Motsch.'. "Ich bin dort in einem Ärzte- und Physiohaus, in dem ich meine eigene Abteilung 'Performance' aufgebaut habe. Ich erstelle Trainingspläne für diejenigen, die aus ihren Leistungen noch etwas mehr herausholen wollen. Nicht nur für Fußballer, sondern auch für Tennisspieler, Basketballer, Handballer oder Triathleten. Eigentlich alle Bereiche."
"Einer möchte auf den Kilimanjaro rauf"
Sportspezifisches Athletiktraining in einer individuellen Zusammenstellung – das ist es, was Sohm seinen Kunden jeglicher Alterklasse und Leistungsstand anbietet. "Gerade im athletischen Bereich muss man immer neu schauen, was für Bewegungen gefragt sind. Auch bei jemandem, der aus einer Verletzung zurückkommen will. Man muss leistungsdiagnostische Tests absolvieren, die ich durchführe", beschreibt der frühere Profi. Und gerade darin liegt sein Vorteil: "Dadurch, dass ich aktiv im Spitzensport tätig war und das theoretische Wissen hatte, habe ich mit einem gezielteren Blick hinter die Kulissen schauen können. Ich habe früher schon Ärzte und die Leute drumherum gefragt, warum und wie Dinge gemacht werden."
So will er heute durch seine Erfahrungen im aktiven Part die indirekte Hilfe für sportliche Bestleistungen geben, wie er ausführlich beschreibt: "Es zielt schon darauf ab, die Profisportler reinzuholen. Aber auch im Breiten- und Hobbysport gibt es viele Leute, die einfach noch einen Tick mehr aus sich herausholen und die letzten Prozente erreichen wollen. Da ist von A bis Z alles dabei, und das ist auch das Spannende für mich, weil ich mich auch immer anpassen muss. Mit einem Dartspieler würde ich beispielsweise Kraft- und Ausdauertraining, aber auch Kognitionstraining machen. Da ist auch der Kopf und ständiger Fokus und Konzentration gefragt, nicht nur der Wurfarm. Momentan habe ich unter anderem auch jemanden, der auf den Kilimanjaro rauf möchte. Mit ihm machen wir simuliertes Höhentraining." Sohm bleibt das, was er schon in seiner Fußballkarriere war: Ein Allrounder.
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